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Schöne Kindheit in der Friedrichstraße
20.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Kuppenheim - Redenschreiberin, Poetry-Slammerin, Autorin: Sybille Gogeißl aus Kuppenheim ist in ihrem Schaffensdrang nicht zu stoppen und hat jetzt ihr drittes Buch veröffentlicht. Mit ausschließlich lokalem Bezug: "So war's domols. Mei aldes Kuppene", heißt der Titel des über 100 Seiten umfassenden Werks, das sich mit dem Werdegang der Kuppenheimer Friedrichstraße von etwa 1955 bis in die heutige Zeit befasst. Und weil's so schön klingt, sind die Geschichten wieder in badischer Mundart verfasst - mit Übersetzungshilfe in Hochdeutsch.



Die 66-Jährige ist selbst in der Friedrichstraße in der Vorstadt aufgewachsen und hat dort eine schöne Kindheit erlebt. Der Spielplatz war auf der Straße und an der Murg, die zu ihrem Leben gehörte, und beim großen Kriegerdenkmal, das bis heute erhalten geblieben ist. Da wurde meist "Fonges rum gmachd odar mir sin druff rumgeklettert", schreibt sie.

"Wir haben damals noch keine Playstation gehabt, sondern selber spielen müssen", merkt sie süffisant an. Und das haben die Kinder nach Herzenslust getan. Sie waren meist den ganzen Tag draußen, hatten echte Spielkameraden und keine virtuellen, stellt sie schmunzelnd heraus. Gogeißl erzählt mit Humor von Mutproben an der Murg und rasanten Schlittenfahrten im Winter, die zuweilen im Wasser landeten und bei denen sich die Kinder dann nasse Füße holten. Zwar war das Wasser oft nicht sehr tief, wenn Schnee lag, aber dafür "scheisskalt". Erst gab es einen Anschiss von der Mutter und dann eine Tasse heißen Kakao. "Und dann haben wir unsere kalten Füße zum Aufwärmen in den warmen Backofen stecken dürfen", berichtet sie lachend. Im Sommer saßen die Leute abends meist auf der Bank vor ihrem Haus und sind manchmal am Wochenende in der "Reschtrazion" (heute Bahnhofsgaststätte) zum Tanzen gegangen.

Neben persönlichen Kindheitserlebnissen erinnert die Kuppenheimerin an längst verschwundene Lokale und Geschäfte und an "Originale", wie es sie nun mal in jedem Ort gab. Und natürlich ist das kleine Werk auch mit einigen Anekdoten gespickt, die für reichlich Schmunzeln sorgen. Einiges sei ihr auch berichtet worden, diese Überlieferungen habe sie aber nicht einfach übernommen, sondern in Gesprächen mit Zeitzeugen verifiziert und dabei "so manch vergnüglichen Nachmittag verbracht". Gogeißl will schließlich mit ihrem Werk "niemandem auf die Füße treten", sondern einen unterhaltsamen Rückblick auf die Entwicklung in der Friedrichstraße bieten. Das kleine geschichtliche Dokument ist zudem mit historischen Fotos illustriert, die fast alle vom Historischen Verein Kuppenheim stammen. So ist beispielsweise die Speisekarte mit dem legendären Jägerfrühstück aus dem Gasthaus zur Sonne abgebildet, auf dessen Platz heute das St.-Sebastianhaus steht. Oder ein Foto vom ehemaligen Spitalhaus, das 1828 gebaut wurde und in dem auch Gogeißl das Licht der Welt erblickte. In dem Spital wohnten einige Vincentiusschwestern und die humorvolle Franziska. Sie musste jeden Morgen um 5 Uhr alle Öfen im Haus anfeuern und kam bei der vielen Arbeit an so manchem Tag erst um 23 Uhr ins Bett, fand es aber trotzdem toll. Sie erzählte den Frischoperierten gerne Witze und hat auch mal einen kleinen Jungen aufgemuntert, der nach einer Blinddarmoperation weinend im Spital lag. Er solle mal aus dem Fenster in den Hof gucken, forderte sie ihn auf. Kurz darauf habe er gesehen, wie sie auf einer Sau im Garten geritten sei, denn gleich neben dem Spital befand sich ein Gebäude, in dem der Schweinestall und die Wäscherei untergebracht waren. Dieses Bild habe tatsächlich ein Lächeln auf das Gesicht des kleinen Patienten gezaubert. Franziska machte sich auch mit einer Schwester und wehenden Flügelhauben nachts zu einer Rodelpartie auf - der übermütige Ausflug endete mit drei Rippenbrüchen im Rastatter Krankenhaus.

Das Buch "So war's domols" ist im Selbstverlag erschienen und in der KÖB in Kuppenheim und im Bücherwurm Gaggenau erhältlich. Rund vier Jahre hat Sybille Gogeißl immer wieder mit viel Spaß an dem Werk gearbeitet, für das sie schon begeisternde Rückmeldungen erhalten hat.

Auch Pläne für ein weiteres Projekt gibt es bereits: "Das wird aber etwas ganz anderes", sagt sie. Mehr will sie nicht verraten.

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