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Schädlingsbekämpfer droht hohes Bußgeld
Schädlingsbekämpfer droht hohes Bußgeld
31.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Anja Groß

Elchesheim-Illingen - Hornissen sind streng geschützt und das Entfernen eines Nestes ohne naturschutzrechtliche Genehmigung kann teuer werden, weil die Naturschutzbehörden solche Vergehen gegen das Artenschutzrecht vehement verfolgen. So wird jetzt ein Bußgeldverfahren gegen den Schädlingsbekämpfer eingeleitet, der in Elchesheim-Illingen die in einem ausgehöhlten Baumstumpf beheimateten Tiere vergiftet hat (das BT berichtete).

Der Bußgeldkatalog des Umweltministeriums sieht für eine solche Ordnungswidrigkeit eine Geldstrafe zwischen 7 000 und 50 000 Euro vor. "Für uns ist zunächst wichtig zu klären, ob Vorsatz oder Fahrlässigkeit zugrunde liegt", erläutert Sébastien Oser, Leiter des Amtes für Baurecht und Naturschutz. KLären muss das nun die Bußgeldstelle des Landratsamts Rastatt, an die die Naturschutzbehörde den verzwickten Fall nun weitergeleitet hat. Im Fokus stehe dabei vor allem der Schädlingsbekämpfer aus Baden-Baden, der vor Ort war und behauptet hatte, es habe sich um "Deutsche Großwespen" gehandelt - im Übrigen eine Art, die es gar nicht gibt. Auf BT-Anfrage hatte er dann eingeräumt, er habe das Nest nicht einsehen können und gar keine Tiere gesehen.

Im Anhörungsverfahren der Naturschutzbehörde hat der Mann sich laut Oser nicht geäußert. Dazu wird er nun im Bußgeldverfahren erneut Gelegenheit erhalten. Ebenso werde die Bußgeldstelle prüfen, ob die Firma Kamm eine Teilschuld trifft, die den Mann als Subunternehmer beauftragt hatte. Denn es stelle sich angesichts des Vorgehens die Frage nach dessen Qualifikation - und ob diese ausreichend geprüft worden sei.

Von rechtlichen Maßnahmen gegen die Gemeinde Elchesheim-Illingen, deren Bürgermeister den Schädlingsbekämpfer beauftragt hatte, werde man laut Oser absehen. Rolf Spiegelhalder habe "nachvollziehbar dargelegt", dass er sich auf die Aussage des Schädlingsbekämpfers verlassen habe. Der Bürgermeister hatte sich zum Handeln veranlasst gesehen, nachdem mehrere Spaziergänger gestochen worden waren. Nachdem er keinen der Hornissenfachberater des Landkreises erreichen konnte, landete er schließlich bei dem Schädlingsbekämpfer in Baden-Baden, den er jedoch explizit bat, vor der Vernichtung zu prüfen, ob es sich möglicherweise um geschützte Hornissen handelt.

Für die Hauruck-Aktion der Gemeinde sieht Sébastien Oser dennoch keine Veranlassung. "Solche Ereignisse könnten vermieden werden", betont er mit Verweis auf die ehrenamtlichen Hornissenfachberater des Landkreises. "Bis die vor Ort sein können, kann es auch mal ein paar Tage dauern", betont er - so lang könne man potenzielle Gefahrenstellen weiträumig absperren, "dafür hat die Bevölkerung sicher Verständnis". Auch Martin Klatt, Leiter des Umweltzentrums Rastatt, der den Fall bei der Naturschutzbehörde angezeigt hatte, findet solche Vorfälle "bedauerlich, denn es sollte mittlerweile Allgemeingut sein, dass Hornissen aus gutem Grund streng geschützt sind und Nester nicht einfach entfernt werden dürfen". Im Übrigen seien Hornissen entgegen der gängigen Meinung sehr viel friedfertiger als Wespen.

Der Baumstumpf mit dem zerstörten Nest lag übrigens noch bis vorgestern am Wegesrand. Das hatte NABU-Naturfotograf Rainer Deible, der die ganze Sache ins Rollen gebracht hatte, bereits vor einiger Zeit moniert. Er war besorgt ob des verwendeten Insektengifts. Gestern nun sei der Baumstumpf von der Gemeinde entfernt worden, berichtete Sébastien Oser - nachdem die Naturschutzbehörde das noch einmal angemahnt hatte.

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