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Barocke Stimmung
Barocke Stimmung
07.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Martina Holbein

Rastatt - Einmal im Jahr öffnet sich das Kleinod der Rastatter Schlosskirche für eine Orgelmatinee. Bezirkskantor Jürgen Ochs spielt dann das barocke Instrument, das Johann Ignaz Seuffert gebaut hat. 1765 erklang es zum ersten Mal und heute ist es bis auf die Windversorgung noch immer im Originalzustand erhalten.



Nach der Jahrzehnte dauernden Sanierung der Schlosskirche wurde am Ende auch die barocke Orgel restauriert. Ihre zwölf Register auf einem Manual und das Pedal erklingen jetzt wieder in der Stimmung des 18. Jahrhunderts auf 409 Hertz.

Auch bei der zweiten Orgelmatinee, die am Samstagmorgen zahlreiche Besucher in die Schlosskirche lockte, hatte sich Bezirkskantor Jürgen Ochs auf Komponisten beschränkt, die vor 300 Jahren auf der Orgel hätten gespielt werden können. Da war erst einmal der Rastatter Hofkomponist Johann Caspar Ferdinand Fischer, von dem Jürgen Ochs Präludien und Fugen in G aus dem "Musicalischen Blumen-Strauss" ausgewählt hatte. Das erste Präludium entfaltete den vollen Klang der Orgel, von ihrem Volumen perfekt auf den Innenraum der Schlosskirche abgestimmt. Wunderschön das klangvolle Prinzipal, das zwar prächtig, aber nicht überladen klingt. Eine zierliche Fuge schloss sich an, klar strukturiert und mit leichter Hand musiziert. Welch Fülle an Ideen Fischer in diesen musikalischen Blumenstrauß einbringt, das gelang Jürgen Ochs mit gestalterischem Einfühlungsvermögen herauszustellen. Und gleichzeitig entdeckte er zusammen mit den Zuhörern die klangliche Vielfalt der Schlosskirchen-Orgel, die sie in ihren zwölf Registern verbirgt.

Wie gut sich das mit thematisch verschiedenen Choralvorspielen bewerkstelligen lässt, zeigte der Bezirkskantor mit kurzen Sätzen von Johann Walter, Johannes Pachelbel oder Georg Philipp Telemann. "Wachet auf, ruft uns die Stimme" war als Weckruf intoniert, bei "Komm, Heiliger Geist, Herre Gott" war es ein himmlisches Glitzern, als hätte sich der Himmel geöffnet. Schöne Melodien in der "Messa della Madonna" von Girolamo Frescobaldi, die sich schlank und elegant in den graziösen Gesamtcharakter einordneten. Beweglich und frei wie Studien die "Versetti primi toni" von Domenico Zipoli und dann doch majestätisch "Voluntary in G" des britischen Komponisten John Stanley, dessen klare Strukturiertheit Jürgen Ochs wie beiläufig herausarbeitete.

Zum Abschluss herrlich bewegt mit dramatischer Geste "Finale" des Niederländers Christian Friedrich Ruppe. Flink und leicht, mit Gespür für die der Komposition innewohnenden Effekte, gelang dem Organisten hier ein wunderhübsches Stück, das mit seinem ruhigen Mittelteil in Moll noch zusätzlich gewann. Technisch bezaubernde Koloraturen und virtuose Läufe, dazu Gefühl für das jeweils adäquate Register - Jürgen Ochs hatte für diese Matinee ein Schatzkästchen der Orgelmusik geöffnet, dessen Inhalt durch den ganz eigenen Klang der Schlosskirchenorgel seine besondere Wirkung e rzielte.

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