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Streit über zwei Meter mehr oder weniger
Streit über zwei Meter mehr oder weniger
20.12.2019 - 00:00 Uhr
Von Helmut Heck

Durmersheim - Nach mehreren Jahren Pause wurde am Mittwoch bei der gemeinsamen Sitzung von Gemeinderat Durmersheim und Ortschaftsrat Würmersheim erneut über zwei Meter diskutiert. Und fast wie bei den früheren Gelegenheiten drohte daran die vorgelegte Planung für eine Unterführung am Bahnhof zu scheitern.


Streitpunkt war die Frage, ob die für Fußgänger und Radfahrer gedachte Unterquerung der Gleise mit vier Metern Durchgangsbreite ausreichend bemessen ist oder ob es sechs Meter sein müssten. Das Thema war im November 2012 und im Juli 2013 jeweils mehrere Stunden ausführlich mit Vertretern der Deutschen Bahn beraten worden. Danach war mehrere Jahre Stille. Rolf Enderle und die BUG, die den Entwurf mit einer Breite von vier Metern für untauglich hielten, brachten das Thema nun wieder aufs Tapet.

"Jedes Mal die gleiche Diskussion" hatte Bürgermeister Andreas Augustin schon im Sommer 2013 geseufzt. Am Mittwoch bestand Enderle erneut darauf, die Unterführung auf sechs Meter zu verbreitern. So hatte 2013 auch der Auftrag an die Planer gelautet. Sechs Meter seien notwendig, damit Radfahrer durchfahren können, machte Enderle das einschlägige Regelwerk RAST geltend. Bei vier Metern müssten Radler aus Sicherheitsgründen ihr Velo schieben. Als Beweis gab Enderle die Unterführung beim Bahnhof in Malsch an, in der das Durchfahren mit dem Rad mittlerweile verboten sei. Das einzige neue Argument gegenüber früheren Ausführungen bot der Radschnellweg, der möglicherweise auf der Hardt entstehen könnte. Diese Verbindung würde das Radfahreraufkommen erhöhen, war sich der BuG-Sprecher sicher.

Man führe die gleiche Diskussion wie vor sechs Jahren, stellte Christian Liebler von der DB Netze AG fest. Nach der Gemeinderatssitzung 2013 habe man die Sache abgewogen und sei zum Schluss gekommen, dass mit vier Metern die Richtlinien eingehalten würden. Er räumte allerdings ein, dass in diesem Fall empfohlen werden könnte, das Rad zu schieben.

Bernhard Neu (FWG) hielt die Auffassung der BuG für zutreffend, sein Fraktionskollege Ralf Scherer plädierte nicht nur für sechs Meter, sondern auch für eine Trennung von Fußgänger- und Radspur durch "Mittelpfeiler". Damit könnte auch die Statik des Unterführungsbauwerks aufgefangen werden, griff Scherer den Hinweis des DB-Vertreters auf, dass bei einer Breite von sechs Metern die zur Unterführung führende Rampe aus bautechnischen Gründen länger werden müsste und die Parkplätze südlich des Bahnhofgebäudes zum größten Teil wegfallen würden. In der Vier-Meter-Version sei vorgesehen, die Stellplätze nach den Bauarbeiten wieder herzustellen.

Die Meter-Debatte führte bis zur Frage von Thomas Dunz (CDU) nach "Erhebungen" über Personengefährdungen in Radwegunterführungen. Man habe eine "Risikobetrachtung" durchgeführt, entgegnete Liebler. Diese habe gezeigt, dass man "auf der sicheren Seite" sei.

Stephen Jung (CDU) kehrte die Argumentation um. Vier Meter böten eine größere Sicherheit, denn sechs Meter verleiteten zum schnellen Durchfahren. Andreas Haselbach (SPD) war gleicher Meinung. Als abschreckendes Beispiel nannte Jung die Fuß- und Ragwegunterführung am Albtalbahnhof in Karlsruhe. Das dort übliche Radlertempo sei "hochgefährlich", fügte Karin Glied (CDU) an.

Für "absolut zumutbar" hielt Jung außerdem, dass ein Fahrrad mal geschoben werden muss. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Schorpp führte als weiteren Grund für die Vier-Meter-Variante die "Ressourcenschonung" an. Schmaler bauen bedeute weniger versiegeln.

Fast am Ende der gut 90-minütigen Erörterung stellte Schorpp noch die Kostenfrage. Die Antwort lautete, dass in der Vier-Meter-Planung der kommunale Anteil laut Kostenfortschreibung bei knapp sechs Millionen Euro liege. Bei zwei Metern mehr komme auf die Gemeinde vermutlich ein "Delta" an Mehraufwand von etwa 1,2 Millionen Euro zu.

Schlussendlich mündete das Hin und Her in die mit zwölf Stimmen mehrheitliche erfolgte Billigung der vorgelegten Planung - versehen mit dem Vorbehalt, dass der Entwurf vom Regierungspräsidium als "regelkonform" akzeptiert wird. Acht Mitglieder von BuG und FWG stimmten dagegen.

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