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Auftakt mit mehr Elan als Harmonie
13.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Anja Groß

Muggensturm - "Kommen Sie auch zum Anfängerorchester?", spricht mich eine künftige Musikerkollegin schon auf dem Parkplatz an. Mit großem oder kleinerem "Gepäck" in Form von Instrumentenkoffern und Notenständern streben 14 Musikerinnen und Musiker zur ersten Probe in die Wolf-Eberstein-Halle - alle in gespannter Erwartung. Nur der künftige Schlagzeuger ist "unbewaffnet" - das Instrument jedes Mal hin und her zu transportieren, wäre auch etwas viel Aufwand.

Teilweise kennt man sich schon - zumindest die, die vor- und nacheinander Unterricht haben. So traf ich beispielsweise die frühere Französischlehrerin meiner Tochter wieder - die Welt ist klein.

"Jetzt baut erstmal eure Instrumente zusammen", begrüßt uns Ausbildungsvorstand Michael Krug, der die Idee zum Anfängerorchester des Musikvereins Muggensturm hatte. Also stecken wir Saxofone, Klarinetten oder Querflöte zusammen, die Blättchen im Mund, um sie zu befeuchten - quatschen geht da nicht. Krug platziert uns - Klarinetten und Querflöte in die erste Reihe - "auch das noch!", denke ich. Ich fand es in der Schule schon schrecklich, vorne zu sitzen, was mir aufgrund meiner Größe glücklicherweise meist erspart blieb.

Dann stellt Krug sich und unseren Dirigenten Peter Müller ("ungefähr 70 und hat schon vier Musikvereine dirigiert") vor und beginnt eine lockere Kennenlernrunde. Manche sind überhaupt erst durch die BT-Serie aufmerksam geworden und haben dadurch Lust bekommen, mitzumachen, wie sie erzählen. Das freut mich, denn 14 sind ja schon eine beachtliche Anzahl. Wir sind acht "Neulinge" und sechs, die mehr als ein Jahr Erfahrung haben: eine Querflöte, vier Klarinetten, zwei Trompeten, drei Saxofone, ein Waldhorn, eine Posaune, ein Tenorhorn und ein Schlagzeug spielen mit. Fünf Männer und neun Frauen trauen sich - vier aus Muggensturm, drei aus Rastatt und jeweils eine(r) aus Bietigheim, Bischweier, Hörden, Iffezheim, Malsch, Oberweier und Ötigheim.

Jeder soll sich mit einem Ton aus seinem Instrument vorstellen. Das klappt nur bis zum Waldhorn, denn die Kollegin hat ihr Leih-Instrument gerade erst erhalten. Es wird viel gelacht. Gut, denn das löst die Nervosität: Wer will sich schon vor Wildfremden blamieren? Und Peter Müller scheint ein gelassener Dirigent zu sein - sehr beruhigend! Wir duzen uns, "so ist das unter Musikern", lernen wir von Müller. "Ihr schnuppert jetzt mal, und wer sich heute Abend überfordert fühlt, darf gerne erstmal noch in seinen Unterricht abtauchen und im Sommer wiederkommen", verspricht er. Gut, denn manche hatten noch gar keinen Unterricht, andere (so wie ich) mal gerade seit vier Wochen.

Dann kommt es zum Schwur: "Wollt ihr es probieren?", fragt Müller. Na klar, wir wollen! "Bühne frei" heißt das erste Lied, das er selber komponiert hat. Huch, da kommt ein fis vor, das habe ich noch gar nicht gelernt. Glücklicherweise kann mein Nachbar mir den Griff zeigen. Peter Müller zählt den Takt an und los geht's - mit viel Elan.

"Stopp", ruft Müller plötzlich. Erschrocken schauen wir von den Notenblättern auf: "Bitte schaut auf mich". Ich fühle mich an diverse Chorproben erinnert, in denen auch alle nur auf die Blätter starren und die Handzeichen der Dirigentin dann natürlich nicht wahrnehmen. Jeder hat seine eigene Variante gespielt - harmonisch klingt vermutlich anders. Ich verliere zwischendrin vor lauter neuem fis-Griff den Faden und merke, als ich versuche, mich an meiner Nachbarin zu orientieren, dass sie ganz andere Noten hat. Es gibt drei unterschiedliche Klarinettenvariationen. Auch das noch! Wie einfach ist es da doch im Chor, wo zumindest alle in einer Stimmlage dieselben Töne singen (sollten). Wir wiederholen das Stück noch mehrere Male, und nachdem Müller den Rhythmus angesagt hat, klappt es auch ganz gut. Ich bin ein klein wenig stolz.

Dann kündigt Müller ein "schwäbisches Volkslied" an: "Muss i denn". Oje, da gibt es ein b, das kann ich auch noch nicht. Wieder kann mein Nachbar helfen. Wir spielen den Refrain zweimal, der Rest ist Hausaufgabe. "Das klang doch schon ganz gut", meint Michael Krug hinterher zu mir, "vor allem die Pausen!" Haha! Dann wird zur Erinnerung ein Foto geschossen - das neue Anfängerorchester legt los! Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und ist eine nette Truppe. Ich freue mich schon auf das nächste Mal!

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