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Frauenhäuser im Land
Frauenhäuser im Land
17.07.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (xs) - "Bei 25 Jahren spricht man normalerweise von einem Jubiläum - in unserem Fall und in Anbetracht der Tatsache, dass es solche Einrichtungen wie die unsere überhaupt geben muss, gibt es eigentlich nichts zum Jubilieren", befand Brigitte Schäuble, Vorsitzende des Trägervereins Frauen- und Kinderschutzhaus Baden-Baden/Landkreis Rastatt. Mit diesen Worten sprach sie den Mitgliedern bei der Jahreshauptversammlung aus dem Herzen.

Seit Bestehen des Vereins konnten 2 005 Frauen und 2 302 Kindern Schutz und Unterstützung angeboten werden. Die Hilfe umfasste psychosoziale Beratung zur Bewältigung der häuslichen Gewaltsituation und rechtliche Begleitung im Umgang mit Behörden.

Frauenhäuser spiegeln ein gesellschaftliches Problem in Deutschland wider. In Baden-Württemberg gibt es 42 derartige Einrichtungen mit hohen Auslastungszahlen. Hausleiterin Barbara Schmitz verwies in ihrem Bericht für das Jahr 2018, dass die zehn Zimmer des Trägerhauses im Jahresdurchschnitt mit knapp 102 Prozent überbelegt waren. 50 hilfesuchende Frauen mussten abgewiesen werden, nur wenige konnten an andere, oft weiter entfernte Häuser vermittelt werden. Zeitweise war jedoch in ganz Baden-Württemberg kein freier Platz für die Schutzsuchenden zu bekommen.

Aufgrund der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt stieg die Verweildauer im Haus auf durchschnittliche 49 Tage. Arbeitsintensiv und herausfordernd sei die Arbeit für alle Mitarbeiterinnen u nd ehrenamtlichen Helferinnen gewesen, die Belastungsgrenzen seien oft erreicht worden, so Schmitz.

Jürgen Ernst, Leiter des Sozialamts des Landkreises Rastatt, konnte keine Entlastung auf dem Wohnungsmarkt für die Region in Aussicht stellen. Aufgrund der wirtschaftlichen guten Lage zögen die Mietpreise an; viele Wohnungen seien für Geringverdiener weiter unerschwinglich.

Für 61,9 Prozent der Frauen war es der erste Aufenthalt in einer Frauenschutzeinrichtung, über 30 Prozent baten bereits einmal oder mehrmals um Hilfe. 26 verschiedene Nationalitäten waren 2018 unter den Bewohnerinnen vertreten. Der Anteil der Frauen mit Migrationshintergrund lag bei 88,9 Prozent. Insgesamt suchten 63 Frauen und 81 Kinder Schutz, 2017 waren es 53 Frauen und 67 Kinder.

Ein kleiner Lichtblick sei das Finanzvolumen für 2018 mit knapp 515 000 Euro im Vergleich zu 420 000 Euro im Jahr 2017. Schatzmeisterin Barbara Hammer erläuterte, dass die Steigerung auf eine höhere Anzahl an Einzelspenden zurückzuführen sei. Auch die gestiegene Zuwendung des Landes von 23 000 Euro auf knapp 33 000 Euro schlug positiv zu Buche.

Der Trägerverein hoffe, dass im laufenden Jahr durch private Spenden und Zuwendungen aus Bußgeldern die Finanzierung verschiedener Projekte gewährleistet werde. Darunter seien Präventionsprojekte und Therapien für traumatisierte Frauen.

Jürgen Ernst verwies auf die zukünftige Gründung eines runden Tischs "Häusliche Gewalt gegen Frauen". Man wolle gemeinsam mit staatlichen Organen und Vereinen ein effektives Netzwerk schaffen, um bürokratische Hürden abzubauen und schneller Hilfe anbieten zu können.

Seit 18 Jahren ist Katrin Kühn Sozialarbeiterin, sie arbeitet als festangestellte Mitarbeiterin im Frauenschutzhaus. Nach ihrer Erfahrung komme Gewalt gegen Frauen in allen gesellschaftlichen Schichten vor. Einheimische Frauen haben meist den Vorteil, auf ein breites Netzwerk, bestehend aus Freundinnen oder Arbeitskolleginnen, zurückgreifen zu können. Frauen mit Migrationshintergrund seien fest in ihren traditionellen Familien verankert und hätten wenig Außenkontakte.

Sie wünsche sich, dass Justiz und Polizei aktiver Annäherungsverbote, Wohnungs- und Platzverweise erteilen würden. So gäbe es mehr Optionen für die Frauen. "Ins Frauenhaus kommt man nur, wenn gar nichts anderes mehr geht", sagte Kühn im BT-Gespräch.

Kontakt: (0 72 22) 77 41 40; Mail: info@frauenhaus-baden-baden-rastatt.

Am 11. Oktober, 16 Uhr, feiert der Trägerverein im Landratsamt mit einer Vernissage das 25-jährige Bestehen.

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