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Schonfrist für Tierhof und Igel-Station in Bischweier
Schonfrist für Tierhof und Igel-Station in Bischweier
12.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Bischweier - Die Anzahl der Unterstützer, die sich für den Erhalt des Tierhofs mit der NABU-Igelstation in Bischweier aussprechen, steigt weiter. Bis Sonntagabend hatten rund 1 200 Menschen die Petition von Anja Starck unterzeichnet, wie diese auf BT-Anfrage erläuterte. Wie berichtet, hat die Baurechtsbehörde des Landratsamts Rastatt den Abbruch der ungenehmigten Bauten bis zum 27. Dezember verfügt. In diesem Jahr wird es allerdings keinen Abriss mehr geben, so viel steht seit gestern fest. Das Landratsamt ist gesprächsbereit hinsichtlich einer Fristverlängerung, damit die Tiere umgesiedelt werden können, erklärt Pressesprecherin Gisela Merklinger auf BT-Nachfrage. Ein gemeinsames Gespräch mit allen Beteiligten werde terminiert. Außerdem wird das Widerspruchsverfahren überprüft.

Wie ist der Sachstand?

Der Anwalt der Eigentümerin hat sich an die Behörde gewandt. Es soll nun zunächst in Abstimmung mit der Widerspruchsbehörde, dem Regierungspräsidium, geprüft werden, ob das Widerspruchsverfahren tatsächlich beendet ist oder wieder aufgenommen werden muss, teilt Merklinger mit. Grund: Der Eigentümerwechsel war im laufenden Widerspruchsverfahren erfolgt. Anja Starck hatte den Kaufvertrag Anfang Juni 2019 mit der Vorbesitzerin geschlossen, der Eintrag ins Grundbuchamt wurde am 17. Oktober 2019 vorgenommen. Den Widerspruch gegen die Abrissverfügung zog die Vorbesitzerin am 27. Oktober 2019 zurück. Daraufhin flatterte Starck vergangene Woche eine bestandskräftige Abrissverfügung ins Haus, da diese grundstücksbezogen ist.

Warum müssen die Bauten nach rund 30 Jahren abgerissen werden?

Die Gebäude stehen auf zwei landwirtschaftlichen Flächen und wurden Anfang der 1990er Jahre ohne Baugenehmigung errichtet. Das Landratsamt erfuhr davon im Mai 2018 aufgrund einer anonymen Anzeige und forderte die Gemeinde Bischweier zu einer Stellungnahme auf. Diese erstattete im Juni 2018 Anzeige, das Verfahren lief daraufhin seinen korrekten Weg, berichtet Merklinger. Bereits im August 2018 war die Vorsitzerin aufgefordert worden, die Anlagen zu beseitigen, diese bat um eine Fristverlängerung, die auch gewährt wurde. Die Baurechtsbehörde verfügte dann im Mai 2019 die Abrissbeseitigung ohne Sofortvollzug, dagegen legte die damalige Eigentümerin besagten Widerspruch ein, nahm ihn dann aber später wieder zurück. Es wurde im Landratsamt auch geprüft, so Merklinger weiter, ob es sich bei dem Tierhof um einen landwirtschaftlich privilegierten Betrieb handelt, das wurde verneint. Dem Landratsamt sei daran gelegen, dass die Tiere ordentlich untergebracht werden und werde auch gerne bei der Umsiedlung behilflich sein. Die Schwarzbauten allerdings könnten nicht nachträglich genehmigt werden, das wäre ein Präzedenzfall. Das Baurecht gelte für alle Bürger, da gebe es keine Ausnahme. Der Termin am 27. Dezember - einen Tag nach Weihnachten - sei "unglücklich gewählt", räumt Merklinger ein. Das Landratsamt zeige sich nun kompromissbereit beim Termin, aber nicht in der eigentlichen Sache, stellt sie heraus.

Was ist der Tierhof?

Der Tierhof besteht aus Tierställen, Unterständen und einem Reitplatz mit Einfriedung. In ihm befindet sich auch die NABU-Auffangstation, in der besonders schwache oder verletzte Igel aufgepäppelt werden. Rund 70 Tiere haben Anja Starck und ihr Mann Gerhard in diesem Jahr aufgenommen, aktuell befinden sich noch neun auf dem Tierhof. "Ich mache das aus Tierliebe. Ich kann nicht alle Tiere retten, aber jedes einzelne, das ich gerettet habe, das zählt", erläutert die gelernte medizinische Fachangestellte, die auch NABU-Mitglied ist, ihre Motivation. Auf dem Hof leben außerdem weitere Tiere wie Katzen, ein Stallhase, der einen Schlaganfall hatte, Hühner und 14 Pferde, davon fünf eigene. Die restlichen haben Freunde und Bekannte im Hof eingestellt. Sie helfen bei der Arbeit mit, berichtet Starck. Zudem gebe es an die 30 Schwalbennester (die Tiere sind geschützt) in den hohlen Bäumen und unterm Dach, ebenso Hornissennester und Fledermäuse. Vor sechs Jahren habe sie in Bischweier angefangen, sie hatte damals die Flächen in Form einer Nutzungserlaubnis gepachtet und diese dann in diesem Jahr für einen symbolischen Preis erworben.

Hintergrund

Wie kommt der NABU zum Tierhof Bischweier?

Seit vier Jahren besteht die NABU-Igelstation in Gernsbach. Aus Platzgründen sei 2018 in Bischweier die zweite Igelstation aufgemacht worden, sagt Karl-Ludwig Matt, Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Rastatt. Die Igelstation in Gernsbach erhalte vom Landratsamt einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 500 Euro, für die Bischweierer Station gab es bisher nichts. Der Antrag für 2018 sei mit Verweis auf das laufende Verfahren abgelehnt worden, informiert Matt, der vergangene Woche einen erneuten Antrag für 2019 gestellt hat. Anja Starck betreibe die Igelpflegestation ehrenamtlich, der NABU erstatte die Medikamenten- und die Futterkosten. Starck macht auch Kinder- und Schulführungen, die nächsten Termine stehen bereits fest. Der NABU hofft auf eine einvernehmliche Lösung, sagt Matt.

"Zwickmühle für alle Beteiligten"
Was sagt die Gemeinde Bischweier?

"Es ist eine Zwickmühle für alle Beteiligten", betont Bürgermeister Robert Wein. Der Tierhof befinde sich im Außenbereich im regionalen Grünzug. Die Gemeinde habe seinerzeit ihre Pflicht getan und sich aufgrund der anonymen Anzeige an die zuständige Behörde gewandt, weil es darin auch um das Baurecht ging. Und geltendes Recht, dazu stehe er, müsse durchgesetzt werden. Seinerzeit sei ihm von einer Igel-Station nichts bekannt gewesen. Er wolle "kein Wildwest" in Bischweier, hoffe aber auf einen Kompromiss mit Fingerspitzengefühl.

Wein berichtet von Klagen über den zunehmenden Verkehr zum Hof. Wenn man diesen, allerdings nicht in der jetzigen Form und Größe, erhalten wolle, müsse man die Dinge in Ordnung bringen, verdeutlicht er - und zwar derart, "dass alle Bürger, die sich ans Baurecht halten, ein gutes Gefühl haben können". Statt Unterschriftenaktionen und Diskussionen über soziale Medien ("das ist nur Stimmungsmache") sollten daher besser Gespräche mit Gemeinde und Landratsamt gesucht werden.

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