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Ein "klimaneutraler" Pendler
31.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Anja Groß

Ötigheim - Der Klimawandel ist in aller Munde, Gegenkonzepte werden diskutiert und bestimmen fast täglich die Schlagzeilen. Politische Akteure überschlagen sich mit Initiativen, um den CO -Ausstoß zu verringern. Einfach etwas getan hat Sascha Maier. Der Leiter der Finanz- und Personalverwaltung im Ötigheimer Rathaus pendelt seit einem Jahr sozusagen klimaneutral - täglich 44 Kilometer aus seinem Wohnort Loffenau und zurück: Per E-Mountainbike oder E-Smart.

"Und das gute Gewissen fährt immer mit", berichtet Maier und lacht. Das Thema ist ihm ein besonderes Anliegen, denn als Geschäftsführer des Regio-Energie-Netzwerks, in dem sich 2015 elf Kommunen zusammengetan haben, steht er für Initiativen für energiewirtschaftlichen und infrastrukturellen Fortschritt.

Mit gutem Beispiel voranzugehen, zudem etwas für die eigene Gesundheit zu tun, das ist sein Anliegen. Ein bisschen abgeschaut habe er es sich bei Mit-Geschäftsführer Robert Gärtner, Kämmerer der Nachbargemeinde Steinmauern, erzählt Maier. Der pendle seit Jahren ebenfalls mit dem Rad aus Baden-Baden zur Arbeit - und manchmal sogar zu Terminen.

Nachdem Maiers Auto bei einem Unfall 2015 einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitten hatte, pendelte er zunächst drei Jahre lang mit Bus und Bahn - und war zuletzt genervt von den Verspätungen und der mangelnden Flexibilität. Als er dann von einer Initiative der Stadt Freiburg hörte, sei die Idee mit dem Dienstfahrrad gereift.

Als Personalamtsleiter auch für die Gesundheitsvorsorge der Mitarbeiter zuständig, machte er Bürgermeister Frank Kiefer den Vorschlag, den Beamten und Angestellten ein Leasingangebot für Jobräder zu machen. "Das Leasing beinhaltet eine jährliche Wartung, das Geld wird vom Lohn abgezogen und man kann es steuerlich geltend machen", erläutert Maier das Konzept. Als Anreiz zum Umstieg biete die Gemeinde zudem eine Vollkaskoversicherung an.

Der Gemeinderat gab im Juli 2018 grünes Licht, und kurz darauf schloss Maier als Erster den Vertrag mit der Gemeinde ab. Sein E-Bike konnte er sich selbst aussuchen, seine Wahl fiel auf ein rund 2 300 Euro teures Mountainbike, weil er die letzten vier Kilometer in Loffenau "ganz schön bergauf strampeln muss". Zeitgleich bestellte er seinen E-Smart, den er tagsüber an der Ladestation beim Rathaus mit Strom aus der Fotovoltaikanlage kostenlos und ebenfalls guten Energie-Gewissens laden kann.

Wichtig sei an Fahrrad-Tagen allerdings die Duschmöglichkeit in der Mehrzweckhalle neben dem Rathaus, betont der 31-Jährige. "Den ganzen Tag verschwitzt im Büro sitzen möchte man ja nicht." Der Vorteil aus seiner Sicht: "Ich brauche kein Fitnessstudio als Ausgleich zum Bürojob, habe den Kopf frei, wenn ich abends zuhause ankomme, tue mir selbst, der Umwelt und meinem Geldbeutel etwas Gutes." Da nimmt er die 20 Minuten längere Anfahrt als mit dem Auto gern in Kauf: 55 Minuten braucht er von Loffenau nach Ötigheim.

Wünschenswert fände er jedoch ein teils besser ausgebautes Radwegenetz. Vor allem die Anbindung zwischen Bischweier und Muggensturm sei kritisch.

Rund 3 450 Kilometer hat Maier mittlerweile schon mit seinem E-Bike zurückgelegt, zwei- bis dreimal wöchentlich pendle er mit dem Rad zur Arbeit. Die CO -Einsparung belaufe sich auf etwa eine halbe Tonne, hat er mit Hilfe einschlägiger Klimarechner im Internet ermittelt.

Maier hofft, dass sich weitere Nachahmer finden - nicht nur bei der Gemeinde, wo es mittlerweile vier Dienstfahrräder gibt. Nur vier? "Viele wohnen in Ötigheim und brauchen kein E-Bike, die kommen mit ihrem Fahrrad", weiß der Personalamtsleiter. So wie beispielsweise Bürgermeister Frank Kiefer, den man des Öfteren radelnderweise im Ort sieht, seit er in Ötigheim wohnt.

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