"Ich habe Respekt vor dieser Reise gehabt"

'Ich habe Respekt vor dieser Reise gehabt'

Von Sabine Wenzke

Kuppenheim - Bernd Hoffmann gehört zu den Menschen, die sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Eigentlich könnte der 64-Jährige, der mehr als 20 Jahre im Ausland gearbeitet hat, nun seinen verdienten Ruhestand in Kuppenheim genießen und es etwas ruhiger angehen lassen. Doch Rasten ist sein Ding nicht, wie sein jüngster Trip über 9 050 Kilometer zeigt. Der gelernte Kfz-Handwerksmeister hat nämlich sein 26 Jahre altes Motorrad wieder flott gemacht und ist durch zwölf Länder gedüst.

"Ich bin gerne unterwegs", sagt Bernd Hoffmann, der durch seine Arbeit schon früh zum Globetrotter wurde - "ich war viel für Mercedes im Ausland", erzählt er, hat sich aber auch zeitweise selbstständig gemacht. Tschechei, Sambia, Nigeria, Saudi-Arabien und elf Jahre Kuwait waren nur einige der Länder, in denen er tätig war. Immer wieder neu anzufangen in einem fremden Land und mit den unterschiedlichen Kulturen und Mentalitäten zurechtzukommen als Werkstattleiter oder in einer anderen Tätigkeit, das sei jedes Mal wieder eine Herausforderung gewesen und habe mehr oder weniger auch Spaß gemacht.

Er habe stets hart gearbeitet, manchmal sogar bis zu 16 Stunden am Tag, berichtet Hoffmann, der weitgehend in Rastatt aufgewachsen ist und seit 2008 ein Haus in Kuppenheim hat. Dorthin kehrte er auch immer wieder mit seiner Familie zurück, als er noch ein kontrastreiches Leben zwischen Kuwait und Kuppenheim führte (das BT berichtete in der Serie "Rastatter in Anderswo").

Das unstete Leben hat seinen Preis: Zwar lernt man viele Menschen kennen, aber ein soziales Netz aufzubauen und zu pflegen, ist recht schwierig, wenn man alle paar Jahre woanders ist, weiß Hoffmann. Sein Freundeskreis ist daher überschaubar und weit verstreut. Zu ihm zählt ein früherer Nachbar aus Kuwait, ebenfalls ein Deutscher, der inzwischen in Georgien lebt und gerne Motorrad fährt. Den besuchte Hoffmann vergangenes Jahr in seiner Wahlheimat an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien. Zwei weitere Bekannte stießen noch hinzu, sodass man schließlich zu viert auf geliehenen heißen Öfen eine Woche lang den Kaukasus erkundete.

Das hat Bernd Hoffmann sehr gut gefallen. Und so reifte recht bald der Gedanke, erneut nach Georgien zu fahren, dieses Mal aber nicht hinzufliegen, sondern gleich von Deutschland aus mit seiner alten BMW R 1100 RS zu starten, die er im Keller wiederentdeckt hatte. Eine neue Herausforderung für den umtriebigen Kuppenheimer, der immer "tausend Sachen im Kopf hat", aber weiß: "Beim Motorradfahren muss man den Kopf frei haben". Das wollte er. Er habe großen Respekt vor der Reise gehabt, sie daher gut vorbereitet und alles, auch die Übernachtungen, selbst organisiert. Am 23. April ging es los, am 17. Mai, nach gerade mal 25 Tagen, war er daheim. Bei seiner Tour querte er Deutschland, die Schweiz, Italien, Türkei, Griechenland, Georgien, Armenien, Bulgarien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich. Er habe in dieser Zeit 25 Mal getankt und die 1 200 Kilometer übers Schwarze Meer von Batumi (Georgien) nach Burgas (Bulgarien) auf der Fähre in 54 Stunden zurückgelegt.

