Kontroverse Diskussion um "Minihaus" auf Garage

Kontroverse Diskussion um 'Minihaus' auf Garage

Elchesheim-Illingen (HH) - Schon an der ungeübten Aussprache des Trendbegriffs "Tiny House" war zu hören, dass er für Bürgermeister und Gemeinderäte Neuland war. Die Bezeichnung sei ihm unbekannt gewesen, gestand Ortsoberhaupt Rolf Spiegelhalder ein. Wörtlich übersetzt ist ein "kleines", "winziges" oder wie es in der Vorlage für die Ratssitzung am Montag hieß, "Minihaus", gemeint. Ein solches will sich eine junge Familie in der Goethestraße zulegen. Es soll auf die extrabreite Garage neben dem normalgroßen Wohnhaus gestellt werden. Das Vorhaben war in Form einer Bauvoranfrage eingereicht worden.

Die Verwaltung hatte in den Bebauungsplan des betreffenden Gebiets geschaut und festgestellt, dass Garagen 2,50 Meter hoch sein dürfen. "Aus diesem Grund", so das Fazit, sei das Gesuch abzulehnen. Diese Beurteilung werde vom Landrats amt geteilt, merkte Bürgermeister Rolf Spiegelhalder an. Zu bedenken sei auch, dass sich alle anderen Hausbesitzer in dem Gebiet an den aus dem Jahr 1982 stammenden Bebauungsplan gehalten hätten.

Es entwickelte sich eine eifrige Diskussion mit eindeutiger Richtung: Die Bauvorschriften ließen es zwar nicht zu, aber warum sollte etwas Neues nicht ausprobiert werden dürfen; Veränderungen des Geschmacks sollte man sich nicht verschließen; die Zeiten wandelten sich eben; Kreativität sei gut, das Winzighaus eine "tolle Idee". Der Grenzabstand zum Nachbarn von drei Metern sei ja eingehalten. Würde der Bauherr auf ähnliche Weise wie vorgesehen, einfach das Wohnhaus erweitern, würde es wohl gestattet.

Tatsächlich ist auf einem Nachbargrundstück des Tiny-House-Anwesens als Beispiel für diese Annahme eine überbaute Garage zu sehen. Den vielen Pro-Stimmen wurde mehrfach ein warnendes "aber" angehängt. Würde man das geplante Winzighaus zulassen, müsste man künftige auch erlauben. Einmal ja, heiße immer ja.

Rechnungsamtsleiter Klaus Weisbrod meldete sich mit der "eindeutigen" Feststellung zu Wort, dass das "Tiny House" mit dem bestehenden Bebauungsplan "nicht machbar" sei. Das Landratsamt könne nicht anders, als abzulehnen. Weisbrod wies aber auch auf eine aktuelle Änderung des noch ziemlich neuen Bebauungsplans für das Neubaugebiet "Kleine Allmendteiler" hin. Das klang wie ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Die Planungshoheit liege immer bei der Kommune, verdeutlichte der Kämmerer die Möglichkeiten. Im Gemeinderat setzte sich die Überzeugung durch, die Voranfrage zurückzustellen, da die Angelegenheit "unbedingt noch mal beraten" werden müsse.

So kam es. Die Sache wurde vertagt. Bürgermeister Spiegelhalder will fürs nächste Mal "eine klare Aussage" des Landratsamts einholen.

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