Podium zum Experimentieren

Überzeugend: Dear Misses Singing Club mit Caterina Cancellierie, Katharina-Sophie Worf, Jessica Panter-Wiedle und an der Gitarre Beatrix Kassel (von links).  Foto: Philipp

Rastatt (up) - Die "Offene Bühne" im Niederbühler Gasthaus "Engel" beim Sportplatz entwickelt sich für Musikfreunde immer mehr zum Publikumsmagneten. Bei der sechsten Auflage kamen am Freitagabend so viele Menschen, dass zeitweise die Eingangstür offen bleiben musste, damit diejenigen, die keinen Platz mehr fanden, vom Gang aus zuhören konnten. "Die Besucher- und Teilnehmerzahlen sind seit der ersten offenen Bühne im Juni des vergangenen Jahres stetig gestiegen", berichtet Organisator Helmut Frey. Seine Idee, Hobbymusikern ein E-Piano, zwei Mikrofone, einen Akustikverstärker und ein Cajon zur Verfügung zu stellen, hat sich als Volltreffer erwiesen. "Sie haben hier Gelegenheit, vor Publikum zu spielen, sich auszuprobieren" betont Frey, dem es wichtig ist, auch in Zukunft vor allem Anfängern ein Podium zu bieten.

Von "Klassik bis Heavy Metal" können Stücke präsentiert werden, erklärt er, es gebe keine Vorgaben. Dabei dürfen auch eigene Instrumente mitgebracht werden, allerdings sind pro Formation höchstens vier Songs erlaubt. Es können sich zudem Künstler versuchen, die keine Musiker sind, sondern zum Beispiel Comedians. Von ihnen waren mit Axel Rastätter und "Felix" am Freitag gleich zwei am Start.

Den Auftakt gestaltete aber Uli Weber aus Oberndorf, der Gitarre spielte und dazu sang. Sein erster öffentlicher Auftritt war ein Erfolg, Weber spielte unter anderem "One more night" von Linkin Park und wurde mit viel Applaus belohnt. Offensichtlich ein alter Hase ist der Kandier Jim McNeal, der ebenfalls Gitarre spielte und unter anderem "Take me Home Country Roads" von John Denver coverte. McNeal erwies sich als Routinier, entsprechend professionell war sein Auftritt. Genau wie der des Trios Djiutu d'An, das Weltmusik zu Gehör brachte. Ein Höhepunkt war der Auftritt von "Dear Misses Singing Club" (abgeleitet von der Redensart "Mein lieber Herr Gesangsverein") aus Bühl und Achern. Die Sängerinnen Caterina Cancellieri, Katharina-Sophie Worf, Jessica Panter-Wiedle und die Gitarristin Beatrix Kassel begeisterten. Das Quartett wird am 6. Januar in der "Ilgrande Bar" in Bühl erstmals ein Konzert geben. Wie sie wurden aber auch und vor allem diejenigen Künstler mit Applaus belohnt, bei denen offensichtlich nicht alles klappte. Vielleicht schaffte gerade die Gewissheit, Fehler machen zu dürfen, die einzigartige und positive Atmosphäre, die unter allen Anwesenden dann letztlich gute Laune verbreitet hat.

Den Abschluss des Abends gestalteten die Profimusiker Mike Frank mit seiner Frau Christin Kieu und Tochter Saba. Christin Kieu war neben zahlreichen weiteren Erfolgen einmal Gewinnerin des Wettbewerbs Jugend musiziert, und zwar auf der Blockflöte. Von ihrem Talent hat auch Ian Anderson von der Kultband "Jethro Tull" erfahren, mit dem sie inzwischen schon den legendären Song "Locomotive Breath" in der Blockflötenversion gespielt hat.

Mit Ehemann Mike Frank, der als einer der besten Gitarristen und Reggaesänger in Deutschland gilt, präsentierte Christin Kieu unter anderem den selbst komponierten Song "Big Star".

Auch Tochter Saba hatte mit einem tollen Piano-Solo ihren Auftritt, bevor alle drei zum krönenden Abschluss Andreas Bouranis: "Auf uns" darboten.

zurück
1