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Mit dem Rad Südosteuropa erkundet
17.06.2019 - 00:00 Uhr
Steinmauern (red) - Der passionierte Radfahrer Reinhard Jung aus Steinmauern hat eine Vision: Er möchte Europa "er-fahren". In den vergangenen 25 Jahren hat er regelmäßig große Touren unternommen, seit 2011 ist er mit seinem Freund Heinrich Moser aus Bischweier unterwegs. Nun hat das Duo auf einer dreiwöchigen Tour Südosteuropa erkundet. Die Radler fuhren durch acht Länder und legten dabei insgesamt 2 318 Kilometer zurück.


Für Reinhard Jung gibt es mittlerweile nicht mehr viele weiße Flecken auf der Landkarte. "Eine Ausnahme bildete Südosteuropa und das Ziel für 2019 war daher schnell klar", schreibt der 69-Jährige in seinem Reisebericht für das Badische Tagblatt. Mit dem Rad erlebe man viele Dinge einfach anders, als wenn man mit dem Auto unterwegs sei: "In der Po-Ebene gab es tolle Altstädte, verfallene kleine Dörfer, keine Industrie und marode Straßen, wie ich es in Italien nie für möglich gehalten hätte", berichtet der Steinmauerner. Slowenien, von dem er bisher wenig wusste, überraschte ihn positiv mit einer guten Infrastruktur.

"In Tschechien brummen die Metropolen, auf dem Land gibt es keine Industrie, die Infrastruktur ist teilweise miserabel." Aber auch die kleinen Dinge erfreuen die Radler - so etwa zwei Wirtinnen, die fragen, ob sie die Kleidung waschen sollten. Oder die italienische Wirtin, die ein Zimmer untervermietet, aber nur Italienisch spricht: "Sie überschüttete uns mit einem Redeschwall. Wir verstanden nichts, haben aber trotzdem hervorragend übernachtet", berichtet Jung.

Ebenfalls eine nette Erfahrung haben sie mit einer Radlerin, die sie in Prag nach dem Weg fragen und die sie etwa zehn Kilometer durch die Vorstädte bis an die Moldau begleitet.

Prämissen bei der Planung einer Tour sind für Jung schöne Städte und Landschaften. Hat er diese festgelegt, versucht er, sie möglichst durch Radwege zu verbinden. Bei der diesjährigen Tour waren es 26 Themenradwege. Als Startpunkt bot sich Airolo am Südportal des Gotthardtunnels an. Es war ein leichter Auftakt mit dem Gotthardmassiv im Rücken und 1 000 Höhenmetern abwärts bis nach Locarno. "Der erste Höhepunkt sollte die Fahrt entlang dem Lago Maggiore werden, aber leider regnete es stark und da es am See keinen Radweg gibt, verfluchten wir erst mal den Verkehr und das Wetter", schreibt der 69-Jährige. Dafür folgte eine tolle Etappe durch den Parco de Ticino, den größten Flusspark Europas, der sich über 120 Kilometer bis nach Pavia erstreckt: "Ein toller Radweg , viele Tiere und große Reisfelder", so Jungs Kommentar.

Ein ganz anderes Bild bietet sich am Po. Eine riesige monotone Ebene, in der sich nur Weizenfelder, Obst- und Pappelplantagen abwechseln. "Der Radweg läuft entweder auf einem rückversetzten Damm oder auf Nebenstraßen, sodass man vom Po selten etwas sieht. Überall verfallene Häuser und Fabriken und der Radweg ist meist naturbelassen." Nur Städte wie Cremona, San Benedetto del Po oder Brescello, wo die Don-Camillo-und-Peppone-Filme gedreht wurden, unterbrechen die Monotonie.

In Ferrara macht an ihrem Ankunftsabend die Oldtimer-Rallye Mille Miglia Station: "Die historische Innenstadt bildete eine einzigartige Kulisse für die toll herausgeputzten Oldtimer. Bis spät in die Nacht defilierten sie mit lautem Geknatter durch die Altstadt", beschreibt Jung das Erlebns.

Über Porto Levante geht es über zahlreiche Brücken nach Chioggia. Von dort führt der Radweg per Inselhopping über die zwei Hauptinseln, die die Lagune von Venedig vom Meer abgrenzen, über Punta Sabbione bis nach Caorle.

Dann geht die Tour weiter auf den Alpe-Adria-Radweg, der von Salzburg bis nach Grado an der Adria führt. Über Udine entlang dem Tal des Tagliamento führt er als toller Bahntrassenradweg nach Tarviso und über den Pass nach Villach in Kärnten. "Unterwegs trafen wir Michael aus Wuppertal, der schon 15 Monate unterwegs war. Er kam gerade von Süditalien und wollte hoch bis nach Finnland. Da wir im selben Hotel übernachteten, war es ein interessanter Abend, der viele neue Anregungen brachte", so Jung.

In Villach fährt das Duo auf dem Drau-Radweg bis nach Maribor in Slowenien. 20 Kilometer weiter ist man wieder in Österreich auf dem Mur-Radweg, einer der schönsten Streckenabschnitte der Tour.

Bei Bad Radkersburg zweigt der Themenradweg nach Norden ab und führt durch die hügelige Steiermark mit ihren Obstplantagen und Kürbisanbauflächen. "Toll, aber konditionell anspruchsvoll", notiert Jung in sein Tourenbuch. Kurz vor der Wiener Neustadt schwenken die Radler ab nach Sopron in Ungarn. Tagesziel ist Mörbisch am Neusiedler See.

Von dort geht es am nächsten Tag nach Bratislava in der Slowakei. Am Abend wird in einer Kneipe ein Spiel der Eishockey-WM übertragen: "Bei Preisen von 1,20 Euro für den halben Liter Bier war danach die Hölle los", berichtet Jung. Am nächsten Tag geht es auf dem Marchtal-Radweg weiter. Auf dem Radweg Wien-Prag beginnt der schwierigste Teil der Tour: "Obwohl als internationaler Radweg beschrieben, führt er in großen Teilen über Straßen mit katastrophaler Qualität. Die Ausschilderung ist häufig mangelhaft", erläutert der 69-Jährige. Nach vier Tagen erreichen die Radler Prag. Heimwärts geht es auf dem Radweg Prag-München. Über Furth im Wald erreichen Jung und sein ein Jahr jüngerer Begleiter Deutschland, wo die Tour in Regensburg zu Ende ist. Der Steinmauerner hat schon Ideen für die nächste Fahrt: "Doch das hängt auch von der Gesundheit ab. In unserem Alter kann man das nie sagen."

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