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Altlasten im Neubaugebiet
Altlasten im Neubaugebiet
22.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Hügelsheim - Häuslebauer, die auf ein Baugrundstück im Neubaugebiet "Ehemalige Heizzentrale" in Hügelsheim hoffen, müssen sich in Geduld üben. Die Erschließung ist zwar abgeschlossen, doch der Verkauf der 19 Grundstücke verzögert sich. Wie lange, ist derzeit ungewiss. Grund: Bei den Erdarbeiten wurde PAK-belasteter Boden entdeckt. Die Gemeinde hat daher nach einstimmigem Beschluss des Gemeinderats, der nichtöffentlich bereits am 16. September gefasst wurde, eine Altlastenerkundung auf PAK für das gesamte Areal in Auftrag gegeben.

PAK sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und entstehen bei jedem Verbrennungsprozess von organischem Material (Holz, Kohle, Öl, Diesel oder Tabak) oder bei der Einbringung von Teer. Je niedriger die Temperatur bei der Verbrennung ist, umso unvollständiger erfolgt diese und umso mehr PAK entstehen, ist auf der Homepage des Bundesumweltamts nachzulesen. Und: Zahlreiche PAK sind krebserregend.

Es stellt sich nun die Frage, warum nicht im Vorfeld der Erschließung erkundet worden ist? Bauamtsleiter Elmar Sauter verweist dabei auf ein älteres Gutachten, das im Zuge der Rückbaumaßnahmen der Heizzentrale erstellt worden war. Dieses kam zu dem Schluss, dass das Teilgrundstück des zentralen Heizkraftwerks im Ergebnis der Sanierung als altlasten- und kontaminationsfrei anzusehen sei, berichtet Sauter. "Nichtsdestotrotz sind wir natürlich davon ausgegangen, dass aufgrund der Vorbelastung immer noch Reste da sein könnten und haben daher bei der Erschließung eine gewisse Menge an belastetem Material zur Entsorgung ausgeschrieben", erläutert der Ortsbaumeister auf BT-Nachfrage. Blauäugig sei man also nicht an die Sache herangegangen, stellt er ausdrücklich heraus. Im Zuge der Baumaßnahme habe es sich dann jedoch gezeigt, dass doch noch mehr belastete Fläche vorhanden war als angenommen. Daher habe man sich im Nachgang dazu entschlossen, das gesamte Areal untersuchen zu lassen, belastetes Material zu entsorgen und die betroffenen Flächen zu sanieren. Erst dann sollen die Grundstücke veräußert werden. Hügelsheim wolle nur "saubere" Baugrundstücke verkaufen, so Sauter.

Blick zurück: Bis zum Abzug der kanadischen Streitkräfte 1993 wurde das Areal als Standort für die Heizzentrale zur Versorgung der kanadischen Wohnsiedlung Kleinkanada über Fernwärmeleitungen genutzt. Das Anwesen wurde später von der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (Kowo) erworben, an der die Volkswohnung Karlsruhe und die Gemeinde Hügelsheim beteiligt waren, und nach Auflösung der Kowo von der Gemeinde übernommen. Etwa Ende der 1990er Jahre ließ die Kowo, deren Geschäftsleitung bei der Volkswohnung lag, die Rückbauarbeiten durchführen und das Gutachten erstellen, erläutert Sauter.

Der offizielle Spatenstich für das Baugebiet Wohnpark am Hardtwald - Teilgebiet "Ehemalige Heizzentrale" entlang der Victoria- und Alberta-Straße war im Februar dieses Jahres gesetzt worden. Das Gebiet umfasst rund 15 000 Quadratmeter, wovon etwa 10 700 als Baufläche vorgesehen sind. Beim Startschuss im Februar wurden die Gesamtkosten auf rund 1,15 Millionen Euro beziffert, zuzüglich rund 140 000 Euro für die im Zuge der Erschließung notwendige Sanierung der Victoria-Straße. Es liege "eine riesige Nachfrage" vor, hatte Bürgermeister Reiner Dehmelt damals mit Blick auf Bauinteressenten mitgeteilt.

Die Kosten für die jetzt in A uftrag gegebene Erkundung belaufen sich auf rund 12 000 Euro. Wie hoch der Aufwand für die Sanierung wird, ist derzeit nicht abzuschätzen. "Das wäre Kaffeesatzleserei", meint Elmar Sauter. Die Gemeinde hofft nun, dass noch vor Weihnachten die Ergebnisse vorliegen, um dann im neuen Jahr die Entsorgungsmaßnahmen ausschreiben zu können.

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