Die Stationsglocke hängt inzwischen in Afrika

Die Stationsglocke hängt inzwischen in Afrika

Malsch (yd) - Die Heimatfreunde Malsch widmen ihre neueste Ausstellung der Eisenbahnlinie von Rastatt nach Offenburg, die genau vor 175 Jahren, am 1. Mai 1844, in Betrieb genommen wurde: Auch am eigens zu diesem Zweck gebauten Malscher Bahnhof hielt an jenem Tag zum ersten Mal ein Zug - und die Veränderungen in der Gemeinde waren bereits kurz darauf spürbar.



Wie genau sich die neue technische Errungenschaft auf das Dorf auswirkte, erläutern die Mitglieder der Heimatfreunde unter anderem in ihrem neuesten "Büttel", wie die historischen Schriften des Vereins genannt werden. Dieser soll ebenfalls pünktlich zur Eröffnung der Ausstellung am Montag, 17. Mai, erscheinen. Erwerben kann man die rund 80-seitige Schrift dann zum Preis von acht Euro an der Rathauspforte oder bei den Heimatfreunde-Mitgliedern. Im Prinzip sei der "Büttel" eine Ergänzung zu dem, was in der Ausstellung gezeigt werde, erklärt Burgl Rademacher, Mitglied im Vorstandsteam der Malscher Heimatfreunde. Seit November vergangenen Jahres haben sieben Mitglieder des rührigen Malscher Vereins sich mit dem Thema "175 Jahre Bahnhof Malsch" befasst. Es wurden Bilder gesichtet, Pläne in Archiven gesucht, Geschichten und Anekdoten aufgezeichnet. 17 Schautafeln und einige Exponate, die in Vitrinen ausgestellt werden, sollen das Thema umfangreich beleuchten. Rademacher: "Es gibt also viel zu sehen, was das Eisenbahnerherz höher schlagen lässt." Die erste Stationsglocke des Malscher Bahnhofs gehört übrigens nicht zu den Exponaten. Sie hängt nämlich in einer Missionsstation im afrikanischen Gabun. Wie sie dort hingelangte ist ungewiss. Groß ist jedoch der Zufall, dass man heute von dieser zweiten Verwendung weiß: Ein Freiburger war einst in der kleinen Kirche in der Kleinstadt Mekambo zu Gast und hat auf die Glocke, auf die das badische Wappen sowie die Inschrift "Großherzogliche Badische Eisenbahnstation Malsch, 1853" geprägt ist, entdeckt. Ein Foto schickte er nach Malsch.

Der Anstoß zur Ausstellung kam übrigens dieses Mal aus dem Malscher Rathaus selbst, dort ist die Schau dann auch bis zum 4. Juli zu besichtigen. Bürgermeister Elmar Himmel schlug den Heimatfreunden vor, das Thema in den Fokus zu nehmen. Immerhin hatten nördlicher gelegene Städte wie Bruchsal oder Karlsruhe den Geburtstag ihrer Bahnhöfe, die bereits einige Jahre früher in Betrieb genommen waren, ebenfalls gefeiert.

Apropos Feiern: Ob der Malscher Bahnhof vor 175 Jahren mit großem Tamtam ei ngeweiht wurde, ist heute nicht mehr bekannt. In den Archiven findet sich nichts dazu. Burgl Rademacher glaubt aber, dass das nicht der Fall war: "Die Bevölkerung stand der neuen Errungenschaft eher skeptisch gegenüber, die Eisenbahn wurde teilweise eher als bedrohlich empfunden und man war froh, dass der Bahnhof etwas außerhalb des Ortskerns angesiedelt war", so die Hobby-Historikerin. Interessant sind allerdings die Fahrgastzahlen, die Josef Bechler, der einen Großteil des neuen "Büttels" verfasst hat, "ausgegraben" hat: Zwischen Mai und Dezember 1844, also im ersten halben Jahr nach der Inbetriebnahme des Bahnhofs, fuhren 11 424 Passagiere in Malsch ab. Viele Pendler nutzten den Zug schon bald, um schneller zur Arbeit in die Städte zu gelangen und kurze Zeit nach der Eröffnung wurde der Bahnhof auch schon ergänzt.

Ergänzt wird die neue Ausstellung durch zwei Vorträge zum Thema. Im Rahmen der Vernissage am Montag, 17. Mai, 19 Uhr, im Rathaus referiert der Münchner Andreas Knipping, Autor mehrerer Bücher zur Eisenbahngeschichte, zum Thema "Rheintalbahn - ihre Bedeutung für Baden". Referent des zweiten Vortrags am Montag, 17. Juni, 19 Uhr, ebenfalls im Malscher Rathaus, ist der Politikwissenschaftler Professor Sven Jochem von der Universität Konstanz. Sein Thema lautet "Eisenbahn, ein Wendepunkt in der jungen Geschichte".

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