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Von Kardebatsch bis Dunnerwedder
25.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Sebastian Linkenheil

Au am Rhein - Mundart? Das ist doch nur etwas für ältere Semester. Diese verbreitete Ansicht muss revidiert werden. Zumindest wenn man nach Au am Rhein blickt. Denn dort wohnt Mia Kern, die mit einem witzigen Beitrag zur Auer Fastnacht im Rahmen des Mundart-Wettbewerbs "Gnitzer Griffel" den Dr.-Rudolf-Stähler-Preis eingeheimst hat. Und das mit gerade mal zwölf Jahren.

Kein Wunder, dass Mia für die Preisverleihung neulich in Ettlingen sogar ihre Klassenfahrt abgebrochen hat, auch wenn es auf Schloss Ortenberg noch so schön war. Aber eine solche Auszeichnung muss man einfach persönlich in Empfang nehmen, meinen auch die stolzen Eltern Michaela und Sascha Kern.

Mia besucht die Klasse 7d an der Realschule in Durmersheim, und ihr Deutschlehrer hatte der ganzen Klasse vorgeschlagen, sich doch mit einem selbst geschriebenen Text am "Gnitzen Griffel" zu beteiligen. Aus ihrer Klasse folgte dem Aufruf sonst niemand, erzählt Mia, aber insgesamt hatte die Fachjury letztlich aus 160 Einsendungen zu wählen. Ausgerichtet wird der Wettbewerb vom Arbeitskreis Heimatpflege im Regierungspräsidium Karlsruhe. Der Dr.-Rudolf-Stähle-Preis wurde speziell für junge Mundartkünstler bis 25 Jahre ausgelobt.

Die junge Auerin durfte bei der Preisverleihung nicht nur ihre Urkunde samt Preisgeld von 350 Euro aus den Händen von Regierungspräsidentin Sylvia Felder entgegennehmen, sondern wie die anderen Preisträger auch ihren Text vortragen. "D'Fasenacht in Au" ist der überschrieben und handelt von einer der größten Leidenschaften der Zwölfjährigen, neben dem Mundartdichten, die sie mit ihrer ganzen Familie teilt. "I bin än rechter Fasenachtsbutz", sagt die Nachwuchskünstlerin, die in der Schule (und mit der Presse) zwar Hochdeutsch spricht, sich aber auch im echten Auerisch ausdrücken kann. Nach der Bedeutung von Wörtern wie "Wiewer am Drodwa" muss sie nicht erst Mama oder Oma fragen: Klar, dass es sich um Frauen auf dem Bürgersteig handelt.

Mutter und Tochter sind in der Fastnachtsgruppe "Dick und durschdig" dabei, die jedes Jahr beim ohnehin sehenswerten Auer Fastnachtsumzug durch besonders kreative und immer selbstgestaltete Kostüme auffällt. Mia zählt in ihrem Mundarttext auch auf, als was sie schon alles gegangen ist: "Ä Kardebatsch (eine Wahrsagerin, die es in Au wirklich gegeben hat), ä Auer Fischerin, uffm Biggser Jahrmarkt, ä Muffin, ä Windrad, än Bienekorb, ä Ridder Schbord Daafel, ä rode Handdäsch und diesjohr ware mer S'Auer Dunnerwedder un hän gonz schäh geblitzt."

Eine weitere Auer Fastnachtstradition beschreibt sie: "Mänigs un Dieschdigs geh ma in Au Schlämbeln. Do ziehe mer alde Vorhäng und Lumbe o un demit geh ma zu de Lid haim, die wo ä Schdation hän und die Dier uffmache. Do gibt's dann Dringe und Esse, oft Hausmacher Lewwewurscht, Schbunde Käs oder Wurschdsalat un en Huffe Schnaps oder Schorle fir die Alde. Swern viel dumme Lieder gsunge und viel gelacht."

Na, alles verstanden? Es geht darum, dass die Auer Fastnachter am Rosenmontag und Fastnachtsdienstag in Lumpen gekleidet durch den Ort ziehen und in Privathäusern bewirtet werden. Man nennt das in Au "Station". Es wird natürlich auch gesungen und gelacht.

Dass Mia Kern mit ihrem ersten Mundarttext überhaupt gleich einen Preis beim "Gnitzen Griffel" gewonnen hat, macht sie stolz. Gut möglich, dass sie in zwei Jahren wieder ihren Hut in den Ring wirft.

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