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Junge Klima-Aktivisten wollen sich nicht "weglächeln" lassen
Junge Klima-Aktivisten wollen sich nicht 'weglächeln' lassen
05.12.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (dm) - Sie setzen sich für Klimaschutz und eine auch in der Zukunft lebenswerte Welt ein, sehen sich aber nach wie vor gerade auch in weiten Kreisen der Kommunalpolitik nicht ernst genommen: Seit die Akteure der Online-Jugendzeitung "Ravolution" und der Fridays-for-Future-Bewegung fordern, den Klimanotstand in Rastatt auszurufen, den Dialog in dieser Sache suchen und Maßnahmenvorschläge sammeln, haben sie, wie sie gestern bei einem Pressegespräch schilderten, viel Ablehnung erfahren, seien zum Teil "auf Beton gestoßen" und "weggelächelt" worden.


Auch wenn es schon ermüdend sei, wenn einem von Erwachsenen immer wieder gesagt werde, dass man sich als junger Mensch engagieren soll, dann aber den Wind aus den Segeln genommen bekommt, wie es der Schüler Ruben Kininger formuliert - den Kopf in den Sand stecken wollen sie nicht. Mehr als 100 denkbare Klimaschutzmaßnahmen für Rastatt haben sie in wochenlanger Recherche gesammelt - was laut "Ravolution"-Chefredakteurin Ute Kretschmer-Risché für eine Jugendgruppe bundesweit einzigartig sei. Diese wollen sie demnächst OB Hans Jürgen Pütsch übergeben.

Hintergrund

Die "Ravolutionäre" waren die ersten, die die Ausrufung des Klimanotstands in Rastatt gefordert und im Juni eine entsprechende Petition gestartet haben. Bis es überhaupt zu Gesprächen mit Gemeinderatsfraktionen kam, habe man mehrfach nachhaken müssen. Mit dem OB und Vertretern von CDU, SPD, Grünen, Linken und FDP habe man inzwischen gesprochen. Termine, die teils gut, teils weniger gut verliefen. Unterstellungen wie "Ihr seid doch die, die demonstrieren, Müll hinterlassen und dann zu Burger King gehen" und Sätze wie "ich will mir von euch kein schlechtes Gewissen machen lassen, wenn ich mehrmals im Jahr nach Mallorca fliege", den Schilderungen zufolge so von zwei Stadträten gefallen, blieben hängen. Und das Gefühl, dass man die jungen Leute bewusst habe auflaufen lassen - dabei habe man sich doch gerade in den Schulferien bis zu dreimal die Woche getroffen, um zu erarbeiten, wie man die Forderungen auch umsetzen kann.

Klimaschutz fange in der Kommune, in der Familie, bei jedem Einzelnen an, so auch die Überzeugung von Sandra Overlack. Daher findet sie den Begriff des "Notstands", an dem sich so manche stoßen, auch wichtig: Er soll Signalwirkung entfalten, Bewusstsein und Aufmerksamkeit schaffen; das EU-Parlament, Österreich, Frankreich, 60 deutsche Städte haben dies bereits getan - und "26 000 Wissenschaftler". Selbst in Gesprächen mit Unternehmen - etwa Edeka - sei angeklungen, dass diese die Probleme anerkennen, aber auch darauf verweisen, dass letztlich der Verbraucher entscheidet. Der Klimanotstand, mit dem entsprechendes Handeln verbunden wäre, soll daher auch in Rastatt zum Umdenken beitragen, so die Jugendlichen. Unter diesem Aspekt wäre zum Beispiel neu zu bewerten, warum das Schul-Essen für Rastatt in Westfalen gekocht und dann hierher gekarrt werden muss.

Die zwei Anträge, die die Fraktionen von Grünen und SPD jüngst in Sachen Klimaschutz eingebracht haben, seien "kleine Schritte in die richtige Richtung", so die Rastatter Landesdelegierte von Fridays for Future, Annabelle Sonn, doch der große Rahmen fehle. Anliegen der Aktivisten: Dass die Stadträte mutiger werden.

Neben den großen Klimazielen seien viele kleinere Beispiele in anderen Städten schon umgesetzt - vom ÖPNV-Kombiticket für bestimmte Veranstaltungen bis hin zum Coffee-To-Go-Becher zum Wiederverwenden, vom Klimarat über eine Photovoltaik-Kampagne bis hin zur Überprüfung von Werbemitteln auf ihre Umweltverträglichkeit - ausgerechnet Umweltministerin Svenja Schulze bekam jüngst bei ihrem Besuch in Rastatt von der Stadtverwaltung ja ein Buch, das in Zellophan verpackt war. Tipps etwa zum verpackungsarmen Einkaufen oder nachhaltigen Büro haben die jungen Leute selbst bereits veröffentlicht. Ihr Motto: "Weiter dicke Bretter bohren". Aus der Frustration, so sagt etwa Sandra Overlack, ziehe sie nun "enorme Motivation".

www.ravolution.de

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