https://www.badisches-tagblatt.de/spielerwahl/index.html
Abtauchen ins Reich der Rheinfische
Abtauchen ins Reich der Rheinfische
30.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Sebastian Linkenheil

Iffezheim - Ein Ausflug zum Fischpass des EnBW-Rheinkraftwerks an der Staustufe Iffezheim ist eine interessante Sache, auch weil man die wandernden Fische vom Besucherraum aus durch eine Glasscheibe beobachten kann. Eine Garantie, dass gerade ein Wels, eine Brasse oder gar ein Lachs vorbeischwimmt, gibt es freilich nicht. Keine Sorge: Man bekommt trotzdem Fische zu sehen, denn die jungen Graffiti-Künstler "Woam" und "Moter" aus Karlsruhe haben die Räume mit beeindruckenden Bildern ausgestaltet.



Zuerst geht es ein paar Stufen abwärts. Der Besucher wird von einem Eisvogel im Sturzflug in die Rheinfluten begleitet. Das Bild des Flugakrobaten ziert die Betonwand neben der Treppe zu den Besucherräumen - und schon findet man sich buchstäblich auf dem Grund des Rheins wieder (ganz ohne nass zu werden). Aber keine Angst, der riesige Wels, der wie durch einen Taucher aufgeschreckt aus dem schlammigen Kiesgrund auftaucht, ist gleichfalls nur gemalt - gesprüht, um genau zu sein. "Woam" wurde für diese Auftragsarbeit ausgewählt, weil er in der Szene als Spezialist für Tierdarstellungen gilt. Den Beweis gibt es außer beim Fischpass zum Beispiel in der Karlsruher Günther-Klotz-Anlage entlang der Alb zu sehen. Im Hauptberuf ist "Woam" Bühnenmaler. Das ausgefeilte Gesamtkonzept und die detailreiche Ausführung für den Fischpass haben die beiden Künstler gemeinsam geschaffen.

Ruth Siamos, Teamleiterin der Infozentren bei EnBW, ist vom Ergebnis genauso begeistert wie vom Zusammenwirken auf dem Weg dorthin. Den Fischpass gibt es seit 2000, den bisher nüchternen Besucherraum mit dem Unterwasserfenster und den Schautafeln bezeichnet sie als "klassisch". "Eigentlich nicht mehr zeitgemäß", schiebt sie hinterher. Als der Fischpass vergangenes Jahr ohnehin umgebaut wurde, um die Strömung für schwimmschwächere Fischarten anzupassen, war die Zeit für ein Facelifting gekommen.

"Uns ist wichtig, den nachhaltigen Umgang mit der Natur allen Zielgruppen zu vermitteln, die unser Rheinkraftwerk besuchen", umreißt Ruth Siamos ihr Anliegen. Mit Zielgruppen meint sie Schulklassen, angehende Ingenieure oder Biologen, Angler-, oder Kegelclubs oder Seniorengruppen. Zu erfahren gibt es Wissenswertes über das Rheinkraftwerk selbst, das Strom für eine viertel Million Haushalte produziere, und über das Leben der Fischarten im Rhein. Gerade die Wanderung des Lachses, der im Kies kleiner Flüsse zur Welt kommt, im Meer groß wird und zum Laichen an den Ort seiner Geburt zurückreist, hat es ihr angetan: "Eine großartige Geschichte!" Und dass man diese nun fernab von klassischen Infotafeln an den weit überlebensgroßen und farbenprächtigen Graffiti-Bildern erklären kann, findet sie einfach toll.

Dafür haben sich die beiden Künstler aber auch intensiv mit den Fischarten beschäftigt, die sie so realistisch wie möglich in ihrem Lebensraum darstellen wollten. Man kann sogar den für den Laien kaum sichtbaren Unterschied zwischen Lachs und Meerforelle erläutern. Weit häufiger und an den Wänden ebenfalls zu sehen sind Brassen, die Nase (das ist tatsächlich ein Fisch), der Maifisch, der Aal und die Barbe, die sich dann während des Pressetermins tatsächlich mehrmals durch die Glasscheibe zeigt. Spannend ist auch das Meerneunauge, das eigentlich kein Fisch ist, sondern ein Parasit, der sich mit seiner Saugscheibe an Fische anheftet und von ihrem Blut ernährt.

Die Zusammenarbeit zwischen Energieversorger und Künstlern wäre übrigens kaum zustande gekommen ohne den Verein Farbschall aus Karlsruhe. Gemeinsam mit der Mobilen Jugendarbeit der Fächerstadt ist er Träger von Combo, dem Hip-Hop-Kulturzentrum in Karlsruhe. Die Förderung der Hip-Hop-Szene und von Jugendlichen hat man sich auf die Fahne geschrieben, wie Gründungsmitglied "Buddy" erklärt. Dieser gemeinnützige Ansatz war auch für die EnBW Anlass, sich an Farbschall zu wenden.

Das Rheinkraftwerk mit dem Fischpass und dem Besucherraum wird jedes Jahr von rund 6 000 Gästen besichtigt. Wer das auch möchte, meldet sich am besten im Internet an. Der Eintritt ist frei.

www.enbw.com/

besichtigungen

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Rastatt
Riesenspaß beim Karneval der Tiere

03.06.2019
Riesenspaß beim Karneval der Tiere
Rastatt (ueb) - Der Tanz-Raum Rastatt führte in Kooperation mit dem Ludwig-Wilhelm-Gymnasium in der Aula das Tanztheater "Karneval der Tiere" auf. Mehr als 140 Beteiligte hatten sichtlich Spaß bei diesem Tanzstück, das für Kinder in jedem Alter eine passende Rolle bot (Foto: Uebel). »-Mehr
Baden-Baden
´Mein Beruf macht mich wahnsinnig glücklich´

11.04.2019
Tenor Skelton gerät ins Schwärmen
Baden-Baden (red) - Den "Otello" hat er erst neulich in New York gesungen: Tenor Stuart Skelton schwärmt nun von der tollen Neuinszenierung mit Dirigent Mehta und den Berliner Philharmonikern in Baden-Baden. Mit der Oper beginnen am 13. April die Osterfestspiele (Foto: Viering). »-Mehr
Sinzheim
Blumen und ´Thank you for the Music´

09.04.2019
Besonderes Frühjahrskonzert
Sinzheim (ar) - Das Frühjahrskonzert des Musikvereins Winden bescherte den Besuchern in der voll besetzten Fremersberghalle am Samstagabend wunderschöne Blasmusikmelodien. Anlass war die 20-jährige Tätigkeit von Monika Gutmann als Dirigentin (Foto: Gangl). »-Mehr
Umfrage

Der ADAC hat seine ablehnende Haltung in Sachen Tempolimit aufgeweicht. Befürworten Sie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen?

Ja.
Nein.
Das ist mir egal.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1