Teure Überraschung

Teure Überraschung

Bietigheim (as) - Es begann ganz harmlos mit der regelmäßigen Inspektion der Glocken und endet mit einer ungeplanten Millionen-Baumaßnahme: Die Turmkonstruktion der Bietigheimer Pfarrkirche Heilig Kreuz muss dringend saniert werden, erläutert Architekt Andreas Fritz.

Die Glocken sind schon seit längerer Zeit verstummt - "deren Schwingungen würden die marode Holzkonstruktion nur weiter belasten", erklärt Pfarrer Klaus Dörner. Der Glockenturm ist eingerüstet und wird über eine aufwendige Gerüstkonstruktion mithilfe von Verspannungen in seiner Lage gesichert, erläutert der Architekt weiter. Man habe sofort reagieren müssen, denn nebenan befinden sich Kindergarten und Grundschule - nicht auszudenken, wenn da etwas passiert wäre.

1863 wurde die katholische Kirche nach Plänen von Heinrich Hübsch erbaut. Die Turmkonstruktion stammt noch aus dieser Zeit. Nun haben Experten erhebliche Mängel festgestellt - auch am Sandsteinumgang unterhalb des Turms, der infolgedessen gesperrt wurde. Es habe "dringender Handlungsbedarf" bestanden, betont Fritz. Der Turmhelm müsse großteils ausgetauscht werden und werde sukzessive wieder aufgebaut. Ein Statikbüro und das Erzbischöfliche Bauamt begleiten die Maßnahme. Auch die Fugen an Back- und Natursteinen sowie das Turmdach und die Blechanschlüsse seien nicht mehr in Ordnung, ergänzt Pfarrgemeinratsvorsitzender Daniel Ungerer. Fazit: "Es wird Zeit, dass etwas gemacht wird."

So wurden die Schäden kartiert und ein Sanierungsplan erarbeitet, mithilfe dessen die Kirche in zwei Bauabschnitten wieder auf Vordermann gebracht werden soll. Die vorrangige erste Sanierungsmaßnahme umfasst die Ertüchtigung des Turms bis zur Balustrade und kostet voraussichtlich 1,2 Millionen Euro. 30 Prozent der Kosten bezuschusst das Erzbischöfliche Ordinariat aus Mitteln des Ausgleichsstocks, erklärt Ungerer, den Rest muss die Kirchengemeinde aus ihrem Etat und aus Rücklagen finanzieren. Zudem seien diverse Zuschüsse beantragt worden.

Ein ordentlicher Brocken - zumal das Gotteshaus im zweiten Sanierungsabschnitt vom Turm über das Kirchenschiff nach hinten instandgesetzt werden soll. Was das kosten könnte, weiß die Pfarrei noch nicht. "Uns war klar, dass etwas ansteht, aber nicht in dieser Größenordnung", sagt Daniel Ungerer. 1980 habe es letztmals Renovierungsarbeiten an der Kirche gegeben.

Zudem läge bei der Kanalisation um das Gotteshaus herum auch noch "einiges im Argen", weiß der Pfarrer. "Das wäre eventuell ein dritter Bauabschnitt, denn das Wasser sollte ordentlich ablaufen, damit die Fundamente trocken sind", meint er. Aber das ist natürlich auch eine Kostenfrage.

Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende will sich deshalb auch mit dem Thema Fundraising und Spendenaktion beschäftigen. Da bei der aktuellen Baumaßnahme sofortiger Handlungsbedarf bestand, sei dafür aber noch keine Zeit gewesen.

Auf die Gottesdienste haben die bereits begonnenen Arbeiten laut Pfarrer keinen Einfluss. Nur auf das Glockengeläut ihrer Kirche werden die Bietigheimer noch einige Zeit verzichten müssen.

zurück
1