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Viele Suchtkranke scheuen Beratung
Viele Suchtkranke scheuen Beratung
22.10.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (marv) - Die Zahl der Klienten der Fachstelle Sucht Rastatt/Baden-Baden ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. Dies geht aus der Jahresstatistik der Fachstelle hervor. 1 436 Menschen wurden im vergangenen Jahr beraten (2017: 1 525), 1 034 davon längerfristig betreut (2017: 1 071). 73 Prozent der Personen mit längerfristiger Betreuung waren Männer. 150 Suchtkranke leben in einem Haushalt mit Kindern.



Wolfgang Langer, Leiter der Fachstelle Sucht, kann in dem leichten Rückgang keinen Trend erkennen. Laut dem Jahresbericht 2018 kann es "möglicherweise auf personelle Wechsel mit zeitweiligen Vakanzen in den Außenstellen" der Beratungsstelle zurückzuführen sein. "Unser Ziel ist es, die Klientenzahlen wieder nach oben zu kriegen", sagte der Diplom-Psychologe und approbierte Psychotherapeut bei einem Pressegespräch. Denn: "Nur zwölf Prozent der Suchtkranken landen bei uns in der Beratung", bundesweit seien es sogar nur zehn Prozent, die mit dem Suchthilfesystem in Kontakt kommen. Die Quote habe sich, seit er in diesem Bereich arbeite, verdoppelt, schätzt Langer - "es ist aber immer noch Luft nach oben".

55 Prozent der Klienten sind laut Jahresbericht 2018 alkoholabhängig, 31 Prozent süchtig nach illegalen Drogen. "Von Entspannung kann hier keine Rede sein", so Langer. 17 Prozent der Drogenabhängigen sind zwischen 21 und 30 Jahren alt. Sechs Prozent der Klienten sind glücksspielsüchtig, ein Prozent medikamentenabhängig. Letztere seien vor allem Frauen. "Medikamentenabhängige kommen so gut wie gar nicht zur Beratung", erklärt Langer. Die Statistik untermauert diese These: Seit 2011 liegt der Anteil der so diagnostizierten Klienten in der Region konstant bei einem Prozent.

Oft werde Beratung zu spät gesucht, daher möchten die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter stärker für die verschiedenen Suchtproblematiken sensibilisieren. Langer sagt: "Je früher die Leute zu uns kommen, desto größer ist der Nutzen für die Gesellschaft." Je früher eine Sucht erkannt und behandelt werden kann, zum Beispiel bei einer kostenlosen Beratung in der Fachstelle, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Person in der Folge weniger auf Leistungen des Gesundheitssystems, zum Beispiel für mögliche Folgeerkrankungen der Sucht, angewiesen ist.

Deshalb möchte die Fachstelle mit ihren Präventionsangeboten in Schulen, Betrieben und auf Festen für "Risiken sensibilisieren" und "Alternativen aufzeigen". Das Projekt "Hart am Limit" (HaLT) feierte im vergangenen Jahr zehnjähriges Bestehen.

"Sehr gut angenommen" werde laut Langer die neue, an drei Standorten (Baden-Baden, Gernsbach und Rastatt) stattfindende, offene Sprechstunde jeden Mittwoch von 15 bis 17.30 Uhr. Seit dem 18. September bietet die Fachstelle Sucht diesen zusätzlichen Termin an, zu dem Betroffene, ohne vorher einen Termin vereinbaren zu müssen, erscheinen können. Die anonymen Einzelgespräche "haben sich sehr bewährt", sagt Langer. "Unsere Schweigepflicht und die geringen Hürden (keine langen Wartezeiten) helfen den Menschen, etwaige Hemmungen zu überwinden."

In Zukunft, schätzt Langer, "wird im Bereich Online-Sportwetten noch was auf uns zukommen". Der Suchtexperte erwartet auch, dass vermehrt Eltern Beratung suchen werden, deren Kinder süchtig nach Computerspielen sind.

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