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Identifikation mit der Gemeinde schaffen
12.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Anja Groß

Muggensturm - Ihr Lebensmittelpunkt ist in Durlach, wo die vierköpfige Familie lebt. Und doch ist sie auch in Muggensturm, Bietigheim und Ötigheim zu Hause: Tina Blomenkamp (50), seit 1. Dezember 2018 fest installierte Pfarrerin der evangelischen Dreieinigkeitsgemeinde.

Sie ist in der Region keine Unbekannte, schließlich war Blomenkamp hier schon seit März 2016 im Probedienst tätig - offenbar erfolgreich und gern gesehen. Denn ihre offizielle Bestellung zur Pfarrerin erfolgte "auf ausdrücklichen Wunsch der Kirchengemeinde", wie das evangelische Dekanat Ende 2018 mitgeteilt hatte. Dafür wurde sie mit Zustimmung von Kirchengemeinderat, Bezirkskirchenrat und Landeskirchenrat von der üblichen Residenzpflicht befreit - eine wohl seltene Ausnahme.

Ihr Mann Johannes ist als Kirchenmusiker in Durlach tätig, wo die Familie mit den beiden Töchtern (21 und 19) seit 2007 lebt und auch bleiben möchte. Das hatte Tina Blomenkamp, die im Landkreis Osnabrück (Niedersachsen) aufgewachsen ist, in ihrer norddeutsch geprägten direkten Art von Anfang an so kommuniziert - und sich deshalb zunächst auch nicht auf die vakante Pfarrstelle beworben. Als die einzige Bewerberin dann nach ihrem Vorstellungsgottesdienst in der Dreieinigkeitsgemeinde die Bewerbung zurückzog, wurde der Wunsch laut, Blomenkamp als Pfarrerin zu behalten.

Dass das geklappt hat, freut auch die Pfarrerin, die betont: "Ich fühle mich sehr wohl in der Gemeinde, das war von Anfang ein schönes Arbeiten hier, mit sehr offenherzigen Menschen." Die Zeit des Probediensts habe gezeigt, dass auch die Pendelei gut funktioniert. In Zeiten der modernen Kommunikationsmöglichkeiten sei es möglich, einiges im Homeoffice zu erledigen und trotzdem für die Gemeinde erreichbar zu sein, ohne vor Ort zu wohnen, stellt sie fest.

Ihr Weg zur Pfarrerin war dabei nicht von Anfang an vorgezeichnet. Zunächst hat sie Evangelische Kirchenmusik in Heidelberg studiert, und in Birkenau im Odenwald und im Kirchenkreis Ronnenberg (bei Hannover) als Kirchenmusikerin gearbeitet - zeitweise in Stellenteilung mit ihrem Mann. Doch schon früh wurde durch die Kirchenmusik auch ihr Interesse an Theologie geweckt, erzählt sie. 2009 setzte sie dann das Theologiestudium, das sie während der Zeit in Birkenau begonnen hatte, fort. Ihr Lehrvikariat absolvierte sie in Stutensee-Blankenloch, wo sie 2016 zur Pfarrerin der Badischen Landeskirche ordiniert wurde.

In der Dreieinigkeitsgemeinde mit rund 2 500 Mitgliedern liegt aus ihrer Sicht derzeit nichts im Argen. Dennoch treibt die Gemeinde die überall aktuelle Frage um, wie der Weg in die Zukunft der Kirche aussehen kann. "Wie können wir die Menschen erreichen, die zunehmend meinen, sie bräuchten die Kirche nicht?", nennt Blomenkamp ein Beispiel.

"Die selbstverständliche Akzeptanz der Kirchen schwindet", sieht sie diese Problematik weder nur bei der evangelischen noch nur bei der katholischen Kirche. Wie man die Menschen unter den veränderten Bedingungen ansprechen könne, das ist ein Thema, das auch sie umtreibt. Neue, andere Gottesdienstformen gehören für sie dazu - so bietet die Dreieinigkeitsgemeinde fünfmal im Jahr Mittagsgottesdienste um 12 Uhr mit anschließendem gemeinsamen Mittagessen in Bietigheim. In Muggensturm wiederum gibt es fünfmal im Jahr eine Abendkirche mit viel Musik und Impulsen. "Das sind Angebote an alle, denen die Zeit, sonntags um 10 Uhr zum Gottesdienst zu kommen, nicht passt", erklärt Blomenkamp. Im September plant die Gemeinde zudem eine sogenannte Fitnesskirche mit dem Ziel der körperlichen und geistigen Stärkung: Die Gemeindemitglieder können zu Fuß, mit dem Rad oder anders die Kirchen besuchen. "Alle Kirchen sind geöffnet und man findet überall ein Angebot", erläutert sie.

Dennoch bleibe es eine Herausforderung, bei den Mitgliedern aus den drei politisch eigenständigen Gemeinden ein Zusammengehörigkeitsgefühl und Identifikation mit der Kirchengemeinde zu schaffen, weiß sie. Sehr froh ist sie dabei um den engagierten Kirchengemeinderat - auch wenn mehr Ehrenamtliche vor allem im Bereich Kinder- und Jugendarbeit wünschenswert wären. Sehr angenehm sei die Zusammenarbeit mit den katholischen Pfarreien, betont sie - in Ötigheim beispielsweise ist die Dreieinigkeitsgemeinde in der katholischen Kirche St. Michael jedes Jahr mit dem Konfirmationsgottesdienst zu Gast - gelebte Ökumene.

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