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Datum zu sensibel für Kollegah-Konzert
17.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Sebastian Linkenheil

Rastatt - Das für den 9. November angekündigte Konzert von Kollegah in der Badner Halle wird nicht stattfinden. Zumindest nicht an diesem Tag. Diese Entscheidung von Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch wurde gestern Nachmittag bekannt. Vorausgegangen war eine Anfrage des Badischen Tagblatts, wie denn das sensible Datum mit einem Auftritt ausgerechnet dieses Künstlers zusammenpasst.



Der Veranstalter selbst schrieb in einer Ankündigung von einem der "polarisierendsten" Künstler im deutschsprachigen Raum. Kritiker werfen ihm Gewaltverherrlichung, Schwulenfeindlichkeit, Frauenverachtung und nicht zuletzt Antisemitismus vor. Damit rückt das Konzertdatum in den Blick: Der 9. und 10. November sind die Jahrestage der sogenannten Reichspogromnacht von 1938, in der in ganz Deutschland Synagogen brannten und Juden grausam misshandelt wurden - auch in Rastatt. In der Barockstadt ist der 9. November traditionell ein Tag des stillen Gedenkens. Kränze werden auf dem Jüdischen Friedhof oder beim Kantorenhaus niedergelegt, der Verein Stolpersteine lädt zu Schweigemarsch und Mahnwache ein. Auch dieses Jahr ist das geplant.

Zurück zu Kollegah (Felix Blume mit bürgerlichem Namen): 2018 wurde er zusammen mit seinem Rapper-Kollegen Farid Bang für das gemeinsame Album "Jung Brutal Gutaussehend 3" mit dem Echo ausgezeichnet. Dies führte zu einer deutschlandweit geführten Kontroverse, da Textzeilen des Albums als antisemitisch gewertet wurden. Viele andere Künstler gaben ihren Echo zurück, letztlich wurde der Preis abgeschafft. Zwar distanzierte sich Kollegah später von den kritisierten Textzeilen, die übrigens von Farid Bang gerappt wurden. Allerdings ziehen auch andere Beiträge des Künstlers immer wieder Antisemitismus-Vorwürfe nach sich. Zumindest spielt er in seinen Texten mit antisemitischen Klischees wie dem einer angeblichen Weltverschwörung und mit Begriffen aus der Sprache des Nationalsozialismus wie dem der "Endlösung". In einer Textzeile wie "Nutte, Zeit, dass du Putzlappen befeuchtest / Ich bring Schusswaffengeräusche wie die Schutzstaffel der Deutschen" wird beispielsweise auf die NS-Organisation SS ("Schutzstaffel") angespielt. Extreme Frauenverachtung kommt vielfach noch dazu.

Als Betriebsleiterin des städtischen Eigenbetriebs Kultur und Veranstaltungen ist Carola Gerbeth Chefin in der Badner Halle. Sie soll nun beim Veranstalter einen neuen Konzerttermin erwirken. Gegenüber dem BT betonte sie, dass ihr Betrieb nicht selbst Veranstalter des Kollegah-Konzerts ist, sondern die Halle lediglich vermietet. Veranstalter ist vielmehr der Ticket- und Konzertservice Rastatt, der sein Büro ebenfalls in der Badner Halle hat. Mit diesem Veranstalter, der in Rastatt durch Volker Winkelmann vertreten wird, arbeite man seit Jahren vertrauensvoll zusammen. Gleichwohl hat Gerbeth im Vorfeld des Konzerts Musikvideos von Kollegah auf Youtube angesehen und ist der Meinung: "So muss ich persönlich meinen Abend nicht unbedingt verbringen."

Gerbeth verwies im BT-Gespräch aber auch auf gelegentliche Forderungen - auch seitens der Stadtverwaltung -, doch mehr Angebote für Jugendliche ins Programm zu nehmen und sich beispielsweise ins Rap-Genre vorzuwagen, wenn auch nicht ausdrücklich mit diesem Künstler. Das besondere Datum des 9. November habe indes bei den Vorüberlegungen keine Rolle gespielt, "da ist es mehr um den freien Samstagstermin gegangen". Für die Bedenken zeigt Gerbeth Verständnis, die nach den Ereignissen von Halle noch bedeutsamer würden, wie sie selbst sagt. Sie habe den Veranstalter schon vor der jetzigen OB-Entscheidung gebeten, künftig sensibler zu agieren.

Volker Winkelmann indes scheint die Bedenken nicht zu teilen: "Kollegah ist noch einer der Zarteren in dem Genre" und "die Kids brauchen keinen Kollegah, um zu wissen, wie sie's nicht machen sollen", antwortete er auf eine entsprechende Anfrage des BT. Die Sprache der Jugendlichen sei übrigens teils noch drastischer als die Rap-Texte. Überdies glaube er, dass das Konzert eher die Zielgruppe um 30 Jahre anspreche.

Die städtische Pressestelle fasst die Gründe des OB für die Verschiebung des Konzerts so zusammen: Wir halten das Andenken an die in der Zeit des Nationalsozialismus drang salierten und ermordeten jüdischen Mitbürger hoch. Der 9, November ist ein hochsensibles Datum. Es kann nicht sein, dass an diesem Tag in Rastatt dieses Konzert stattfindet.

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