Kaum von der Fähre runter, wurde er allerdings erst einmal angehalten, da angeblich sein Nummernschild nicht zu

seiner Maschine gehörte. Erst dreieinhalb Stunden später klärte sich das Missverständnis und er konnte weiterfahren. Der Zeitverlust habe ihn mächtig geärgert, blickt er zurück.

Auch eine Panne gab es auf der Reise: Gleich in Italien ging die Kopfdichtung kaputt. "Nachdem die BMW-Werkstätten in Ancona und Bari das Problem nicht lösen konnten, musste ich nach Neapel, um die Zylinderkopfdichtung zu erneuern. An diesem Tag bin ich 1 000 Kilometer gefahren", berichtet Hoffmann. Und in Armenien waren die Straßen dermaßen schlecht, dass vermutlich die alte Maschine draufgegangen wäre. "Das Motorrad opfern wollte ich aber nicht", betont der Globetrotter. 100 Kilometer vor Eriwan drehte er deshalb um und hatte auf der weiteren Fahrt nur noch Wetterpech: Ab Bulgarien war es bewölkt und es regnete immer wieder. Daher beschloss er, nach Hause zu fahren. Nach 1 650 Kilometern war das Ziel 16 Stunden später erreicht.

Er habe tolle Landschaften und fremde Städte gesehen, nette Begegnungen mit Menschen gehabt, erinnert sich der Kuppenheimer an viele schöne Seiten dieser Reise, die er in zahlreichen Fotos festgehalten hat. Er erwähnt die vielen Kühe, Schweine, Hunde und Hühner, die auf der Hauptstraße in Georgien unterwegs waren. Und er schwärmt von der dreitägigen Motorradausfahrt in den kleinen Kaukasus, den er mit den drei Motorradfreunden vom Vorjahr unternommen hat. Die Georgier seien sehr gastfreundlich. "Ein Fremder hat uns seinen Tschatscha, das ist georgischer Grappa, angeboten, dazu musste man immer einen Trinkspruch aufsagen", meint er schmunzelnd. Und dann erzählt er von einem besonderen Gefühlserlebnis auf einer Passage, die unvergessen bleibt: "In Griechenland bin ich zwei Stunden allein auf einer Straße gefahren, ganz ohne jeglichen weiteren Verkehr. Es war alles ruhig. Ich habe gesungen und mich gefühlt, als sei ich alleine auf dieser Welt". Er habe diese Reise für sich gebraucht. "Sie hat mir sehr viel gebracht", verdeutlicht der 64-Jährige, um sich zu beweisen, das er noch schafft, was er sich vorgenommen hat. Er setze sich stets Ziele, sei ein Kämpfer. Wie extrem zuweilen, zeigte sich, als er mit 55 Jahren in 100 Tagen in Kuwait bei 50 Grad Hitze jeden Tag für einen Marathon trainierte, den er dann drei mal in Ägypten, Jordanien und in der Tschechei absolviert habe.

"Für mich gibt



es keine Schublade"

Und als er zurück ins Badische kam, habe es ihn gefuchst, dass andere an ihm vorbei mit dem Fahrrad den Merkur hochfuhren, schildert er ein weiteres Beispiel, das seinen Ehrgeiz angestachelt hat. Also habe er geübt und als er fit war, sei er 50 Mal in sechs Monaten den Merkur hochgefahren. Auch heute fühle er sich immer noch voller Energie.

Das zeigt sich auch zuhause, wo er nach wie vor ein Unsteter ist, der immer etwas tun muss.

Aktuell restauriert er einen Unimog und bekocht täglich seine Frau, die noch berufstätig ist. Im Sommer will er mit dem Fahrrad an den Gardasee fahren, berichtet er von seinen nächsten Plänen. Und vielleicht zieht es ihn noch einmal nach Afrika, nach Kenia, um an einem geplanten Hilfsprojekt mitzuwirken. Sicher ist das aber noch nicht. Sicher ist nur eines: "Es gibt für jeden eine Schublade, für mich gibt es keine", ist Bernd Hoffmann überzeugt.

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