Motten, Fliegen, Kakerlaken und Co.

Lebensmittelmotten, hier an einer Falle klebend, sind nur eine mögliche Schädlingsart, auf die die Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachung stoßen können. Foto: dpa

Rastatt (red) - In der privaten Küche zu Hause kann man sich wohl nichts Schlimmeres vorstellen als Schädlinge, die Lebensmittel befallen. Egal, ob Motten, Fliegen, Kakerlaken, Ameisen, kleine Mehlkäfer oder sogar Nager. Auch bei Lebensmittelunternehmen spielt das Thema der Schädlingsvorbeugung eine große Rolle. Das Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung im Landratsamt Rastatt kontrolliert routinemäßig die Betriebe.

Auch wenn kein Befall vorliegt, sind Lebensmittelunternehmer verpflichtet, ein Konzept gegen Schädlinge zu erarbeiten. In Form eines Monitorings überprüfen die Betriebe regelmäßig ihr Vorgehen, um im Fall eines Falles sofort Bekämpfungsmaßnahmen einleiten zu können, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Landratsamts. Dies bedeutet zum Beispiel, dass Nagerköder regelmäßig kontrolliert werden, so dass ein Köder bei Fraßspuren ausgetauscht werden kann.

Ein wichtiger Bestandteil des Monitorings ist eine Gefahrenanalyse. Nur wer weiß, welche potenziellen Schädlinge für seinen Betrieb eine Gefahr darstellen, kann effiziente vorbeugende Maßnahmen einrichten.

Schädlinge können etwa leicht durch geöffnete oder undichte Fenster und Türen in den Betrieb gelangen. Dabei gilt die Regel, wo ein Kugelschreiber durchpasst, gelangt auch eine Maus durch. Wo zwei Kugelschreiber durchpassen, kommt eine Ratte durch. Ritzen und Löcher in der Bausubstanz oder geöffnete Kabelschächte können ebenfalls einen Schädlingsbefall, zum Beispiel durch Kakerlaken, begünstigen.

Bereits das Schließen von Türen und Fenstern und das Anbringen von Fliegengittern kann eine einfache, aber wirkungsvolle Vorbeugung sein. Aufwendiger ist es, wenn bauliche Maßnahmen erforderlich sind, wie ein Verschluss von Öffnungen und Spalten. Wichtig ist es auch, die eingehende Ware auf einen möglichen sichtbaren Schädlingsbefall zu kontrollieren. Hunde und Katzen als lebendes Schädlingsbekämpfungskonzept sind nicht zulässig, da sie nicht in die Betriebsräume dürfen. Die Lebensmittelbetriebe können ihre Schädlingsüberwachung entweder selbst oder durch ein spezialisiertes Unternehmen durchführen lassen. Insbesondere bei einem Befall ist es erforderlich, einen Schädlingsbekämpfer aufgrund seines Spezialwissens heranzuziehen. Da der Unternehmer in jedem Fall für die Einhaltung der Lebensmittelhygiene und -sicherheit verantwortlich bleibt, sollte er sich sehr intensiv mit den Feststellungen und Empfehlungen des Spezialisten auseinandersetzen, so das Landratsamt.

Neben einer Überprüfung der Räume und der Lebensmittel sichtet das Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung auch die Dokumentationen der Betriebe. Innerhalb der Betriebsräume wird darauf geachtet, ob vorbeugende Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen getroffen worden sind. Auch muss die Ware mit einem Abstand zur Wand gelagert werden, um einen möglichen Schädlingsbefall schnell erkennen zu können. Außerhalb des Gebäudes ist etwa relevant, ob Versteckmöglichkeiten für Nager in Gras und Gebüsch direkt am Betriebsgebäude vorhanden sind. Die Lagerung von Abfällen muss strukturiert und hygienisch erfolgen, damit diese kein Ungeziefer anlocken.

Bei der Kontrolle der Dokumentation wird abgeglichen, ob im Plan eingezeichnete Fallen oder Köder tatsächlich vorhanden sind. Auch ist erkennbar, ob Fallen und Köder regelmäßig überprüft werden, ob ein Befall festgestellt und erforderliche Maßnahmen eingeleitet wurden.

Werden bei den Kontrollen durch die Lebensmittelüberwachung gravierende Mängel festgestellt, müssen diese sehr schnell abgestellt werden. Gravierende Mängel sind die Feststellung eines offensichtlichen Befalls von Räumen oder Lebensmitteln mit Schädlingen. Erkennbar ist so etwas beispielsweise an Fraß- und Laufspuren, Kot von Nagern, an einem Befall von Räumen mit Fliegen oder Mehl, in dem sich Käfer befinden. Abhängig vom Befund sind betroffene Lebensmittel unverzüglich zu entsorgen, entsprechende Maßnahmen oder bauliche Änderungen einzuleiten, die Herstellung und der Verkauf von Lebensmitteln zu unterlassen und Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen durchzuführen. Erst nach einer Herstellung von hygienischen Verhältnissen kann der Betrieb wieder aufgenommen werden.

In den allermeisten Betrieben gibt es keine oder nur kleinere Mängel bei der Schädlingsbekämpfung. Gravierende Mängel sind äußerst selten, so das Landratsamt. Im Vorjahr wurde nur in einem Betrieb ein schwerwiegender Verstoß vorgefunden. In einer Bäckerei befand sich Mehl mit Mehlkäfern und Motten. Im laufenden Jahr wurden bereits in drei Betrieben, zwei Gaststätten und einem Supermarkt, schwere Kontrollverluste bei der Schädlingsbekämpfung festgestellt. Alle drei Betriebe mussten aufgrund eines Nagerbefalls kurzzeitig schließen.

zurück
1