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100 Jahre Spaß am Theaterspielen
08.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Markus Koch

Kuppenheim - Mit drei Stücken bei der Weihnachtsfeier der Kuppenheimer Chorgemeinschaft Treue im Jahr 1919 begann eine Tradition, die für die Beteiligten damals nicht absehbar war: Seit nunmehr 100 Jahren stehen passionierte Laienschauspieler des Vereins auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Eins hat sich in all den Jahren nicht geändert: Es wird immer etwas gespielt, das die Leute zum Lachen bringt.

"Das Leben ist oft traurig genug", meint Franz Reuter, warum man etwa politische oder gesellschaftskritische Stücke meidet. Außer Komödien haben die Akteure in der Vergangenheit auch Singspiele und Operetten eingeübt. Mit 18 Jahren spielte er 1966 bei "Max macht einen Seitensprung" erstmals mit, im Jahr 2017 beendete er aus gesundheitlichen Gründen sein Engagement, das immer Spaß gemacht habe, erinnert er sich im BT-Gespräch: "In den 1960er und 1970er Jahren ging es nach den Proben meistens noch zu einem Mitspieler, wo es dann Most, Schwarzwurst und Leberwurst gab." In seinen fast fünf Jahrzehnten auf der Bühne blieb die eine oder andere kleine Panne nicht aus, blickt Reuter zurück. So gab es ein Stück, bei dem er sich einen Satz partout nicht merken konnte. Als er dann bei der Aufführung an der Reihe war, fiel ihm nur ein "Ääh" ein. Oder ein anderes Mal, als er einen Kellner spielen musste, der beim Servieren einen Hustenanfall bekam. Dabei ließ er aus Versehen die Würstchen vom Teller fallen, die in einen Spalt auf der Treppe vor der Bühne plumpsten. Er kroch fieberhaft auf allen vieren, um die Würstchen zu finden, die er partout nicht entdecken konnte. Der Regisseur habe ihm aufgeregt "such!, such!" zugerufen. "Die Zuschauer kringelten sich vor Lachen", erzählt er.

Die Laienschauspieler traten bis 1965 immer bei der Weihnachtsfeier der Chorgemeinschaft auf, danach wurde der Termin auf den Jahreswechsel verschoben. Seit 2006 wird das Theaterstück im März oder April aufgeführt, so Franz Reuter. Ein Anlass war, dass der Zuspruch nachgelassen hatte und man sich überlegte, wie man mehr Leute erreichen könnte. So habe man sich entschlossen, das Theaterstück von der Weihnachtsfeier des Vereins abzukoppeln, erläutert der 70-Jährige.

Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf bekommt die Theatergruppe, die Chorgemeinschaft behält die Einnahmen aus der Bewirtung: "Wir haben beschlossen, immer ein Projekt in Kuppenheim und eines außerhalb zu unterstützen", verdeutlicht Reuter. Im Schnitt kamen in den vergangenen Jahren jeweils zwischen 1 500 und 2 000 Euro zusammen.

Gerhard Lehser ist seit 2012 in der Theatergruppe engagiert. Damals wurde jemand gesucht, der gut Hochdeutsch sprechen kann. Da Lehser, der aus dem Münsterland kommt, in der Volkstanzgruppe ist, in der auch Reuters Frau Regina mitmacht, kam der Kontakt zustande. Das Miteinander in der Truppe hat Lehser so gut gefallen, dass er weitermachte und nun seit 2017 die Theatergruppe im Vereinsvorstand vertritt und deren Sprecher nach außen ist. Zu den ebenfalls mehrfach engagierten Mitgliedern zählt Siegfried Huck, der von 1984 bis 2018 als Schauspieler mitwirkte, von 2006 bis 2009 Regie führte und zudem über mehrere Jahrzehnte hinweg die Schauspieler geschminkt und frisiert hat, wie Lehser zurückblickt. Um die Chronik der Theatergruppe zu erstellen, hat er sich durch zahlreiche Protokollbücher gelesen, die Aufzeichnungen in Sütterlinschrift hat Sabine Gärtner "übersetzt". Fotos steuerte in erster Linie Edeltraud Deck bei.

Die Theatergruppe bereitet sich bereits auf ihr neues Stück vor, das im März 2020 aufgeführt wird. Gerhard Lehser ist gemeinsam mit Regisseurin Gunda Seitz im Internet auf die Suche gegangen: "Wir orientieren uns anhand von Leseproben, dann suchen wir uns zwei bis drei Stücke raus, die wir dann der Gruppe vorstellen", erläutert Lehser im BT-Gespräch die Vorgehensweise. Aktuell gibt es neun Schauspieler, darunter lediglich drei Männer. "Wir sind auf der Suche nach männlichen Schauspielern, vor allem junge", wirbt Lehser. Ab Mitte Oktober wird zweimal in der Woche jeweils zwei Stunden im Musikraum in der Alten Schule geprobt, hinzu kommen Probenwochenenden. Ab Januar wird ohne Textbuch geübt, erläutert Lehser, der auf eine rege Resonanz am Jubiläumswochenende vom 11. bis 13. Oktober hofft .

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