Erdbestattungen immer weniger gefragt

Stadtfriedhof Rastatt: Gärtnerbetreute Grabstätten werden seit 2010 angeboten.  Foto: Mauderer

Rastatt (ema) - Gerade erst hat der Rastatter Gemeinderat die Friedhofssatzung aktualisiert, um auf neue Entwicklungen einzugehen (wir berichteten). Wenige Tage zuvor hatten sich rund 70 Vertreter von Friedhofsverwaltungen aus ganz Deutschland in Rastatt getroffen. Sie erörterten auf Einladung der Gartenakademie Baden-Württemberg, wie man auf den gesellschaftlichen Wandel in der Trauer- und Friedhofskultur reagieren kann. Fragen und Antworten unter Einbeziehung der Situation in Rastatt:

Bei der Tagung wurde über alternative Bestattungsformen diskutiert, etwa Baumbestattung, Grabgemeinschaft von Vereinen und Gruppen oder anonyme Bestattungen. Wie sehen die Angebote in Rastatt aus, wird über Neuerungen nachgedacht?

Seit dem Jahr 2010 können auf den Friedhöfen der Stadt Rastatt Beisetzungen in sogenannten gärtnerbetreuten Grabfeldern vorgenommen werden. Es handelt sich um Grabstätten in einer parkähnlichen Anlage, die dauerhaft von einem Gärtner gepflegt werden. Die ersten gärtnerbetreuten Anlagen entstanden auf dem Wald- und Stadtfriedhof. Da diese Anlagen einen großen Zuspruch erhielten, wurden zwischen 2012 und 2014 auch auf den Stadtteilfriedhöfen "gärtnerbetreute Grabfelder" eingerichtet. Dort werden Urnenreihengräber, Urnenwahlgräber und Erdreihengräber zur Beisetzung zur Verfügung gestellt. Die Grabgebühren sind identisch mit den Grabgebühren, die die Stadt Rastatt für Grabstätten erhebt, die von den Angehörigen selbst gepflegt werden.

Hinzu kommen dann noch die Kosten für den Pflegevertrag, der über die Gesamtlaufzeit (in der Regel 20 Jahre) abgeschlossen wird.

Als Alternative zur selbst zu pflegenden Grabstätte bietet die Stadt Rastatt bereits seit Jahrzehnten auf dem Wald- und Stadtfriedhof anonyme Grabstätten zur Erd- und Feuerbestattung an. Diese Art der Bestattung entbindet die Angehörigen zwar von der Pflege der Grabstätte, einen konkreten Ort zum Trauern finden die Hinterbliebenen jedoch nicht, da der Bestattungsplatz von der Friedhofsverwaltung nicht bekanntgegeben werden kann.

"Weiteren alternativen Bestattungsformen stehen wir offen gegenüber", sagt Tanja Poschadel, Leiterin des Kundenbereichs Friedhöfe. Allerdings müssten Einwohner Wünsche äußern. Deren Umsetzung würde die Verwaltung prüfen und zur Genehmigung an die Gremien weiterleiten.

Es gibt Städte, in denen Friedhöfe belebt werden, etwa über Aktionen des Naturschutzbunds, kulturelle Veranstaltungen, Gräberbesichtigungen, ohne die Pietät zu verletzen. Warum ist man in Rastatt hier zurückhaltend?

Kundenbereichsleiterin Tanja Poschadel widerspricht dem Eindruck und verweist auf zahlreiche Veranstaltungen. Auf den Friedhöfen der Stadt Rastatt finden mehrmals im Jahr kirchliche Veranstaltungen und Gedenkfeiern statt. Hierzu gehören zum Beispiel die Gottesdienste an Allerheiligen auf dem Wald- und Stadtfriedhof und die Gedenkfeier am Volkstrauertag auf dem Stadtfriedhof. An Allerheiligen spielt auf dem Waldfriedhof und an Heiligabend auf dem Stadtfriedhof eine Blaskapelle auf. Besucher werden hier zur Teilnahme eingeladen.

Schülergruppen, die oftmals im Religionsunterricht zum ersten Mal mit dem Thema Tod konfrontiert werden, führen die städtischen Mitarbeiter in Begleitung der Lehrkräfte in kleinen Gruppen über die Friedhöfe. Zudem bietet die Touristinformation der Stadt regelmäßig für Besucher und Einheimische Führungen auf diversen Rastatter Friedhöfen an.

Für weitere kulturelle Veranstaltungen gab es bisher keine Anfragen.

Die Fachtagung in Rastatt thematisierte auch zunehmende Überhangflächen auf Friedhöfen, weil es weniger Sterbefälle gibt und Angehörige Alternativen außerhalb der Friedhöfe wählen. Wie sieht die Entwicklung in Rastatt aus?

Laut Statistik gab es im Jahr 2014 insgesamt 418 Bestattungen in Rastatt, im Jahr darauf 558 und im vergangenen Jahr 480. In diesem Jahr rechnet die Verwaltung wieder mit einem Anstieg. In Rastatt wird daher kein Rückgang bei den Beisetzungen festgestellt. Klar erkennbar sei jedoch, dass die Zahl der Feuerbestattungen stetig zunimmt, sagt Kundenbereichsleiterin Poschadel - zuletzt mit einem Anteil von 65 Prozent. Die gärtnerbetreuten Grabstätten, die seit 2010 auf den Rastatter Friedhöfen angeboten werden, spiegeln den Wandel in der Friedhofskultur bereits wieder. Insgesamt 80 Prozent der dort zur Verfügung stehenden Grabstätten sind für Urnenbeisetzungen in Urnenwahl- und Urnenreihengrabstätten vorgesehen. Nur 20 Prozent der Grabstätten stehen für Erdbestattungen bereit.

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