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Lebenshilfe investiert weiter in Standort Rastatt
Lebenshilfe investiert weiter in Standort Rastatt
12.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Rastatt
- Der offizielle Spatenstich soll zwar erst Ende des Jahres gesetzt werden, doch die Arbeiten laufen bereits auf vollen Touren: Die Lebenshilfe Rastatt/Murgtal realisiert in Rastatt hinter den bestehenden Murgtal-Werkstätten in der Alten Bahnhofstraße ein weiteres Projekt für rund 3,5 Millionen Euro. Vorgesehen sind ein Zentrallager, eine weitere Werkstatt sowie Räumlichkeiten für Menschen mit einem hohen Hilfe- und Betreuungsbedarf.

Baubeginn war im Dezember 2018, komplett fertiggestellt werden soll das Projekt dann im Spätjahr 2020, sagt Martin Bleier, Geschäftsführer der Murgtal-Werkstätten & Wohngemeinschaften gGmbH. Insgesamt werden in der Werkstatt 65 Arbeitsplätze geschaffen, 53 davon für den Metallbereich, der sich derzeit noch in Muggensturm befindet und nach Fertigstellung nach Rastatt an den bahnhofsnahen Standort ziehen wird. Zwölf Plätze sind für das "betreute begleitete Arbeiten plus" vorgesehen - und damit für Menschen mit Handicap, die aufgrund ihrer Erkrankung oder ihres Alters nur noch zeitweise und nicht mehr den ganzen Tag mitarbeiten können. "Sie machen dazwischen auch mal andere Dinge", verweist Bleier etwa auf musische oder kreative Tätigkeiten. Der Bedarf für diese Plätze der alternativen Betreuungsform steige, verdeutlicht der Geschäftsführer, denn: "Unsere Mitarbeiter werden auch älter."

Mit dem Bau eines Zentrallagers für dann alle Murgtal-Werkstätten in Rastatt reagiert die Lebenshilfe auf aktuelle Erfordernisse. Materialien für Aufträge müssen inzwischen meist selbst abgeholt, die fertigen Arbeiten zwischengelagert und abtransportiert werden. Als Teil der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal bieten die Murgtal-Werkstätten & Wohngemeinschaften gGmbH als Dienstleistungsunternehmen der Eingliederungshilfe an bisher sieben Standorten rund 520 Menschen mit geistigen, körperlichen und seelischen Einschränkungen berufliche und soziale Rehabilitation. Regelmäßige Auftraggeber aus der Region sind 130 Firmen. Derzeit müssen die produzierten Teile noch dezentral in den Werkstätten und übergangsweise in einem Zelt an der Alten Bahnhofstraße gelagert werden.

Die Zentrallagerung sei daher ein jahrelanger Wunsch gewesen, sagt Bleier und zeigt die Größenordnung auf: Das neue Lager werde über 1 000 Palettenstellplätze bieten. Pro Tag werden dann künftig bis zu zehn Lkw die Murgtalwerkstätten anfahren und verlassen.

Weiteres Vorhaben

in Warteschleife

Ist das Bauprojekt bereits auf den Weg gebracht, so steht ein weiteres Vorhaben seit Jahren in der Warteschleife. Die Lebenshilfe, die in differenzierten Wohnangeboten über 200 Menschen mit Einschränkungen begleitet, will das Richard-Kunze-Haus in Niederbühl, das seinerzeit mit 32 Wohnplätzen für Menschen mit Behinderung in vier Gruppen und zwei Kurzzeitplätzen gebaut wurde, erweitern. Dort sollen sogenannte LibW-Plätze (längerfristig intensiv betreutes Wohnen) geschaffen werden für mehrfach behinderte Menschen mit erhöhtem Betreuungs- und Hilfebedarf. Weil diese speziellen Plätze rar sind und der Bedarf groß ist, wurde inzwischen in der Niederbühler Einrichtung eine Wohngruppe umfunktioniert - dort leben nun sechs Menschen mit Intensivbetreuung (wir berichteten). "Wir haben mittlerweile eine Warteliste mit 15 Personen", sagt Hasso Schmidt-Schmiedebach, Kreisvorsitzender der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal. Bleier hat schon Anfragen aus ganz Deutschland erhalten, seit das Angebot auf der Homepage der Lebenshilfe publiziert ist. Aber: "Wir können ja nicht mal den eigenen Bedarf im Landkreis decken", bedauert er. In ganz Baden-Württemberg, so schätzt Bleier, gebe es lediglich rund 50 LibW-Plätze.

Zwar liegt bereits eine Planung für ein Bauvorhaben vor - damals war ein Investitionsvolumen von rund 1,5 Millionen Euro angedacht, wie Schmidt-Schmiedebach erläutert - doch die ging von anderen Gebäudezuschnitten aus. Das Areal, auf dem die Lebenshilfe bauen will, gehört dem Land, die Stadt Rastatt will dieses Grundstück gegen ein anderes eintauschen und dann an die Lebenshilfe verkaufen. "Die Stadt ist in Gesprächen mit dem Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg, und wir sind mit der Stadt in Kontakt", meinte Bleier zum Sachstand. Wie die städtische Pressestelle auf BT-Nachfrage mitteilte, habe die Stadtverwaltung vor wenigen Tagen eine Antwort des Landesbetriebs Vermögen und Bau erhalten. Darin erkläre der Landesbetrieb, dass das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe als Nutzer des Gerätehofs in Niederbühl einen kostenneutralen Ersatz für die bisherige Lagerfläche einschließlich Zufahrtsmöglichkeit auf angrenzenden städtischen Flächen fordere. Die Stadtverwaltung müsse nun unter anderem klären, ob die vom RP geforderten Baumaßnahmen von der Stadt durchgeführt werden können. Ein Ergebnis gebe es demnach noch nicht, vielmehr laufen die Verhandlungen noch.

Ein Neubau an einem anderen Standort weg vom Richard-Kunze-Haus kommt indes nicht infrage, "denn wirtschaftlich ist solch ein Haus nur zusammen mit einem anderen in der Grundversorgung zu führen - damit werden Synergieeffekte erzielt", verdeutlicht Schmidt-Schmiedebach. Außerdem will die Lebenshilfe gleich ein Gesamtkonzept für das bestehende und das neue Gebäude entwickeln, denn das Richard-Kunze-Haus entspricht nicht mehr der Heimmindestbauverordnung und muss daher langfristig nachgebessert werden. So gibt es beispielsweise nur Gemeinschaftsduschen, gefordert ist aber mindestens eine Nasszelle für zwei Zimmer. Die Heimaufsicht habe der Lebenshilfe allerdings eine lange Frist eingeräumt, bis über das Jahr 2030, teilt Bleier mit.

Daher soll das Ganze gleich in ein Gesamtkonzept gegossen werden, verwirklicht werden könne es dann später sukzessive.

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