Lebenshilfe baut Wohnhaus in Ötigheim

Lebenshilfe baut Wohnhaus in Ötigheim

Ötigheim (yd) - Am Rande wurde das Projekt, das die Lebenshilfe Rastatt/Murgtal in Ötigheim plant, schon öfter erwähnt, sei es in Gemeinderatssitzungen oder bei öffentlichen Terminen. Inzwischen sind die Planungen dafür so weit gediehen, dass sie dem Gemeinderat gestern Abend vorgestellt und die Unterlagen für die Genehmigung des Bauvorhabens eingereicht werden konnten: In der Industriestraße 36/1 entsteht für insgesamt rund 1,6 Millionen Euro ein Gebäude für ambulant betreutes Wohnen.

Insgesamt 14 Plätze für Menschen mit Behinderungen gibt es in dem neuen Haus. Im Erdgeschoss entstehen zwei Wohngemeinschaften mit je drei Plätzen, im ersten und im zweiten Obergeschoss werden je vier 47,1 Quadratmeter große Einzelwohnungen untergebracht. Die Gesamtwohnfläche beträgt rund 580 Quadratmeter. "Wir freuen uns sehr, unser Angebot auf der Hardt zu erweitern. Bisher sind wir dort nämlich noch nicht vertreten", sagte Hasso Schmidt-Schmiedebach, Geschäftsführer der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal, gestern im BT-Gespräch. Man habe vor, in Ötigheim bevorzugt Bewohner unterzubringen, die aus den Hardtgemeinden stammen - das Interesse an den Plätzen sei jetzt schon groß.

"Oft gibt es in den Gemeinden, in denen wir unsere Wohngruppen ansiedeln, vorher Bedenken", sagt Schmidt-Schmiedebach und bemüht sich, diese bereits im Vorfeld zu zerstreuen. "Die Bewohner leben in Ötigheim zwar ohne ständige Betreuung vor Ort (diese kommt nur einmal in der Woche oder alle 14 Tage vorbei), es wird aber niemand in das Haus einziehen, der nicht in der Lage ist, allein zurechtzukommen", betont der Lebenshilfe-Vorsitzende. Die Konzeption sei nicht für Menschen mit einer primär psychischen Erkrankung, mit gravierender Drogenproblematik oder mit einer Neigung zur anhaltenden Selbst- oder Fremdgefährdung ausgerichtet. Jeder der zukünftigen Mieter erhalte zuvor ein bis zu einjähriges Wohn-Training, das ihn auf die Selbstständigkeit vorbereite. Den Haushalt müssen die Menschen mit Behinderungen, die zwischen Mitte 20 und 60 Jahre alt sein werden, selbst stemmen. "Sie müssen sich selbst organisieren und auch wissen, was zu tun ist, wenn es etwa einen Notfall gibt." Eine medizinische Versorgung im Haus gibt es nicht.

Die Lage des Gebäudes sei für dieses Vorhaben perfekt. Es liegt in der Industriestraße 36, direkt neben der Tagespflege-Einrichtung, die die Firma SPPS derzeit baut (wir berichteten). Der Hauseingang des ambulant betreuten Wohnprojekts soll zur K 3718 hin liegen - und damit ganz nah an Pflegeheim, Einkaufsmöglichkeiten und Bahnhof. "Gerade das ist wichtig für unsere Bewohner", betont Schmidt-Schmiedebach. "Sie müssen mit Bus und Bahn zu ihren Arbeitsplätzen in den Murgtal-Werkstätten gelangen können. Und natürlich sollten auch Supermärkte oder Ärzte gut erreichbar sein." Das Areal in der Industriestraße hat die Stiftung Lebenshilfe Rastatt/Murgtal von der Gemeinde Ötigheim gekauft. "Wir haben uns auch in anderen Gemeinden umgehört, allerdings wurden uns dort Grundstücke zu Preisen angeboten, die wir nicht bezahlen konnten oder die Anbindung war nicht so geschickt", sagt der Vorsitzende, der die gute Kooperation mit der Gemeinde Ötigheim lobt. Die Stiftung wiederum vermietet das Haus dann an die Murgtalwerkstätten und -wohngemeinschaften. Sobald die Baugenehmigung da sei, wolle man loslegen. Wenn alles gut laufe, könnte das Gebäude bereits Ende 2019 bezogen werden.

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