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Ein "gestiefelter Kater" in Ghana
10.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Manuela Behrendt

Bietigheim/Ho - Seit Mitte August lebt Lucy Schindele aus Bietigheim im westafrikanischen Ghana, absolviert nach dem Abitur ihr freiwilliges soziales Jahr und unterstützt ehrenamtlich das Hilfsprojekt "House of Perspectives" (HoPe), auf das sie per Zufall stieß. Die Hauptdarstellerin aus "Der gestiefelte Kater" feierte vor dem Abflug im Juli noch Erfolge auf der Ötigheimer Freilichtbühne.

HoPe ist Lucy so sehr ans Herz gewachsen, dass sie dem Projekt jedes Wochenende widmet. Für ihre soziale Auszeit bewarb sich Lucy bei der Förderschule St. George Anglican Special School in Ho. Dort betreut sie Kinder mit unterschiedlichen Handicaps und hilft ihnen unter anderem, Probleme der täglichen Routine zu meistern. Lucy stemmt mittags die Essensverteilung. Auch Spielen und Liedersingen dürfen nicht fehlen.

"Afrika als Kontinent hat mich sehr gereizt", sagt sie zu ihrer Wahl des Lands, an dem ihr auf den ersten Blick die bunt gekleideten Menschen sowie deren großes Gottvertrauen auffielen.

Bei ihrer Ankunft in Ho, der Hauptstadt der Volta-Region im Osten Ghanas, waren an der Förderschule noch Ferien, außerdem gab es Schwierigkeiten mit Lucys Unterbringung in der angedachten Wohnung, so dass sie in dem rund 20 Kilometer entfernten Dorf Tokokoe zusammen mit ihrer Mitfreiwilligen Sarah "in einer supernetten Gastfamilie" landete.

In der Gemeinde mit 1 500 Einwohnern nahm Sarah ihre Arbeit bei der Organisation HoPe auf. Für Lucy, die man von den Volksschauspielen in Ötigheim kennt, wo sie im Juli auf der Freilichtbühne die Hauptrolle als "Der gestiefelte Kater" spielte, war Langeweile angesagt: "Also nahm ich das Angebot an, Sarah bei ihren Aufgaben zu unterstützen." Bis Lucy Anfang September an der Förderschule in Ho durchstarten konnte, "bekam ich in Tokokoe nicht nur Einblick in das HoPe-Projekt, sondern wurde auch mit dem Konzept dahinter vertraut, das ich von Anfang an toll fand", berichtet sie.

HoPe gründete sich im Februar 2018 und stärkt die Selbsthilfe. Das Büro in Tokokoe organisiert für Kinder und Erwachsene Unterrichtseinheiten von Einheimischen für Einheimische. HoPe macht es sich zum Ziel, den sehr niedrigen Bildungsstandard in ländlichen Regionen Ghanas zu verbessern. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fächer Mathematik und Englisch, die offizielle Landessprache Ghanas, aber auch die Allgemeinbildung. Denn viele haben beispielsweise keine Kenntnis davon, warum die Sonne abends untergeht, wohin sie verschwindet und wie sie morgens wieder an den Himmel zurückgelangt. Tobt ein Gewitter, vermutet man dahinter den Zorn Gottes. Seit Lucy von Montag bis Freitag an ihre eigentliche Einsatzstelle in Ho gebunden ist, steht sie in täglichem Kontakt zu Sarah, um sich über HoPe informiert zu halten.

Mithilfe an den Wochenenden

Wiederholte Wochenendbesuche bei der Gastfamilie sowie bei Sarah in Tokokoe gehören mittlerweile zu Lucys Programm. "Auch aus Ho heraus unterstütze ich Sarah in meiner Freizeit bei der Gestaltung von Flyern, Plakaten, der Pflege der HoPe-Webseite sowie Schreiben an mögliche Sponsoren." Hat Lucy mittags mal Zeit, "kommt es dann auch vor, dass ich ins Taxi springe und die 20 Minuten nach Tokokoe fahre, um Sarah zu helfen beim Unterricht für die Kinder oder beim Erstellen von aussagekräftigen Powerpoint-Präsentationen für den Abendunterricht der Erwachsenen".

Weitere Infos: https://de.houseofperspectives.org/

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