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Grünes Licht für Wettbüro im Bahnhof
Grünes Licht für Wettbüro im Bahnhof
02.08.2019 - 00:00 Uhr
Durmersheim (HH) - Acht Tage nach seiner konstituierenden Sitzung musste der Gemeinderat am Mittwoch schon wieder zusammentreten. Außer dem fast vollständig versammelten Gremium konnte Bürgermeister Andreas Augustin zu der "Sondersitzung in der Sommerpause" zehn Zuhörer begrüßen. Sie begann mit der nachträglichen Verpflichtung von zwei wiedergewählten Ratsmitgliedern, die eine Woche zuvor gefehlt hatten. Der Grund für die unplanmäßige Versammlung war jedoch die künftige Nutzung des Bahnhofs. Nach drei Versuchen gab es nun grünes Licht.

Das Thema stehe zum vierten Mal auf einer öffentlichen Tagesordnung, blickte Augustin auf die "Historie". Die Beratungen begannen im Mai 2018 (das BT berichtete mehrfach). Letzter Knackpunkt war die Befürchtung, ein geplantes Wettbüro könnte sich durch eine Vermehrung von Spielautomaten zur "Vergnügungsstätte" wandeln. Am 3. Juli war eine entsprechende Nachtragsplanung abgelehnt und eine Veränderungssperre beschlossen worden.

Die Frage der Spielautomaten galt aber schon als geklärt. Wie vertraglich vereinbart, sollen höchstens vier Geräte installiert werden. Wie nun in der jüngsten Sitzung zu erfahren war, fanden zwischenzeitlich Gespräche des Investors Michael Kunz mit den Fraktionen statt. Dabei wurden von dem Unternehmer frühere Zusagen offenbar konkretisiert und in den letzten Tagen schriftlich bestätigt. Kunz war am Mittwoch anwesend und fasste die Quintessenz so zusammen: die Gemeinde könne sich "definitiv darauf verlassen", dass die Größe des Wettbüros unverändert bleibe. In dem in den Sitzungsunterlagen enthaltenen Plan war dessen Fläche mit 62 Quadratmetern angegeben. Eine abermalige Änderung gab es beim Raucherbereich des von Kunz "Frühstückscafé" genannten Gastronomieteils. Der Raucherraum soll zum Nebenzimmer umfunktioniert werden. Nach wie vor vorgesehen ist ein "Rauchercafé" beim Wettbüro im südlichen Gebäudeteil.

Das Einvernehmen könne nun erteilt werden, erklärte Jürgen Kniehl als Fraktionsvorsitzender für die FWG. Beim Gespräch mit Kunz und dessen Architekten habe man Einblicke etwa bezüglich des Tagescafés bekommen und die Überzeugung gewonnen, dass sich dieser Betrieb mit ähnlichen ausgerichteten Geschäften in der Poststraße "nicht beißen" werde. Man verstehe den Investor, der viel Geld in das Vorhaben stecke.

Ebenso bekundete der SPD-Fraktionsvorsitzende Werner Hermann Verständnis für die unternehmerischen Absichten, auch wenn man von Spielautomaten und Wettbüro nicht begeistert sei. Indessen war sich Hermann sicher, dass die geplante Nutzung viel Entwicklungspotenzial für den Bahnhofsbereich berge.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Schorpp sah eine "deutliche Verbesserung" im Sinne einer bahnhofsfreundlichen Gastronomie. Es sei zu hoffen, dass der Imbissbetrieb angenommen werde, das Konzept biete Chancen. Indem er an die in den vergangenen Jahren oft gehörten Klagen über den "Schandfleck" Bahnhof erinnerte, hob Schorpp dessen Verwandlung positiv hervor.

Der BuG-Fraktionsvorsitzende Rolf Enderle zeigte sich erleichtert, ein "Entgegenkommen" des Investors gespürt zu haben. Beim Wettbüro bleibe der angegebene Umfang "fixiert", die Raucherbereiche seien verkleinert worden. Im noch ausstehenden Bebauungsplan werde man für die weitere Entwicklung Festsetzungen treffen können. Dass ein Geschäftsmann wirtschaftlich denke, sei klar, wusste Enderle. Im Falle des Bahnhofs handele es sich aber um einen Standort, an dem der Gemeinderat besonders darauf achten müsse, wie sich Durmersheim entwickle.

Eine entgegengesetzte Stellungnahme gab Angelika Harsch (BuG) ab. Sie respektiere die in der vorigen Ratsperiode getroffenen Entscheidungen und schätze auch die Tätigkeiten von Investoren. Ihr Ziel als Gemeinderätin sei es aber, Durmersheim voranzubringen. Ein Wettbüro an einem Platz, an dem viele Jugendliche unterwegs seien, sei eine Zumutung und ein "Imageschaden" für den Ort. Harsch stimmte als einzige gegen das Vorhaben. Enthaltungen gab es keine. Die Nachtragsplanung und die zur Realisierung erforderliche Ausnahme von der Veränderungssperre wurden mit jeweils 18 Ja-Stimmen genehmigt. Gegenüber der Presse äußerte Investor Kunz nach der Sitzung den Wunsch, die Öffentlichkeit möge der Bahnhofserneuerung aufgeschlossen entgegensehen. Das Projekt sollte die Chance bekommen, gedeihen zu können, zeigte er sich vom Erfolg überzeugt.

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