"Mehr Sozialdemokrat als Ernst Kopp geht nicht"

'Mehr Sozialdemokrat als Ernst Kopp geht nicht'

Rastatt (hr) - Überrascht wurde Ernst Kopp bei einem vom SPD-Kreisverband organisierten Dankabend von der großen Anzahl ehemaliger Weggefährten auf kommunaler, Landkreis- und Landesebene. Die Stühle im Rossi-Haus Rastatt reichten nicht für alle Gäste aus. Kopp wurde mit der Willy-Brand-Medaille geehrt, der höchsten Auszeichnung der SPD, die damit Mitglieder würdigt, die sich um die Sozialdemokratie in besonderer Weise verdient gemacht haben.



Landtagsabgeordneter Jonas Weber, die ehemalige Sozialministerin Katrin Altpeter, Generalsekretär Sascha Binder, der Rastatter Gemeinderatsfraktionsvorsitzende Joachim Fischer, der frühere Gernsbacher Bürgermeister Dieter Knittel und die Geschäftsführerin des Seniorenbüros in Bietigheim, Ingrid Heck-Fütterer, stellten die menschliche Art sowie das ausgezeichnete Gedächtnis von Ernst Kopp in den Mittelpunkt ihrer teils sehr persönlichen, mit vielen Anekdoten gespickten Erinnerungen. Sie bescheinigten Kopp, dass er sich mit dem Ziel eines friedvollen und toleranten Miteinanders stets für die soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit eingesetzt habe.

"Mehr Sozialdemokrat als Ernst Kopp geht nicht", betonte Knittel. Und ergänzte, Kopp sei der Klimabeauftragte im Kreis gewesen, der, wenn die Stimmung in Sitzungen zu kippen drohte, unter dem Motto "es gibt Dinge, die kann man leichter singen als sagen" ein Lied anstimmte, wodurch sich die Wogen oft beruhigten.

Ab 2011 war er als Landtagsabgeordneter im Einsatz; viele seiner Ideen konnten umgesetzt werden, erinnerte sich die Festrednerin Katrin Altpeter. Wenn es um die Sache ging, sei Kopp hartnäckig gewesen. Nicht nur in den Sitzungen, auch bei gemeinsamen Abendessen habe er versucht, die Widersacher für die gemeinsame Sache zu gewinnen. Und er habe es wie kein anderer verstanden, ihnen das Gefühl zu geben, dass die gefundenen Kompromisse ihre Idee waren.

Die Kunst der persönlichen Ansprache, sein Verhandlungsgeschick, sein persönlicher Umgang mit den Menschen, sein phänomenales Gedächtnis und immer vorherrschend seine Sorge, wie es der Partei gehe, werde von Ernst Kopp in Erinnerung bleiben, waren sich Altpeter, Binder, Fischer, Heck-Fütterer und Knittel in einer von Inge Bellan-Payrault moderierten Talk-Runde einig. Fischer betonte, Kopp habe ein Helfersyndrom.

Aus der großen Zahl an Initiativen Kopps würdigte Kreisvorsitzender Weber unter anderem dessen Engagement für den Hochwasserschutz und für die Lernfabrik 4.0 in Gaggenau. Als größten Erfolg auf Landesebene sieht Generalsekretär Binder Kopps erfolgreiches Engagement für das Ende der Privatisierung der Bewährungshilfe im Land.

Erwin Kleinbub (Akkordeon), Thomas Kleinbub (Gesang), Günter Walz (Gitarre und Edgar Schaum (Posaune) verliehen dem Abend nicht nur einen festlichen Rahmen, sie hatten mit "Ich bin so gern, so gern daheim, daheim in meiner stillen Klause" und "Ein Mädchen vom Lande" zwei Lieder vorbereitet, die Ernst Kopp mit Inbrunst sang. Der Vielgelobte zeigte sich tief bewegt und blickte voll Freude auf sein bewegtes Leben als Ortschaftsrat, Gemeinderat, Kreisrat, 24 Jahre Bürgermeister von Bietigheim und als Mitglied des Landtags zurück, das nicht immer nach seinen Vorstellungen verlaufen sei. "Nachdem 2016 die Unvereinbarkeit von Amt und Mandat eingeführt wurde, konnte ich als Mitglied des Landtags 2015 nicht mehr für eine neue Amtsperiode als Bürgermeister in Bietigheim kandidieren, und die gesundheitlichen Probleme haben mich gezwungen, mein Landtagsmandat in jüngere Hände zu übergeben. Meiner Familie habe ich viel abverlangt." Mit zugeworfenen Küsschen bedankte er sich bei seiner Frau Beate, er dankte den Genossinnen und Genossen und plädierte für eine hohe Wahlbeteiligung bei den Kommunal- und Europawahlen. Ohne das vereinte Europa, so Kopp, hätte er in den vergangenen 60 Jahren nicht in Frieden leben können.

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