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Mit ruhiger Hand
Mit ruhiger Hand
18.09.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (sl) - Als Karin Bauer mit der Kalligrafie anfing, da musste sie vielen noch erklären, um was es sich dabei handelt: Die Kunst des Schönschreibens von Hand. Heute gibt es preiswerte Kalligrafie-Sets für Einsteiger in fast jeder Schreibwarenhandlung. Damit freilich hat die Arbeit einer professionellen Kalligrafin wie Karin Bauer nicht viel zu tun. Doch Anfängern und Interessierten gibt sie gerne Einblicke in ihre Arbeit.

Zum Beispiel bei der "Langen Nacht der VHS" am Freitag, 20. September, ab 18 Uhr in der Handelslehranstalt, Rödernweg 1 in Rastatt, oder am Wochenende, 28. und 29. September, beim "Offenen Atelier" des Kunstvereins in ihrer eigenen Wohnung in der Augustastraße 68 (Samstag: 14-18 Uhr, Sonntag 11-16 Uhr).

Was aus so einer Begegnung mitunter werden kann, berichtet Karin Bauer aus eigener Erfahrung. Gebürtig aus der Umgebung von Stuttgart, arbeitete sie als junge Frau bei einem international tätigen Konzern mit Stationen in Freiburg, Hamburg und Berlin. Doch der Wunsch keimte, hauptberuflich künstlerisch tätig zu sein. Der Durchbruch kam dann anlässlich eines Auslandsjahrs im Irak, wo sie einem Meister der arabischen Kalligrafie begegnete und regelmäßig bei seiner Arbeit gegenwärtig sein durfte. "Wir haben zuerst nichts gesprochen", erinnert sie sich, "langsam wuchs ich in die Rolle seiner Schülerin hinein, ich hatte ihn überzeugt, dass mir die Sache ernst ist". Das dauerte etwa ein Vierteljahr, und am Ende stand für Karin Bauer die Erkenntnis: "Ich weiß jetzt, was ich will."

Zuhause in Deutschland rieten ihr viele Kollegen und Freunde zunächst ab, die sichere Position mit guten Zukunftsaussichten in der Wirtschaft gegen eine risikoreiche Existenz als freischaffende Künstlerin zu tauschen. Aber so schnell ging das ohnehin nicht. Neben dem Beruf studierte Karin Bauer jetzt, inzwischen lebte sie in Hamburg. Schwerpunkte der Ausbildung waren Buchdesign, Kalligrafie und Typografie. "Manchmal war das ganz schön happig", denkt sie an diese Zeit des Durchhaltens zurück. Dass sie sich zudem schon zur Betriebswirtin weitergebildet hatte, kommt ihr zupass.

Und offenbar setzten sich Beharrlichkeit und eine gute Portion Begabung durch. Denn allzulange musste die frischgebackene Freiberuflerin nicht auf Aufträge warten. Heute zählt sie exklusive Modelabels, international tätige PR-Agenturen, Buchverlage und die Hersteller von hochwertigen Gruß- und Trauerkarten zu ihren Kunden. Logos, Produktnamen, Tattoos, Werbetexte und Namenszüge entstehen unter ihrer Feder. Mit westlicher Kalligrafie kann Karin Bauer dienen, aber auch arabische, hebräische und verschiedene indische Schriften sind ihr geläufig. Dabei geht das Kunsthandwerkliche übergangslos ins rein künstlerische Fach über: An den Wänden von Bauers Atelier kann man sehr ansprechende Grafiken bewundern, in denen sich die Schrift geradezu im Ornamentalen auflöst. Manches lässt sich gerade noch entziffern, anderes will schon gar nicht mehr Schrift sein, doch nichts kann seinen Ursprung in Buchstaben verleugnen. Aufwendig gestaltete Künstlerbücher, Unikate allesamt, sind ein weiteres Metier der Neu-Rastatterin, die seit gut einem Jahr an der Murg lebt.

Bei der "Langen Nacht der VHS" und beim "Offenen Atelier" können Interessierte dabei zusehen, wie die Kalligrafin ihre Kunst mit ruhiger Hand und sicherem Strich ausführt. Gerne zeigt sie, mit welcher Art von Feder welche Buchstaben gelingen können. Mutige dürfen sich auch selbst versuchen und bekommen so vielleicht Lust, an einem der Seminare von Karin Bauer an der VHS teilzunehmen.

Und noch einen Service bietet die Kalligrafin ihren Privatkunden an: Wer alte Briefe oder Tagebücher der Vorfahren hat, die deutsche Schreibschrift aber nicht mehr lesen kann, darf sie mit einer Übersetzung beauftragen. "Es gilt Schweigepflicht", verspricht sie.

www.bauer-kalligrafie.de

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