Kaum einer vermisst das Handy

Kaum einer vermisst das Handy

Rastatt (sb) - Die Stadtranderholung des Diakonischen Werkes ist und bleibt ein Renner. Auch in diesem Jahr waren die beiden Freizeiten über drei und zwei Wochen im Rastatter "Freizeitparadies" in Plittersdorf binnen weniger Tage ausgebucht. "Die Nachfrage ist groß", berichtet Organisatorin Claudia Rex. Sie führt dies vor allem auf berufstätige Eltern zurück, die ihre Kinder bei der Stadtranderholung während der eigenen Arbeitszeit gut aufgehoben wissen. Rex weiß aber auch, dass die Tage im Freizeitparadies für einige der Teilnehmer der einzige Urlaub in diesem Jahr sind, denn bei vielen sind Ferien anderswo finanziell nicht möglich.


Geboten wird den insgesamt mehr als 120 Kindern im Alter zwischen sieben und elf Jahren allerhand. Basteln und Sport stehen ganz oben auf der Hitliste. Zudem wird es in dieser Woche ein Zirkusprojekt geben, bei dem sich die Kinder als kleine Artisten ihren Eltern präsentieren dürfen.

Die Stimmung an den ersten Tagen der Stadtranderholung ist entspannt: "Das Wetter ist prima", freut sich Leiterin Daniela Kuhn. Ihr zur Seite steht ein motiviertes Team aus erfahrenen und neuen Mitarbeitern. Unter ihnen die 18-jährige Lisa Jörger. Viele Jahre hat sie selbst als Kind an der Stadtranderholung teilgenommen. Nun ist sie zum ersten Mal als Betreuerin dabei. "Vieles ist noch wie früher", lacht sie und freut sich unter anderem über das leckere Essen und die vielen Angebote.

Gestartet wird jeden Tag mit einem gemeinsamen Frühstück. Anschließend darf unter anderem gebastelt werden. So entstand in der vergangenen Woche eine große Schauwand, auf der sich die Kinder mit Acrylfarben selbst malen durften. Die Rastatter Künstlerin und Kunsttherapeutin Kerstin Klimek hat das Projekt organisiert: "Es kam so gut an, dass wir unsere zu bemalende Fläche bald von 14 auf 20 Meter vergrößert haben", freut sie sich. Dabei wird das Motto der diesjährigen interkulturellen Woche "Gemeinsam leben, zusammen wachsen" aufgegriffen. Entsprechend zeigt das Werk ein buntes Miteinander in Form einer Menschenkette. Zu sehen sein wird es während der interkulturellen Woche in den Räumen der früheren AWO-Elternschule, die das Diakonische Werk angemietet hat. Am 24. September ist zudem eine Fotodokumentation zur Entstehung des Kunstwerks geplant. Auch gibt es die Idee, die gemalte Menschenkette durch eine mit den Besuchern gestaltete zu verlängern.

Wie seit Jahren gilt bei der Stadtranderholung ein Handy- und Videospielverbot. Doch kaum einer der Teilnehmer vermisst das Handy: "Hier gibt es richtig viel zu erleben", sagt der zehnjährige Havel. Besonders die verschiedenen Spiele und das gemeinsame Baden im See machen ihm Spaß. Auch neue Freunde hat er während der ersten Tage in Plittersdorf bereits gefunden. Zum ersten Mal ist die siebenjährige Emma-Lynn dabei. Sie hat unter anderem an Bastelaktionen teilgenommen und Fußball gespielt. Und was war bisher das Beste? "Das Mittagessen", sagt Emma-Lynn, ohne zu zögern.

Für Daniela Kuhn und ihr Team ist derweil wichtig, dass "die Kinder einfach mal Kinder sein dürfen". Fernab von Schule und Alltagsstress dürfen sie das machen, was ihnen gerade Spaß macht. Dank des vielfältigen Programms ist die Auswahl groß, und so finden viele Teilnehmer rasch neue Freunde. Oder es kommt zu einem fröhlichen Wiedersehen. Oft auch mit den Betreuern, die für die Kinder schnell zu Freunden und wichtigen Ansprechpartnern geworden sind - denn manchmal sind es gar nicht die tollen Spiele oder das Baden im See, auf das es ankommt, sondern einfach auch ein wenig Zeit, in der die Teilnehmer den Betreuern aus ihrem Alltag erzählen können und auf ein offenes Ohr treffen. "Das", so Claudia Rex, "fehlt anderswo leider zu oft."

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