Abschied mit schwerem Herzen

Im Dezember hat Dirigentin Nùria Cunillera zum letzten Mal eine Probe und einen Auftritt des MGV 'Rheinlust' geleitet. Foto: H. Heck

Von Helmut Heck

Elchesheim-Illingen - Für den MGV "Rheinlust" ging mit dem Jahreswechsel eine Zäsur einher. Dirigentin Nùria Cunillera hat ihr Amt aus beruflichen Gründen aufgeben müssen. Den letzten Auftritt mit der aus Katalonien stammenden Musikerin hat der Männerchor Mitte Dezember bei der Senioren-Adventsfeier der Gemeinde absolviert. Cunillera hatte an der Musikhochschule in Karlsruhe einen Lehrauftrag für Musiktheorie und leitete als Dirigentin bisher fünf Chöre in der Region.

Im neuen Jahr tritt sie an der Landesakademie für die musizierende Jugend in Ochsenhausen eine Stelle als Dozentin für Vokalmusik an und wird in der Fortbildung von Dirigentennachwuchs tätig sein. Elf Jahre hat sie bei der "Rheinlust" den Taktstock geführt. Es war ihr erster und einziger Männerchor. Bei den Sängern in Elchesheim-Illingen habe sie für diese Sparte deutscher Liedtradition "eine Leidenschaft entwickelt", ließ Cunillera bei einem kurzen Pressegespräch vor dem letzten Auftritt eine besondere Beziehung zum MGV erkennen.

Dass die innige Verbindung über die Chorarbeit reichte, liegt an der Pflege der Geselligkeit, zu der es gehörte, regelmäßig ein "Heimspiel" auszutragen. So wird im Verein eine Gepflogenheit betitelt, die einmal im Monat an die Singstunde anschließt. Man sitzt bei einem selbst zubereiteten Essen zusammen und trägt nebenher ein Tischkickerturnier aus. Die Sängerschar der "Rheinlust" sei eine "besondere Gruppe", ließ Cunillera vor dem Abschied eine Prise Wehmut aufscheinen.

Die Dirigentin hat dem Chor Auftrieb verliehen. Die musikalische Entwicklung habe sich unter Cunillera "sehr gut gestaltet", war schon vor zwei Jahren in einer Jahreshauptversammlung festgestellt worden. Auch habe man in ihrer Zeit neue Sänger gewinnen können, durch die sich die stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten auf eine Weise verändert hätten, die man kaum für vorstellbar gehalten habe. Es hat also fachliche und menschliche Gründe, dass man die Chorchefin nur schweren Herzens ziehen lässt, wenngleich man sich mit ihr über die berufliche Karriere freut.

Martin Ebel, der seit der jüngsten Jahreshauptversammlung mit Joachim Ritter den Vereinsvorsitz führt, blickt mit Dankbarkeit zurück. Die elfjährige Zusammenarbeit sei "super gewesen", man habe sich sehr gut verstanden. Cunillera sei nach ihrem Studium direkt von der Universität zu dem Illingen Verein gekommen. Man war sich auf Anhieb sympathisch, wie der Vorsitzende zu verstehen gibt: "Ihre Art hat uns gefallen."

Die Suche nach einer Nachfolge sei in Gang, berichtete er wenige Tage vor dem Jahreswechsel auf Anfrage unserer Zeitung. Drei Kandidaten seien für die kommenden Wochen zum Probedirigieren eingeladen, weitere Interessenten willkommen. "Selbstverständlich", antwortete Ebel auf die Frage, ob wieder eine Frau infrage käme. Den Chor beschreibt er als "dynamisch, flexibel und offen". So sei man durchaus darauf eingestellt, unter einer neuen Chorregie auch "neue Ansätze" zu finden. Man wünsche sich von der musikalischen Führungskraft "eigene Vorstellungen", wie sich der Chor weiterentwickeln solle.

Großen Wert lege man aber darauf, "a capella" zu singen, ohne Unterstützung am Klavier. "Wir sind kein Begleitchor", betont Ebel. Das Repertoire reiche bislang von alten Klassikern bis zu neuen Stücken. Auch zum Singen in fremden Sprachen zeigte sich die "Rheinlust" schon in der Vergangenheit aufgeschlossen. Nicht unbedingt Englisch, gibt Ebel zu verstehen, eher alte Sprachen Latein oder Italienisch, "das liegt uns".

Bis der Taktstock in neuen Händen ist, werden die Singstunden von zwei Vizedirigenten aus der Sängerriege geleitet. Der Chor will in Übung bleibe, denn wie der Vorsitzende mitteilte, würden die Sänger im Laufe des neuen Jahres gerne ein Konzert auf die Beine stellen.

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