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Gastwirtin vom Vorwurf fahrlässiger Tötung freigesprochen
Gastwirtin vom Vorwurf fahrlässiger Tötung freigesprochen
10.07.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt/Durmersheim (mo) - Der Vorwurf gegen eine 43-jährige Gastwirtin aus Durmersheim vorm Rastatter Amtsgericht wog schwer und belastete die Frau auch sehr: "fahrlässige Tötung." Weil sie vor anderthalb Jahren einen Rettungswagen bestellte, dann aber den Rettungseinsatz wieder abblies, habe sie, so der Vorwurf in der Anklageschrift, den Tod eines Gastes verursacht.

Doch nach der gestrigen ausgiebigen Beweisaufnahme und den Ausführungen der rechtsmedizinischen Sachverständigen konnte am Ende nicht ausgeschlossen werden, dass durch Rettungsmaßnahmen und Wiederbelebungsversuche der Polizei und eine damit einhergehende Umlagerung des bewusstlos gewordenen Mannes in der Gaststätte der Erstickungstod eingetreten ist.

Da also nicht aktives Tun oder Unterlassen der 43-jährigen Beschuldigten verantwortlich war für den Tod des Mannes, konnte sie gestern mit sichtbarer Erleichterung hören, wie Richter Christoph Schaust sie vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freisprach. Zu diesem Ergebnis war allerdings auch der Vertreter der Anklage gekommen, sodass sich die Verteidigerin in ihrem Plädoyer "ganz kurz" fassen konnte.

Am 26. Januar 2018 besuchte besagter Gast das Restaurant der 43-Jährigen. Er bestellte ein Mittagessen und dazu zwei Bier und einen Schnaps. Dann bezahlte er. Daraufhin erbrach er sich, ging wenige Schritte und stürzte dann in der Gaststätte.

Die Bedienung, die zunächst allein mit dem Gast war, rief die Wirtin, die sich hinunter in ihr Lokal begab. Sofort habe sie gegen 14.40 Uhr einen Rettungswagen bestellt. "Ich wollte verhindern, dass Schlimmeres passiert", berichtete sie. Letztlich erkannten weder sie noch ihre Bedienung eine schwerwiegende Notsituation. Der Mann habe am Boden gelegen, "geschnarcht und geschlafen, wie ein Betrunkener". Gleichzeitig wurden telefonisch Angehörige benachrichtigt. Der Bruder des Gastes wollte ihn dann auch umgehend abholen. Daraufhin bestellte die Wirtin den Rettungswagen ab, weil sie dachte, er sei nicht mehr notwendig. Das, so die Angeklagte, "war mein Fehler." Den Rettungsdienst rief dann der mittlerweile eingetroffene Bruder an.

Noch vor dem Notarzt traf eine Polizeistreife in Durmersheim ein und leistete Erste Hilfe. Doch dass deren Rettungsmaßnahme, die Umlagerung des Mannes auf dem Boden der Gaststätte, in diesem Augenblick genau das Gegenteil bewirkte wie erhofft, vermochte die medizinische Gutachterin der Rechtsmedizin Heidelberg gestern nicht auszuschließen. Jedenfalls kam es zu einer folgenschweren Verschiebung eines größeren Fleischstücks im Kehlkopfbereich. Das führte dazu, dass der Gast erstickte. Der später eintreffende Notarzt stellte als Todeszeitpunkt dann 16.20 Uhr fest.

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