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"Gärten des Glücks" gegen Insektensterben
'Gärten des Glücks' gegen Insektensterben
21.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Rastatt - Kein Summen, Rascheln oder Zwitschern durchbricht die Stille auf dem Rasen, der so akkurat geschnitten ist, dass man Golf darauf spielen könnte, auf dem es aber keine Blume gibt. Totenstille meist auch im pflegeleichten Schotterbeet, über das lediglich mal eine Zauneidechse huscht. Gärten mit Zierpflanzen sind zwar hübsch anzusehen - aber von biologischer Vielfalt weit entfernt. "Dabei können auch private Gärten wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tierarten bieten", verdeutlicht Karl-Ludwig Matt, Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Rastatt.

Und weil Herbstzeit auch Pflanzzeit ist, hat Matt einige Tipps parat, wie man naturnahe und strukturreiche Gärten voller Leben mit heimischen Insekten-, Vogel-, und Bienennährgehölzen gestalten kann. "Gärten des Glücks" wurden derlei Anlagen unlängst bei einem NABU-Vortrag genannt. Und: Auch Firmen könnten an den Zäunen um ihre Industrieflächen heimische Gehölze setzen und "so der Natur wieder etwas zurückgeben", ermuntert der 66-Jährige zum Mitmachen angesichts des massiven Insektenschwunds. 40 000 Insektenarten gibt es in Deutschland, 8 000 Arten sind in der Roten Liste geführt, 28 Prozent davon vom Aussterben bedroht und 42,5 Prozent mit negativer Bestandsentwicklung. Matt nennt auch ein Beispiel, woran man den Rückgang recht anschaulich erkennen kann. "Früher war die Windschutzscheibe am Auto oft voller Insekten, heute ist dies kaum noch der Fall."

Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie intensiv genutzte Gebiete nehmen immer mehr Raum ein. Lebensräume von Pflanzen und Tieren schwinden und werden voneinander isoliert, heißt es in einer NABU-Broschüre, die für naturnahe Blühflächen gegen das Insektensterben und für mehr Artenvielfalt auch in den Kommunen wirbt. Als weitere Ursachen werden Klimawandel, Lichtverschmutzung und Pestizide genannt.

Schon eine "wilde Ecke" ist hilfreich

Für die Anlage naturnaher Flächen sei die Verwendung heimischer Pflanzen essenziell, heißt es weiter. Mit der richtigen Auswahl werden Insekten in die Gärten gelockt. 80 bis 90 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzenarten seien auf Insektenbestäubung angewiesen.

"Jeder Gärtner kann die biologische Vielfalt fördern", sagt Karl-Ludwig Matt. Das könne auch schon mit Elementen geschehen wie beispielsweise einer "wilden Ecke", mit Nisthilfen und Winterquartieren. Hecken bieten Windschutz, Vogelnistmöglichkeiten und Igelquartiere. Totholzhaufen erweisen sich als gute Insektenbrutquartiere. Wichtig sei es auch, Wasserstellen in trockenen Sommern für die Insekten und Tiere anzulegen. Das wäre im Übrigen auch auf Friedhöfen sinnvoll, meint er. "Heimische Sträucher beleben den Garten, im Frühling umschwärmen Insekten ihre Blüten, im Herbst kleiden sie sich im herrlich gefärbten Laub", zeichnet er ein blumiges Bild. Und: "Standortgerechte heimische Gehölze sind anders als die meisten Ziergehölze an unser Klima angepasst und benötigen weder Dünger noch Pflanzenschutzmittel. Zudem tragen viele Früchte, die nicht nur den Tieren schmecken." So könne man später "den Saft mancher Früchte genießen oder leckere Konfitüre oder Kompott daraus kochen", will er auch Kleingärtnern die biologische Vielfalt schmackhaft machen.

Natürlich müsse beim Planen zunächst bedacht werden, wie hoch die Sträucher werden, wie sie sich ausdehnen und dass sie Generationen überdauern können. Es sollte möglichst schon im Herbst gepflanzt werden, damit im Frühjahr bereits die ersten Feinwurzeln wachsen, rät er. Wenn der Boden nicht gefroren ist, ginge das auch noch im Winter.

Weiß- und Schwarzdorn sind Frühblüher und ideale Weiden für Bienen und Wildbienen, nennt Matt ein Beispiel. Und Holunder biete ein gutes Nahrungsangebot für Vögel, ebenso Aronia. Der Faulbaum blühe am längsten und ist Nahrungsquelle für die Zitronenfalterraupen.

Der NABU hat eine Auswahl an verschiedenen Sträuchern für den naturnahen Garten zusammengestellt. Bei den Großsträuchern werden unter anderem Kornelkirsche, Roter Hartriegel, Hasel sowie wolliger und gewöhnlicher Schneeball aufgelistet. Bei den kleinen bis mittelgroßen Sträuchern sind unter anderem gemeine Felsenbirne, Sauerdorn, gelber Blasenstrauch und Rote Heckenkirsche genannt. Die Pflanzen sind im Fachhandel erhältlich.

Interessierte können sich aber auch der Sammelbestellung anschließen, die der NABU ohnehin für seine Mitglieder in Auftrag gibt, erläutert Ortsgruppenvorsitzender Matt. Information/Kontakt: Telefon: (0176) 78 45 64 28, E-Mail: nabu-karl-ludwigmatt@gmx.de.

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