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Leichtgläubigkeit kostet Opfer viel Geld
Leichtgläubigkeit kostet Opfer viel Geld
07.10.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (mo) - Das Schöffengericht Rastatt verurteilte am Freitag einen 37-jährigen türkischen Staatsbürger wegen gemeinschaftlichen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs. In einem Fall lag vollendeter Betrug vor, im zweiten Fall blieb es beim Versuch. Er wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Der Mann sitzt bereits seit 23. April in Untersuchungshaft. In dem zweitägigen Prozess ging es um ältere Damen, die im Februar Opfer von Trickbetrügereien durch falsche Polizisten geworden waren. In Durmersheim wurde eine 70-Jährige fortwährend von vermeintlichen Polizeibeamten telefonisch kontaktiert und eingeschüchtert. Sie hob schließlich 20 000 Euro von der Bank ab (das BT berichtete). Zunächst gab sie dem Angeklagten, der das Geld abholen sollte, jedoch nur 10 000 Euro. Doch die Anrufer blieben hartnäckig, sodass die Rentnerin am anderen Morgen einem weiteren, unbekannt gebliebenen Abholer die übrigen 10 000 Euro aushändigte.

Auch in Darmstadt war nur einen Tag später eine 82-jährige Altenheimbewohnerin bereit, nach Telefonanrufen 20 000 Euro abzuheben. Doch die Fragen einer Bankangestellten machten die Frau dann nachdenklich. Sie wandte sich an die Polizei, wo man sofort die Betrugsmethode erkannte. Die Seniorin ließ sich überreden, mit der Kripo zusammenzuarbeiten. Sie ging zum Schein auf die Forderun gen der vermeintlichen Polizisten ein. Das weitere Geschehen wurde dann überwacht. So kam es vor ihrer Seniorenresidenz zur "Geldübergabe" an den Angeklagten. Doch in dem Kuvert waren nicht die erwarteten Geldscheine, sondern Papierservietten. Der 37-Jährige wurde festgenommen.

Der Angeklagte räumte die Taten ein, sah sich jedoch nicht als Mitglied einer kriminellen Bande. Als Folge seiner Spielsucht habe er sich in einer finanziellen Notlage befunden. Dadurch habe er sich durch zwei Arbeitskollegen vom Frankfurter Flughafen zu den Taten verleiten lassen, um so an die versprochene Provision von jeweils 1 000 Euro zu kommen.

Nicht gewusst zu haben, dass hier eine Bande professionell und besonders hinterhältig am Werke ist, nahm das Gericht dem Beschuldigten nicht ab. Er sei wegen seiner Spielsucht durchaus selbst zum Opfer geworden. Doch durch seine Bereitschaft, der Bande Hilfsdienste zu leisten, wurde er zum Täter, zum "letzten Glied der Bande", deren Drahtzieher in der Türkei sitzen. Sein Hang zum Glücksspiel sei noch nicht therapiert worden. Deshalb könne ihm derzeit keine günstige Sozialprognose bescheinigt und die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Richterin Angelika Binder empfahl dem 37-Jährigen, die Haft auch als Chance zu sehen.

Wie Staatsanwältin Beate Mendler im Gespräch mitteilte, sind Anrufer mit dieser Masche weiterhin äußerst aktiv und finden mit ihrem skrupellosen Vorgehen immer wieder leichtgläubige ältere Menschen. Diese müssen dann neben dem erlittenen Schaden auch das Unverständnis der Mitbürger über ihr Tun verkraften.

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