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"Mundart und Musik" mundet
'Mundart und Musik' mundet
02.12.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (up) - Der Bürgerverein Ludwigsvorstadt hat für seine Mitglieder am Samstag erstmals einen musikalisch-literarischen Abend organisiert, zu dem auch ein Drei-Gänge-Menü gehörte. Und die Resonanz der Dörfler zu der Premiere von "Mundart und Musik" war durchweg positiv, sie nahmen das Angebot ihrer Vereinsführung zahlreich an, im Veranstaltungsraum des "Storchennests" gab es keinen freien Stuhl mehr.





Dafür dürfte auch die Ankündigung gesorgt haben, dass das Dörfler Urgestein, der "Honnes", alias Hans Reuter, seine "selbsterlebten Wahrheiten und Halbwahrheiten" (Reuter) präsentieren wird.

Den musikalischen Teil gestalteten Christian Reuter am Keyboard und Hubert Müller am Akkordeon. Singen verbindet, und so stimmten die Künstler zum Auftakt - und nicht wie ansonsten eher üblich, am Ende - das Badner Lied an, das die Anwesenden wie aus einem Munde mitsangen und damit den stimmungsvollen Boden bereiteten für einen heiteren Abend mit viel Wortwitz.

"Wer kennt se noch, die Dörfler Schproch?" fragte "Honnes", offenkundig besorgt um den Fortbestand der alten Sprache des Dörfels, die neben badischen auch elsässischen und französischen Einflüssen ausgesetzt war und offenkundig immer mehr in Vergessenheit gerät, weil sie kaum noch jemand spricht. Sie sei auch dadurch entstanden, dass deutschstämmige Bewohner des Elsass (die "Wackes") nach dem Ersten Weltkrieg vertrieben worden waren und einige im Rastatter Dörfel ihre neue Heimat fanden, erklärte "Honnes". "Wer weiß noch, was "en Kumpf" (eine große dicke Nase) ist oder eine "Kardebatschere" (eine Frau, die mittels Karten die Zukunft voraussagt)?, fragte er in die Runde und brachte die Zuhörer immer wieder zum Lachen, als er die teilweise doch sehr derbe Umgangssprache der Dörfler beschrieb, die sie untereinander pflegten. "Willsch oine uffs Aug?", sei eine durchaus übliche, handgreifliche Anfrage im "Holo" gewesen, der Gaststätte "Hohenzollern", die nicht selten mit Drohungen wie "Ich boin Dich aus" (Ich beine Dich aus!) beantwortet worden sei. Und das Ableben eines Mitbürgers habe man nicht selten kommentiert mit: "Gott hab' en selich - endlich widder en Fresser weniger."

Zum Mitklatschen animierte Hubert Müller die Dörfler, als er das Lied "Hüst oder Hot" mit seinem Akkordeon anstimmte. In dem Lied des französischen Mundartdichters und Liedermachers René Egles geht es darum, dass was dem einen richtig erscheint, für den anderen "letz" (falsch) ist. Den Refrain sangen viele mit, genau wie bei dem Lied "Schimmele, Schemmele, Schaukelstuhl" und "Alle Monda" (übersetzt so viel wie "immer montags").

Zum Abschluss des Unterhaltungsprogramms vor dem Essen stimmte der "Honnes" das Rallo-Lied an, wie viele Dörfler bezeichnet wurden und werden, und alle Anwesenden stimmten inbrünstig mit ein. In dem Stück heißt es an einer Stelle: "Mir sinn die Rallos, die durch die Rastatter Trottoirs ziehen. Mir alte Gauner, ja, mir lebe un mir sterbe mit de Detschkapp im Gnick."

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