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Hornissennest illegal entfernt
05.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Anja Groß

Elchesheim-Illingen - Ärger gibt es in der Doppelgemeinde wegen der Entfernung eines angeblichen Wespennests, das sich dann als Heimstatt streng geschützter Hornissen herausstellte. Es wurde im Auftrag der Gemeinde von einem Schädlingsbekämpfer beseitigt - ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz, der sehr teuer werden kann.

NABU-Naturfotograf Rainer Deible aus Elchesheim-Illingen hatte an einem Spazierweg im August ein Hornissennest in einem ausgehöhlten Baumstamm entdeckt und die Insekten immer wieder fotografiert. Doch eines Tages war kein Leben mehr rund um den Baumstamm - und eine Nachfrage im Rathaus bestätigte seinen Verdacht: Das Nest war im Auftrag der Gemeinde entfernt worden, nachdem offenbar einige Spaziergänger und deren Hunde gestochen worden waren. Allerdings ging Bürgermeister Rolf Spiegelhalder davon aus, dass es sich um Wespen gehandelt habe, wie er auf BT-Anfrage erklärt. Das habe der beauftragte Schädlingsbekämpfer aus Baden-Baden ihm so gesagt, dem er Fotos eines toten Insekts zugesandt hatte, mit dem einer der Gestochenen im Rathaus auftauchte.

"Für jemanden, der sich ein bisschen auskennt, ist schon anhand der Fotos offensichtlich, dass es sich hier um eine Hornisse handelt", sagt Deible. Weitere Beweise dafür lagern in seiner Kühltruhe: Eine Wabe mit toten Tieren, die er nach der Vernichtungsaktion aus dem Baumstamm geholt hat.

Keinen Zweifel an der Artbestimmung hat auch Martin Klatt, Leiter des Umweltzentrums Rastatt, der daraufhin den Fall bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Rastatt angezeigt hat. Denn Hornissen stehen unter Schutz, und die ungenehmigte Entfernung eines Hornissennests kann mit einer Geldbuße zwischen 10 000 und 50 000 Euro geahndet werden, wie Sébastien Oser, Leiter des Amtes für Baurecht und Naturschutz, auf BT-Anfrage erklärt. Seine Behörde, die auch für Elchesheim-Illingen zuständig ist, habe "keine naturschutzrechtliche Genehmigung zur Entfernung eines Hornissennests" erteilt.

Auch Bürgermeister Rolf Spiegelhalder geht mittlerweile davon aus, dass es sich um Hornissen handelte und bedauert den Vorfall im BT-Gespräch: "Das ist mehr als traurig." Selbstverständlich wisse er, dass Hornissen streng geschützt sind und habe den Schädlingsbekämpfer auch ausdrücklich darauf angesprochen und ihn gebeten, vor Ort zu prüfen, ob es sich tatsächlich um Wespen handelt, da man das Nest ja sonst nicht einfach entfernen dürfe. Dieser habe ihm nach der Aktion bestätigt, es sei ein Wespennest gewesen. Die Gemeinde habe handeln müssen, nachdem trotz einer Absperrung des Nests weitere Menschen gestochen worden seien, so Spiegelhalder. Da urlaubsbedingt weder bei der Naturschutzbehörde des Landkreises Rastatt noch bei der des Stadtkreises Baden-Baden ein Experte gefunden werden konnte, sei er bei der Schädlingsbekämpfungsfirma gelandet. "Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt", betont Spiegelhalder, dass er sich auf die Auskunft des Fachmanns verlassen habe.

Schädlingsbekämpfer:



"Dumm gelaufen"

Die Untere Naturschutzbehörde hat in der Angelegenheit ein Anhörungsverfahren eingeleitet. Gestern ging nach zweimaliger Fristverlängerung, teils bedingt durch die Urlaubsabwesenheit des Bürgermeisters, dort auch die Stellungnahme der Gemeinde ein, die man nun prüfen werde, so Oser. Parallel dazu habe man auch schon den Schädlingsbekämpfer mit der Bitte um Stellungnahme angeschrieben.

Auf BT-Anfrage erklärt der Geschäftsinhaber, er habe einen Subunternehmer beauftragt, "weil wir zu viel zu tun hatten".

Dieser räumt am Telefon dann unumwunden ein, es sei sein Fehler gewesen. Er habe das Nest im Baumstumpf nicht einsehen können, und als er dort war, seien keine Tiere an- oder abgeflogen, "das war quasi blindes Arbeiten". Da er wegen eines Wespennests gerufen worden sei, sei er dann ans Werk gegangen, obwohl - wie er auf Nachfrage einräumt - der Bürgermeister explizit auf die Möglichkeit hingewiesen hätte, es könne sich um Hornissen handeln. Es sei "dumm gelaufen" und es tue ihm sehr leid, denn er wisse aus langjähriger Erfahrung als Schädlingsbekämpfer, dass Hornissen ja ganz friedlich seien. "Das passiert mir zum allerersten Mal", erklärt er. Ob und wer nun ein Bußgeld bezahlen muss, entscheidet das Landratsamt. Dieses wird wohl zunächst die schriftlichen Stellungnahmen abwarten, denn von der Aussage des Schädlingsbekämpfers war dort gestern noch nichts bekannt.

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