Verkehrslärm schluckt Werksbetrieb

In der Nähe des Umspannwerks Kuppenheim soll das neue zentrale Umrichterwerk für die Bahnstromversorgung in der Region entstehen. Foto: av (fuv)

Rastatt (dm) - Dem Bau eines zentralen Umrichterwerks zur regionalen Bahnstromversorgung bei Rauental steht nichts mehr im Weg, nachdem die Bahn eine Planung vorgelegt hat, die keinen zusätzlichen Lärm für den Ortsteil erwarten lässt. Mit der Stadt Rastatt ist eine entsprechende Vereinbarung getroffen worden. In diesem Zuge hat auch der Regionalverband Mittlerer Oberrhein seine Bedenken für ausgeräumt erklärt.

Dies geht aus dem inzwischen vorliegenden Planfeststellungsbeschluss für das Werk hervor. Demnach werde dessen Lärm-Immission von der ohnehin bereits bestehenden Geräuschkulisse rund um Rauental "geschluckt".

Die Ausschreibungsphase für den Bau läuft bereits. Geplant wird mit einem Baubeginn im Juli 2019; zwei Jahre später soll das neue Umrichterwerk dann in Betrieb genommen werden. Es soll zentral die Bahnstromversorgung in der Region gewährleisten, unter anderem für die Strecke Karlsruhe - Basel, und ist entsprechend dimensioniert. 28 Millionen Euro sind für die Errichtung der Anlage veranschlagt. Bisher läuft die Versorgung über Karlsruhe, doch das dortige Werk hat nach mehr als 40 Jahren seine Verschleißgrenze erreicht.

Demzufolge war auch nie der Neubau selbst, sondern lediglich der Standort umstritten; schließlich ist Rauental durch die A5 im Westen, die B462 im Norden sowie die Stromleitungen im Osten vorbelastet - und künftig auch durch das Umrichterwerk neben dem bereits bestehenden Umspannwerk Kuppenheim im Süden. Gerade in diese Richtung aber soll sich der Ortsteil in Bälde ausdehnen (Neubaugebiet Vogelsand).

Nachdem klar war, dass der anfängliche Widerstand gegen den Standort aussichtslos wäre - zwei Alternativen in Karlsruhe und Appenweier wurden von der Bahn aus technischen und wirtschaftlichen Gründen verworfen -, hieß die Marschroute: Die Auswirkungen auf den Stadtteil minimieren. Damit fand man offensichtlich Gehör. Die DB Energie hat zugesichert, die Immissionsrichtwerte auch für das künftige Neubaugebiet einzuhalten, wie die städtische Pressestelle auf Nachfrage des BT mitteilte. Und: Die DB Energie habe sich verpflichtet, die Werksteile, die Lärm verursachen - vor allem die Transformatoren - wie gefordert einzuhausen.

Wie aus den Unterlagen hervorgeht, wurde im Zuge der städtischen Einwände ein zweites Schallgutachten unter Berücksichtigung der Gesamtbelastung Rauentals erstellt, inklusive Daimler-Presswerk und Gewerbegebiet Stockfeld. Doch auch dieses kommt zum Ergebnis, dass "die für allgemeine Wohngebiete gültigen Immissionsrichtwerte nicht überschritten werden", wie es im Planfeststellungsbeschluss heißt. Bei Ortsterminen wurden auch Messungen durchgeführt. Die Zusatzbelastung durch das Werk sei als "nicht relevant" einzustufen, vermutlich werde es vom Verkehrslärm "vollständig überlagert", so das Ergebnis. Die zugesagte Einhausung sorge als aktive Schutzmaßnahme für weitere Abschirmung.

Innerhalb der ersten sechs Monate nach Inbetriebnahme des Umrichterwerks muss per Messung nachgewiesen werden, dass die Werte eingehalten werden.

Ein weiterer Wunsch aus Rastatter Reihen in diesem Zuge: Dem Ortsteil im Osten mehr Luft zur Entwicklung zu verschaffen. Wie berichtet, steht dort die Verlegung und Bündelung der drei Stromleitungen unterschiedlicher Energieversorger an. Die DB Energie, die eine der Leitungen betreibt, möge sich dafür einsetzen, dass die Stromtrassen weiter weg vom Ort verlaufen als zunächst geplant, hieß es. Im vergangenen Sommer erreichte man einen Konsens, wonach sich der Abstand zur Wohnbebauung in etwa verdoppeln soll (wir berichteten) - falls man die für den Mastbau benötigten Grundstücke erhält.

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