Von der Hardtgemeinde ins Silicon Valley

Von der Hardtgemeinde ins Silicon Valley

Von Franziska Kiedaisch

Durmersheim - Der Ball auf dem Bildschirm des Tablets rollt durch einen Gang. Per Knopfdruck wechselt er die Richtung oder wird über eine Brücke umgeleitet. Was für Nutzer der App nach Zeitvertreib klingt, bedeutet für den Informatik-Studenten Niklas Bülow Arbeit. Der 19-jährige gebürtige Durmersheimer hat das Spiel selbst programmiert - und damit eins von 350 Stipendien für die World Wide Developers Conference (WWDC, auf deutsch: Weltweite Entwickler-Konferenz) von Apple gewonnen, die in der IT-Branche einen hohen Stellenwert hat.

Bereits zum dritten Mal in Folge hat Bülow eine Freikarte für die Konferenz im Silicon Valley abgestaubt, die zwischen dem 3. und 7. Juni in San Jose stattfindet. Das Stipendium richtet sich an Studenten und Mitglieder von MINT-Organisationen. Voraussetzung dabei war, eine App zum Leben zu erwecken. Diese sollte mit "Swift Playground" programmiert werden - eine Anwendung, die das Lernen der von Apple entwickelten Programmiersprache "Swift" erleichtern soll. Dabei gab es keine strikten Vorgaben, kreativ sollte die Anwendung jedoch sein, erklärt Bülow.

Der Informatik-Student arbeitet seit etwa einem Jahr bei einer jungen Karlsruher Firma, die Apps entwickelt und nach den Wünschen der Kunden umsetzt. In den hippen Räumlichkeiten des alten Malzwerks der Hoepfner Brauerei programmiert er als Werkstudent Anwendungen für das Apple-Betriebssystem IOS - eine Taschengeld- und eine Fitness-App hat er hier bereits entwickelt.

Bei seiner ersten Bewerbung für einen der begehrten Stipendienplätze für die WWDC vor über zwei Jahren war Bülow hingegen programmiertechnisch noch recht grün hinter den Ohren: "Ich habe im Januar mit IOS-Anwendungen begonnen und mich im März beworben. Überraschenderweise hat das geklappt." Sein Erstlingswerk, eine kostenlose Kalender-App mit dem Namen "Hyze", gibt es nach wie vor im App-Store zum Herunterladen.

Den Auftakt für seine heutige Passion machte dabei nicht etwa ein Smartphone oder Tablet, sondern ein MP3-Player: Zugegebenermaßen sieht der "Ipod Touch 2" aber nicht nur aus wie ein Handy mit Wisch-Display, sondern funktioniert auch ähnlich. Der jugendliche Bülow war davon angetan: "Ich wollte wissen, wie man das macht", sagt er heute. Auch beim Videospielen habe er sich immer wieder gefragt, wie die Spiele programmiert werden. Erste Erfahrungen hat er im Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium gemacht: Beim Programmieren eines sogenannten Mikrocontrollers war das - einer Art Mini-Computer. Als er dann online auf eine Vorlesung der RWTH Aachen zur Programmiersprache Java stieß, war Bülow mit dem IT-Virus restlos infiziert.

Eine Präferenz beim Programmieren ist seither klar erkennbar: "Im Moment konzentriere ich mich voll auf Apps. Das macht viel Spaß, auch weil viele Menschen sie benutzen." Die Konferenz in San Jose wird der junge Entwickler dazu nutzen, neue Sachen auszuprobieren, den anderen Teilnehmern Anwendungen und Codes zu zeigen und mit ihnen zu sprechen. Für die 350 internationalen Stipendiaten begann die Konferenz gestern mit der Begrüßungsveranstaltung: ",Trinkt genug' sagen sie immer", weiß Bülow. Die Ablenkung sei teilweise so groß, dass Teilnehmer offenbar das Trinken vergessen.

Bülow ist gemeinsam mit einigen Arbeitskollegen bei der WWDC. Letztere haben sich nicht auf ein Stipendium beworben, sondern in einer von Apple organisierten Lotterie eines von 5 000 Tickets gewonnen. Anders kommt man laut Bülow nicht an Eintrittskarten. Kostenlos ist ein Ticket aber nicht: Stolze 1 599 Dollar kostet es. Geboten werden dafür Präsentationen neuer Apple-Anwendungen oder Entwickler-Sprechstunden zu bestimmten Problemen, wie Bülow erklärt. Entscheidend seien aber die Netzwerke - und das nicht auf der digitalen, sondern der menschlichen Ebene. "Sich auszutauschen ist das Wichtigste", sagt Bülow.

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