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"Drachenreiter"-Gruppe soll Kindern Mut machen
'Drachenreiter'-Gruppe soll Kindern Mut machen
21.06.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (sl) - Kinder, deren Eltern seelisch erkrankt, von Alkohol, Drogen oder Medikamenten abhängig sind, haben es schwer. Hilfe soll nun ein neues Gruppenangebot des Landkreises bieten, das der Sozialausschuss des Kreistags einstimmig befürwortet hat. "Drachenreiter" heißt das Programm in der Trägerschaft der Fachstelle Sucht und des Caritasverbands.


Der Alltag solcher Kinder ist oft durch Konflikte, Spannungen und nicht kindgerechte hohe Anforderungen geprägt, erklärte Jugendamtsleiter Stefan Biel in der Sitzung. Darüber hinaus sei die Erkrankung der Eltern meistens tabuisiert, sodass die Kinder mit niemandem darüber reden können. Besuche von Gleichaltrigen seien oft nicht möglich, damit keiner die Erkrankung des Elternteils und damit einhergehende Zustände mitbekommt. Rückzug und Isolation der Kinder seien häufig die Folge. Das Verhalten der Eltern führe zu Desorientierung und Angst, und häufig gäben sich diese Kinder sogar die Schuld an der Erkrankung der Eltern.

Um diese Situation bewältigen zu können, benötigen die betroffenen Kinder aus Sicht des Jugendamts verlässliche Beziehungen, eine altersgerechte Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und die Möglichkeit, über Suchterkrankungen und psychische Erkrankungen zu reden - am besten in der Gruppe. Denn dann erfahren die Kinder, dass sie nicht als einzige dieses Problem haben.

Das Konzept des neuen Angebots "Drachenreiter" sieht eine Gruppe von acht Jungen und Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren vor. Sie treffen sich wöchentlich für zwei Stunden. Die Kindergruppe ist als fortlaufende, offene Gruppe geplant. Durchschnittlich ein Jahr sollte das Kind die Gruppe besuchen. Jungen und Mädchen sollen in ihrer schwierigen und belasteten Lebenssituation gestärkt und entlastet werden. Weitere Ziele sind unter anderem das Erleben von Zuverlässigkeit und Sicherheit, die altersgemäße Information über psychische Erkrankungen und Suchterkrankungen, die Stärkung der Ressourcen der Kinder und ihre Unterstützung beim Aufbau eines sozialen Netzwerks.

Die Kindergruppe soll von zwei pädagogischen Fachkräften des Caritasverbands Rastatt und der Fachstelle Sucht Rastatt/Baden-Baden geleitet werden. Es erfolgen regelmäßige Bilanzgespräche mit Eltern und gegebenenfalls Kooperationspartnern. Ein Fahrdienst soll den Kindern eine regelmäßige Teilnahme ermöglichen. Die Treffen sollen überwiegend in der Tagesstätte des Caritasverbands, Leopoldplatz 9 in Rastatt, stattfinden.

Nun weiß man im Landratsamt, dass sucht- und psychisch kranke Eltern oft nicht in der Lage sind, eine regelmäßige Teilnahme ihrer Kinder zu gewährleisten. Die Zuweisung der Kinder soll daher über die Mitglieder der Arbeitsgruppe Schulterschluss erfolgen, die unter Federführung des Jugendamts verschiedene Vertreter von Institutionen vereint, die in ihrem Arbeitsalltag mit sucht- und psychisch kranken Elternteilen zu tun haben. Ferner ist auch ein Zugang über Schulen und Schulsozialarbeit möglich.

Das Angebot soll zum Schuljahresbeginn 2019/20 starten und ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Über eine Fortführung soll dann entschieden werden, wenn Bewertungen vorliegen. Die Kosten beziffert das Landratsamt auf 28 100 Euro jährlich.

Für Landrat Toni Huber ist das gut angelegtes Geld für ein "sehr wichtiges Präventionsprojekt". Nach aktuellen Studien des Robert-Koch-Instituts hätten Kinder aus suchtbelasteten Familien ein sechsfach erhöhtes Risiko, selbst suchtkrank zu werden, und Kinder mit psychisch kranken Eltern ein vierfach erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer psychischen Erkrankung. Nicht selten seien auch Störungen des Sozialverhaltens, Depressionen oder Angststörungen. Diesem Risiko könne durch ein Präventionsprojekt wie der Kindergruppe "Drachenreiter" entgegengewirkt werden.

Die im Kreistag vertretenen Fraktionen signalisierten durch die Bank ihre Zustimmung. Wert legten sie darauf, dass das Gruppenangebot gerade auch in den Schulferien angeboten wird. Denn dann seien die Kinder ja noch mehr als sonst in ihrem nicht intakten Elternhaus. Das in der Sitzung vorgestellte Projekt sollte während der Ferien pausieren. Landrat Huber änderte den Beschlussvorschlag dahingehend ab. Die Mehrkosten, die dadurch entstehen, dass sich die Gruppen auch in den Ferien treffen, will der Landkreis mitübernehmen.

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