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Die Würde des Menschen ist unantastbar
Die Würde des Menschen ist unantastbar
14.10.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (ar) - Die Besucher des Landratsamts wurden am Freitagabend gefesselt von Kunstwerken, die von Leid und Hilflosigkeit, aber auch von Hoffnung und Träumen sprachen. Gemalt wurden sie von Frauen, die von ihrem Partner Gewalt erfahren mussten. Doch es wurde ihnen geholfen, denn seit 25 Jahren gibt es das Frauen- und Kinderschutzhaus Baden-Baden/Landkreis Rastatt, das am Freitagabend allen Grund zum Feiern hatte.

"Die Würde des Menschen ist unantastbar, so steht es im Artikel 1 unseres Grundgesetzes. Wenn sich daran alle hielten, wären wir heute nicht hier", sagte Brigitte Schäuble, Vorsitzende des Trägervereins, zur Begrüßung der vielen Gäste, die sich zum kleinen Festakt eingefunden hatten. Musikalisch begleitet wurden sie vom Jugendchor "Fearless Voices", den "furchtlosen Stimmen", unter der Leitung von Michael Anarp.

"Gewalt gegen Frauen und Kinder ist ein Verbrechen und muss gesellschaftlich geächtet werden", forderte Brigitte Schäuble und verwies auf die nahezu 2 000 Frauen und 2 278 Kinder, die seit Bestehen des Frauenhauses in ihm Schutz fanden und betreut wurden. Man könne noch viel mehr Frauen Zuflucht bieten, wenn die Bewohnerinnen schneller eine bezahlbare Wohnung fänden und ihren Platz für andere frei machen könnten. Ihr Appell richtete sich an alle, die eine Wohnung zu vermieten hätten.

Wie Hausleiterin Barbara Schmitz informierte, leben aktuell neun Frauen und elf Kinder im Haus, was einer Belegung von 100 Prozent entspreche. Bisher habe man in diesem Jahr 40 Frauen und 52 Kindern Schutz im Frauenhaus geboten.

Eindrücklich berichtete sie über die unterschiedlichsten Herausforderungen, vor denen die Frauen ständen und bei denen sie von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Frauenhauses unterstützt würden. Sie betonte, häusliche Gewalt sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, Bildungs- und Sozialschicht spielten dabei keine Rolle, auch nicht Nationalität oder Religion. Sie forderte mehr Frauenhäuser in Deutschland, eine bundeseinheitliche Regelung, mehr Prävention und Nachsorge und weniger administrative Arbeit. "Schauen Sie nicht weg, sondern ermuntern Sie die betreffenden Personen", appellierte Barbara Schmitz.

Landrat Toni Huber sagte, häusliche Gewalt sei ein weltweites Problem und ein Armutszeugnis für die Menschheit. Der Trägerverein des Frauenhauses setze ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Er biete den betroffenen Frauen Solidarität und fordere von allen Bürgern Achtsamkeit und Zivilcourage, sagte Huber, den es freute, dass vor wenigen Wochen der "Runde Tisch häusliche Gewalt" initiiert wurde.

Roland Kaiser, Bürgermeister der Stadt Baden-Baden, erinnerte an die Anfänge des Frauenhauses und betonte, dass es trotz teilweise schwieriger Rahmenbedingungen immer gelungen sei, gemeinsam zum Wohl der Schutz suchenden Frauen zu arbeiten. Er wünsche sich mehr überörtliche Unterstützung zur Finanzierung des Frauenhauses, so der Baden-Badener Bürgermeister.

"Sie sind die Stützpfeiler dieses Hauses und unserer Gesellschaft", lobte Regierungspräsidentin Sylvia Felder die Ehrenamtlichen des Trägervereins. In ihrer Festrede stellte sie den Artikel 1 des Grundgesetzes in den Mittelpunkt, der Menschenwürde und Unantastbarkeit garantiere. Sie richtete an alle Bürger den Appell, mehr aufeinander Acht zu geben.

Das vor fünf Jahren im Frauenhaus ins Leben gerufene kunst-therapeutische Projekt stellte Bine Walter vor, die mit Petra Morlock die Gruppe der Bewohnerinnen, aber auch ehemaliger dort wohnender Frauen betreut. 39 von betroffenen Frauen geschaffene Kunstwerke sind im Erd- und im Obergeschoss des Landratsamts in der Ausstellung "Licht und Schatten 2" bis 11. November zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 17 Uhr, Freitag von 7.30 bis 13 Uhr.

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