Benz-Elektro-Lkw gegen Oberleitungsprojekt

Benz-Elektro-Lkw gegen Oberleitungsprojekt

Rastatt/Ötigheim (red) - Mit der Übergabe eines vollelektrischen Lkw von Mercedes-Benz an das Logistikunternehmen Schmitt ist gestern ein mehrjähriger Praxistest in Rastatt, Murgtal und Umgebung gestartet. Die Autobauer wollen damit zeigen, dass schwerer Verteilerverkehr "schon heute lokal emissionsfrei und leise" möglich ist. Logistik Schmitt setzt den eActros ab dem Frühjahr anstelle eines konventionellen Diesel-Lkw beim Transport von Getriebegehäusen ein. Der batterieelektrisch angetriebene Lkw verkehrt dabei im Dreischicht-Betrieb zwischen dem Lager von Schmitt in Ötigheim und dem rund sieben Kilometer entfernten Werksteil Rastatt des Mercedes-Benz Werks Gaggenau. Die Tagesstrecke des 25-Tonners beträgt laut Mitteilung von Daimler insgesamt rund 168 Kilometer.

Rainer Schmitt, geschäftsführender Gesellschafter von Logistik Schmitt, sieht die Pendelroute von Ötigheim nach Rastatt für dieses Vorhaben als "ideal geeignet". Der eActros transportiere insgesamt bis zu zwölf Tonnen Gewicht und fahre täglich zwölf Touren. Die Batterien des Lkw werden auch während des Be- und Entladens des Fahrzeugs aufgeladen. Die Gesamtreichweite betrage bis zu 200 Kilometer. Zunächst erfolgt das Laden über eine mobile Ladestation.

Wie Daimler weiter ankündigt, werden in einem nächsten Schritt Vergleichstests mit dem Oberleitungs-Projekt eWayBW durchgeführt, das ab dem Jahr 2020 auf der B 462 ansteht, wenn die entsprechende Strecke elektrifiziert worden ist. In dieser zweiten Phase wird Logistik Schmitt mit der eActros-Sattelzugmaschine ebenfalls von Ötigheim aus dann das gut 14 Kilometer entfernte Mercedes-Benz-Werk Gaggenau mit Achskomponenten beliefern - hauptsächlich über die B 462. Die etwa ein Jahr andauernde Parallelfahrt von eActros und Oberleitungs-Lkw soll wichtige Daten und Erkenntnisse für den Vergleich beider Konzepte bringen, beispielsweise zur Einsatzeignung der Fahrzeuge, heißt es in der Mitteilung.

In der dritten Projektphase soll es dann zum Direktvergleich kommen: Exakt auf der Oberleitungs-Strecke soll der eActros - genau wie die Lkw des Oberleitungs-Projekts - Papierrollen auf der rund 18 Kilometer langen Strecke von den Papiermühlen in Gernsbach-Obertsrot zum Logistik-Standort der Firma Fahrner in Kuppenheim transportieren. Als neutraler Aufsatzpunkt für den Konzeptvergleich werde ein konventioneller Diesel-Actros nach Abgasnorm Euro VI mit Messtechnik ausgestattet und auf der Oberleitungs-Strecke fahren, wie es in der Daimler-Mitteilung heißt. Auf diese Weise werde der Energieverbrauch der Elektro-Lkw - batterieelektrisch und Oberleitung - mit dem Verbrauch eines Dieseltrucks verglichen.

Einen Oberleitungs-Lkw plant Daimler derweil nicht. Man arbeite "als globaler Hersteller an Zukunftslösungen, die weltweit eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Umsetzung haben". Diese sieht das Unternehmen im Augenblick bei der Oberleitung aufgrund ihrer hohen Infrastrukturkosten nicht. Diese muss erst noch errichtet werden. Der eActros indes sei bereits seit Juni 2018 auf öffentlichen Straßen unterwegs und habe bereits über 30 000 Kilometer zurückgelegt, wie Stefan Buchner, Leiter Mercedes-Benz Trucks, betont.

zurück
1