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In Schlössern besser nicht "handgreiflich" werden
In Schlössern besser nicht 'handgreiflich' werden
15.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Sebastian Linkenheil

Rastatt - Keine Frage: Ein Barockschloss zu besichtigen ist ein sinnliches Vergnügen. Doch sollte man allein den Blick über all die Herrlichkeiten schweifen lassen. Dem verständlichen Drang, auch mit den Fingern die Pracht aus Stuck, Samt und Seide zu begreifen, sollte man tunlichst unterdrücken. Warum eigentlich? Das erklärte Restauratorin Annemie Danz den Besuchern der Rastatter Residenz anlässlich des europaweiten Tags der Restaurierung.



Einblicke in ihre Arbeit gaben Restauratoren der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg auch in der Schlosskirche und in Schloss Favorite. Zusammen mit Textilrestauratorin Diane Lanz konnten die Gäste in der Schlosskirche hinter die Geheimnisse der textilen Kirchenausstattung kommen, die nahezu vollständig erhalten ist. Über einen Zeitraum von 20 Jahren erstreckten sich deren Restaurierungsarbeiten. Derweil klärte in Schloss Favorite Werner Hiller-König, ein führender Fachmann für die Erhaltung historischer Gläser, über das Phänomen der "Glaskorrosion" auf. In Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut sind die Schlösser und Gärten den Ursachen auf der Spur und suchen nach Lösungsmöglichkeiten.

Weit mehr Erfahrung hat man da mit antiken Möbeln und Wandteppichen, wie sie zahlreich im Residenzschloss zu finden sind. Von Annemie Danz erfuhren die Führungsteilnehmer, dass Schwankungen der Luftfeuchtigkeit und zu viel Licht die Hauptfeinde historischer Hölzer, Textilien und Papiere sind. "40 000 Lux haben wir draußen, aber in den Schlossräumen sollten 50 Lux herrschen", erklärte sie, warum die Schlossfenster einen Licht-Schutz brauchen. Die Macht des Lichts demonstrierte die Fachfrau an einer barocken Kommode: Auf der fensterzugewandten Seite ist das Holz ausgeblichen, das Furnier beginnt schon, sich zu lösen. Auf der lichtabgewandten Seite sieht die Oberfläche fast wie neu aus. Auch ein Wandteppich aus der berühmten Kriegskunstserie des "Türkenlouis" zeigt an einer Stelle, die für viel Jahrzehnte verdeckt gewesen sein muss, weit frischere Farben als der stark verdunkelte Rest. "Leider sind Lichtschäden unumkehrbar", räumte Annemie Danz ein - die Grenzen der Restauratoren-Kunst. Deshalb sollten sie am besten gar nicht erst entstehen.

Auch schwankende Luftfeuchte setzt dem Mobiliar zu. "Hölzer und Textilfasern nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab", erklärte die Restauratorin. Dabei können Risse entstehen. Deshalb gibt es im Schloss Luftbefeuchter, die übers Jahr für konstante Verhältnisse sorgen sollen.

Und wie war das jetzt mit dem Anfassen? Säuren auf der Haut können das empfindliche Material angreifen, doch allein schon die mechanische Beanspruchung durch das Berühren kann ein historisches Stück ruinieren, wenn es viele Male geschieht. Im Rastatter Schloss, das nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann, ist man in der glücklichen Lage, Besucherabsperrungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren, denn die Schlossführer achten darauf, dass niemand "handgreiflich" wird. Doch am Tag der Restaurierung durften die Besucher dann doch etwas anfassen: Dekorationen aus Holz, wie sie früher die Wände im Kabinett der Markgräfin geschmückt haben. Dabei handelte es sich jedoch um Rekonstruktionen.

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