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"Wir leben nicht auf einer Insel"
05.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Daniel Melcher

Bietigheim - 100 Jahre: So lange gibt es den Sportverein (SV) Germania Bietigheim. Doch auch wenn man im Jubiläumsjahr gerne zurückblickt auf die Historie - um die Zukunft zu garantieren, braucht es mehr als Verweis auf Traditionen. Beim SV hat man "die Herausforderungen der Zeit erkannt": Dies attestierte der Präsident des Südbadischen Fußballverbands, Thomas Schmidt, bei der Jubiläumsfeier im Frühjahr.


Schon vor Jahren habe man gesehen, dass man den rund 700 Mitglieder zählenden Verein finanziell und strukturell neu aufstellen müsse, erläutert Vorsitzender Ralph Dürrschnabel im BT-Gespräch. Der Erkenntnis folgten dann auch Taten, vom energetischen Umbau des Vereinsheims bis hin zur Teilnahme an einem DFB-Pilotprojekt.

Ein Ansatz war, die Infrastruktur auf dem Gelände zukunftsfähig zu machen. "Früher", so blickt Dürrschnabel zurück, "flossen fast drei Viertel der Mitgliedsbeiträge in Energieaufwendungen." Das ist passé. Die Germanen ließen sich eine Photovoltaik-Anlage aufs Vereinsdach bauen und ersetzten die alte Heizung mit einer Grundwasserwärmepumpe. 2014 sanierte der Verein mit viel Eigenarbeit die oberste Geschossdecke, um die nachhaltig erzeugte Wärme auch effizient zu nutzen. Die Einsparung ist "signifikant", heißt es in einer Bilanz des Programms "Klimaschutz-Plus" des Landes, in dessen Rahmen die Wärmepumpe auch bezuschusst wurde. Festgestellt werde eine CO -Minderung von rund 34 Tonnen pro Jahr. Die gesparten Energiekosten fließen in die Vereinsarbeit.

Und auch die ist erweitert worden. Im Grunde ist der SV ein Mehrspartenverein, in dem der Fußball den Hauptanteil ausmacht (mit 500 Mitgliedern) und eine Leichtathletikabteilung ihren Platz hat. Darüber hinaus wurden neue Angebote eingerichtet. Tanzgruppen, Walking, Lauftreff, eine kleine Radgruppe, die Möglichkeit, das Sportabzeichen abzulegen - die Erweiterungen sollen den Familienverbund ansprechen und die Loyalität zum Verein vergrößern. Denn, so der Vorsitzende: Die einst "ewige" Verbundenheit zu einem Verein nimmt in der modernen Gesellschaft ab. Dem gelte es entgegenzuwirken.

Insbesondere die Jugend rückt dabei weiter in den Fokus. Bundesweit sei eine "überdurchschnittliche Fluktuation" in der Vereinslandschaft zu beobachten. "Wir leben da nicht auf einer Insel", weiß Dürrschnabel.

Auch vor diesem Hintergrund ist in diesem Jahr die Bietigheimer Ballschule ins Leben gerufen worden - ein Gemeinschaftsprojekt von SV Germania, Turn- und Sportverein (TuS) und Frisch Auf Bietigheim (Handball). Das Interesse am Sport auf spielerische Weise wecken, lautet das Ziel der Ballschule. Und: Die Kinder im Alter von fünf, sechs Jahren könnten dabei gleich die für sie richtige Sportart finden - Fußball? Handball? Tennis? -, mit entsprechendem Spaß zur Sache gehen und dabei bleiben, wie Dürrschnabel erläutert.

Ohnehin seien heutzutage Kooperation innerhalb und auch außerhalb eines Ortes wichtig. In den zwei Aktivenmannschaften sowie im Bereich der Jüngsten (G- bis D-Jugend) noch eigenständig, kicken die Bietigheimer im A-, B- und C-Juniorenbereich längst in Spielgemeinschaften, wie sie es auch in anderen Clubs gibt, mit Ötigheimern und Muggensturmern zusammen. Dürrschnabel sieht dies letztlich auch als Qualitätsgemeinschaft, die dafür sorgt, dass ein gewisses Niveau und damit auch Spieler gehalten werden können.

Ein verbandsweites Alleinstellungsmerkmal ist die Teilnahme an einem DFB-Pilotprojekt zur Entwicklung im Verein, das sich zunächst in einem Workshop des Südbadischen Fußballverbands manifestierte. "Welche Art von Verein wollen wir sein?", lautet eine Überschrift.

Zunächst ging es darum, den Status quo zu analysieren, dann Visionen für den Verein zu skizzieren und konkrete Maßnahmen zu formulieren. Weitere Schritte sollen folgen, ein Leitbild soll entstehen. Die Themen sind vielfältig: Ein einheitliches Qualifizierungsmodell für Trainer im Jugendbereich, Schulungen und Ausbildungen, ein einheitliches Kommunikationskonzept, einen Mitgliederdialog, eine bessere interne Vernetzung, ein Anreizsystem für Vereinsmitarbeit mit dem Ziel, sich weiterhin breit aufstellen zu können. Und: Die Prüfung weiterer Kooperationsmöglichkeiten. Neben der Bietigheimer Ballschule und dem jährlichen Besuch des Real-Madrid-Fußballcamps, das diese Woche gerade wieder läuft, stehe die Zusammenarbeit mit einer Fußballschule, die dann wöchentlich stattfinden soll, kurz vor dem Abschluss, verrät Dürrschnabel. Eine lange To-do-Liste ist in Arbeit. Manches wird schnell gehen, manches sich dynamisch entwickeln müssen. Fest stehe, so der Vorsitzende: "Kirchturmdenken ist passé."

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