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Reise zu den Wurzeln führt nach Ötigheim
Reise zu den Wurzeln führt nach Ötigheim
05.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Anja Groß

Ötigheim - Als der Ötigheimer Frank Brenner im Juni 2018 eine E-Mail aus den USA mit dem Betreff "Ancestry" erhielt, dachte er zunächst an eine Spam-Mail mit Werbeinhalt, die er sofort löschte. Als jedoch vier Wochen später eine weitere Mail eintraf und er den Namen Kalkbrenner las, den es in Ötigheim häufig gibt, wurde er neugierig. Zum Glück für den Absender Everett J. Kalkbrenner aus Belleville im US-Bundesstaat Illinois, der um Unterstützung bei der Ahnenforschung bat.

Da er selber keinen Freiraum für die zeitintensive Recherche hatte, bat Brenner kurzerhand den Ötigheimer Wolfgang Kuhn um Unterstützung. Die beiden hatten 2016 zusammen das sogenannte "Schnellertreffen", ein großes Familientreffen mit rund 120 Personen, in Ötigheim mitorganisiert (das BT berichtete).

Nachforschung in Kirchenbüchern

"Da ich mich hobbymäßig mit Genealogie beschäftige und zudem gerade in den Ruhestand eingetreten war, übernahm ich den Part der Recherche in den alten Kirchenbüchern des katholischen Pfarramts in Ötigheim", erzählt Kuhn. Sein Vorteil: In seiner Ausbildung als Vermessungstechniker hatte er noch gelernt, die alte Sütterlinschrift zu lesen. Etwa ein Jahr lang recherchierte Kuhn intensiv und überprüfte dabei vor allem Daten, die der 74-jährige Everett Kalkbrenner durch die bezahlte Recherche eines amerikanischen Ahnenforschungsportals bereits erhalten hatte.

Es bestätigten sich dabei tatsächlich die Wurzeln der Familie in Ötigheim, die Kuhn anhand der alten Kirchenbücher (Tauf-, Ehe- und Totenbuch) und unter Einbeziehung der Informationen des "German Emigration Center" und der amerikanischen Firma "Ancestry " verifizierte.

Demnach ist der Ur-Ur-Großvater Gabriel Kalkbrenner, ein Zimmermann, 1848 nach dem Tod seiner Frau Catharina, geborene Mauterer, nach Amerika ausgewandert. Einige seiner Geschwister und Kinder starben später in Belleville, Illinois, wo der Nachfahre heute noch lebt. "Wahrscheinlich hat die Familie Kalkbrenner das Land illegal verlassen, wie in den Wirren der Badischen Revolution damals viele andere Auswanderer aus Mittelbaden" mutmaßt Kuhn. Er vermutet, dass ein Zusammenhang mit den Revolutionären bestand. Denn offiziell registriert wurde die Ausreise der Familie nirgends. Die meisten "Illegalen" reisten über den französischen Hafen Le Havre, wo die Passkontrollen nicht so streng gehandhabt wurden wie in den deutschen und niederländischen Überseehäfen, berichtet er. "Es war zudem eine Zeit großer Armut und hoher Arbeitslosigkeit", so Kuhn.

Damian Kalkbrenner, der Ur-Großvater, war zweimal verheiratet (beide Male übrigens mit deutschstämmigen Frauen) und hatte zehn Kinder. Es konnten aber keine Nachkommen mit dem Namen Kalkbrenner in Ötigheim ermittelt werden. Nur über den Geburtsnamen Mauterer der Ur-Ur-Großmutter Catharina konnte eine direkte Verbindung zu noch lebenden Verwandten in Ötigheim festgestellt werden - und auch, dass es aus dieser Linie zwei frühere Bürgermeister von Ötigheim gab: Ludwig Mauderer (1835) und sein Enkel Ludwig Mauterer (1871 bis 1884 und 1894 bis 1896) - der Name wurde mal mit "d" und mal mit "t" geschrieben. Verblüffend auch: "In beiden Familienlinien gab es viele Tischler, Schreiner oder Zimmermänner", so Kuhn.

Everett Kalkbrenner und seine Frau Pamela wollen nun die Heimat der Urahnen kennenlernen und kommen im Rahmen einer Europareise vom 18. bis 21. Oktober nach Ötigheim. Brenner und Kuhn haben ein Programm für die beiden zusammengestellt - mit Besichtigung der Freilichtbühne, des Rastatter Schlosses und Baden-Baden. Auf Einladung von Bürgermeister Frank Kiefer, der das Ehepaar auch offiziell empfangen wird, werden sie zudem den "Bayrischen Abend" des Musikvereins miterleben. Und es ist natürlich ein Treffen mit den drei Nachfahren aus der mütterlichen Linie in Ötigheim geplant. Kuhn und Brenner sind nun sehr gespannt, was Kalkbrenner eventuell noch aus der Familiengeschichte zu berichten weiß - und haben als Dolmetscherin sicherheitshalber Kuhns Tochter eingespannt. Denn auf der Ahnentafel gibt es noch einige "weiße Flecken".

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