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Strategien für Erhalt des Stadtwalds
Strategien für Erhalt des Stadtwalds
18.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Xenia Schlögl

Rastatt - "Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist schon nach zwölf", sagt Martin Koch, Förster und Kundenbereichsleiter Forst im Hinblick auf das flächendeckende Eschensterben im Stadtwald. Er appelliert an die notwendige Einsicht der Mandatsträger und Behörden, den Klimaschutz ernst zu nehmen. Der Stadtwald in Rastatt speichere allein 370 000 Tonnen CO . Es benötige große Anstrengungen, um den Wald zu erhalten und bedürfe einer breiten gesellschaftlichen Unterstützung: "Wir brauchen mehr Steuergelder."


Koch sprach als Referent zum Thema "Unser Stadtwald - unsere Zukunft" auf Einladung des Stadtverbands der Freien Wähler. Der öffentliche Informationsabend mündete in eine lebhafte Diskussion.

"Der Klimawandel ist nicht mehr abwendbar", meinte FW-Vorsitzender Herbert Köllner. "Es gilt nun, nachhaltige Strategien einzuleiten, um den Stadtwald vor unserer Haustür fit zu machen." Ziel sei es, mittel- und langfristig die Klimafunktion des heimischen Waldes zu stärken. Aufgabe der Kommunalpolitik müsse es sein, dafür Geld und Personal zur Verfügung zu stellen.

"Rastatt befindet sich in einer der wärmsten und waldärmsten Gebiete, mit nur 23 Prozent Bewaldung", führte Koch aus. Bäume seien ein wesentlicher Teil des Ökosystems, der Wald ein wichtiger Wasserspeicher, der zur Frischluftzufuhr beitrage und die Erosion von Böden verhindere. Der 1 500 Hektar große Rastatter Stadtwald sei zwar mit 25 verschiedenen Baumarten breit aufgestellt, aber die Bäume litten unter der Zunahme an Trockenperioden, heißen Sommern und massivem Krankheitsbefall wie dem Pilz Hallimasch bei Eschen oder der Russrindenkrankheit bei Ahornbäumen.

Auf den Einwand eines Teilnehmers, dass es früher auch sehr heiße Sommer gegeben habe, entgegnete Koch, dass dies mit der heutigen Situation nicht zu vergleichen sei. Seit den 90er Jahren gab es mehrere Jahrhundertsommer in Folge. Der Grundwasserspiegel falle kontinuierlich. Koch verwies auf die Veränderung der Jahreszeiten, die Winterfeuchte fehle, regenreiche Frühjahre fielen komplett aus. Der nahtlose Übergang von trockenen Wintern in heiße trockene Sommer schade der Wachstumsphase der Pflanzen und Bäume, wie 2018 und 2019 zu beobachten war. "Wasser wird die Menschheitsfrage werden", gab Koch zu bedenken, "entweder gibt es zu wenig oder lokal zu viel auf einmal."

Der Kundenbereich Forst hat ein Waldentwicklungsprogramm für die nächsten Jahre erarbeitet, um kahl geschlagene Flächen aufzuforsten. Bis 2028 sollen auf einer Fläche von 236 Hektar neue Bäume wachsen. Man setzt auf Naturverjüngung und bewussten Anbau für die Wiederbewaldung. Das Stichwort lautet "Vorwälder". Es werden schnell wachsende Roterlen, Birken und Pappeln gepflanzt, die rasch viel Blattmasse entwickeln und für den Kaltluftzustrom wichtig sind. Langfristig sollen Schwarznussbäume und Hybridnussbäume teilweise die abgeholzte Esche ersetzen. Auch Ulmen, Sommerlinden und Platanen seien geeignet. "Man muss schauen, welche weiteren Ersatzbaumarten für den Klimawandel geeignet sind", beschrieb Koch seine Arbeit. Im Zuge des Forschungsprojekts "Waldklimafonds" in Zusammenarbeit mit dem KIT seien erfolgreich 5 000 Bäume in den Rheinauen gepflanzt worden, um die Lebensräume der Auenlandschaft zu erhalten. Wenig Hoffnung habe er für den Fortbestand von Eichen, Ahorn, Buchen, Fichten und Tannen. Auf die Frage, ob er mehr Personal brauche, antwortete Koch mit einem klaren Ja. Es gebe aber einen breiten Fachkräftemangel, die Forstbetriebe werben untereinander bereits die Auszubildenden im zweiten Lehrjahr ab. Seit einigen Jahren arbeite man mit externen Betrieben zusammen.

Die Teilnehmer der Veranstaltung sprachen auch Vorschläge zur Klimaverbesserung in Rastatt an. Regenwasser solle für die Bewässerung der Stadtbäume aufgefangen, Dachbegrünung oder Fassadengrün forciert, Schottergärten verboten und eine Baumverordnung eingeführt werden, die für jeden gefällten Baum die Anpflanzung eines neuen vorsehe. Stadtrat Köllner gab zu, dass manche innerstädtische Entwicklung zu hinterfragen sei. Die Entscheidung für einen komplett versiegelten Kulturplatz zwischen Reithalle und Landratsamt war ein Fehler, der den finanziellen Möglichkeiten geschuldet gewesen sei. "In Zukunft muss bei jedem größeren Bauvorhaben auf die Ökobilanz geachtet werden", ist seine Einsicht.

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