Frage nach Route für Schnellradweg vertagt

Kilometerlang parken Autos, deren Türen sich unvermittelt öffnen können, entlang der Hauptstraße. Der Regionalverband schlägt sie als Schnellweg für Radler vor.  Foto: H. Heck

Von Helmut Heck

Durmersheim - Vis-á-vis vom Südeingang des Hauptbahnhofs in Karlsruhe, dort wo die Fernbusse abfahren, beginnt ein Fahrradweg. Man fährt über eine Brücke, ungefähr 500 Meter auf einer ruhigen Straße am Stadtrand entlang, überquert ein kaum frequentiertes Bahngleis, und schon ist man, fünf Minuten nach dem Start, im Hardtwald. In Durmersheim kommt man wieder heraus. Diese Strecke ist nur eine von einem halben Dutzend, auf denen man ziemlich einfach zwischen Durmersheim und Karlsruhe hin und her radeln kann. Bis auf den Parallelweg zur B 36 ziehen sich alle durch Feld oder Wald. Was fehlt, sind durchgehende, verlässliche Wegweiser.

Stattdessen geben das Land und seine Behörden Geld aus, um reihenweise Fahrradsymbole mit dem Schriftzug "Radnetz" auf dem Asphalt zu markieren, auch in Straßen, die nicht mal eine Radspur haben. In Durmersheim auf der Hauptstraße ist das zu besichtigen. Auch überflüssige und irreführende Beschilderungen lässt man sich einiges kosten.

Allein auf der Gemarkung Durmersheim gibt es mehrere hanebüchene Beispiele, über die wir teilweise schon berichtet haben. Nun aber hat der grüne Landesverkehrsminister das "Fahrradland Baden-Württemberg" ausgerufen, eine eigenwillig geschriebene "Rad-Strategie" in Gang gesetzt. Als Ziel wurde die Ausweisung von zehn "Radschnellwegverbindungen" verkündet. Bis 2025 sollen sie realisiert sein.

Dafür wurde für den Bezirk Mittlerer Oberrhein durch den Regionalverband bei einem Hochschulinstitut im hessischen Darmstadt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. 80 Prozent der Kosten zahlt das Land, den Rest sollen offenbar Städte und Gemeinden blechen.

Am Mittwoch landete das Thema im Gemeinderat von Durmersheim. Die Verwaltung informierte über zwei Trassenlinien, die für den Durmersheimer Abschnitt eines Schnellwegs zwischen Karlsruhe, Rastatt und Bühl in der Studie vorgeschlagen werden.

Beide beinhalteten Straßen, die gerade erst umgestaltet, verschmälert, für Radfahrer deshalb unbequemer wurden: die Helmholtzstraße (in Kombination mit Rosen- und Werderstraße) und die Hauptstraße. Michael Venezianis (CDU) Urteil war schnell gefällt: Beide Routen seien für Radfahrer "nicht sicher". Als "paradiesische Alternative" empfahl er den im Zuge der Flurbereinigung entstandenen asphaltierten Wirtschaftsweg. Auf dieser Piste gelangt man, obgleich sie ein paar Haken schlägt, spielend einfach bis Ötigheim, von dort genauso flüssig nach Rastatt.

Rennradfahrer Andreas Stempfle (BuG) gab der Hauptstraße den Vorzug. Josef Tritsch (SPD) fand die innerörtlichen Strecken "günstiger", zweifelte ihre Eignung als "Schnellweg" aber an, weil ständig auf "Rechts-vor-links" geachtet werden müsse. Christa Schulz (BuG) fiel eine Problemstelle am südlichen Ende der Werderstraße auf. Laut Studie sollen Radfahrer dort nach Westen an die mit einer Ampel bestückten verkehrsreichen Kreuzung von Malscher und Speyerer Straße und weiter auf die Rastatter Straße gelenkt werden.

Abgesehen von dem extremen Hochbord, der an der Ecke Werderstraße beseitigt werden müsste, gibt es seit dem Bau der Bahnunterführung eine ausgesprochen elegante Radweglösung: über die Brücke zur Yburgstraße und problemlos weiter.

Offene Fragen sah Rolf Enderle beim Übergang von der Helmholtz- zur Rosenstraße, da in der Triftstraße eine Bahnunterführung geplant sei. Enderle und Wolfgang Klett (CDU) schlugen als Radlertrasse den Begleitweg der künftigen Schnellbahnstrecke vor, wo derzeit ohnehin schon Teilstücke asphaltiert würden. Die Unterbrechung des Wegs beim Kieswerk werde beseitigt, bestätigte Bürgermeister Andreas Augustin.

Andreas Badior (SPD) sympathisierte mit der Idee Venezianis. Von den bisherigen Aktivitäten der Verkehrspolitik wie den Radnetz-Emblemen oder Wegweisern, die niemandem nützten, hielt er nichts, es sei "lächerlich", man komme sich "verschaukelt" vor. Die Diskussion endete wie eine Radtour mit Plattfuß. Das Thema wurde zur Seite geschoben. Die Fraktionen vereinbarten einen gemeinsamen Erkundungstrupp, der sich - natürlich mit dem Fahrrad - auf die Suche nach dem Schnellwegideal begeben soll.

Bürgermeister Augustin hielt sich im Meinungs- und Erfahrungsaustausch vornehm zurück, freimütig einen Kompetenzmangel gestehend: "Ich bin kein Radfahrer.".

zurück
1