Lückenschluss im nördlichen Landkreis

Lückenschluss im nördlichen Landkreis

Ötigheim (as) - Das "soziale Herz von Ötigheim", wie Bürgermeister Frank Kiefer den Bereich hinter dem Ötigheimer Bahnhof nennt, wächst: Am Donnerstagnachmittag läutete der symbolische Spatenstich den Bau eines ambulant betreuten Wohnhauses für bis zu 14 Behinderte ein. Hasso Schmidt-Schmiedebach als Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe Rastatt/Murgtal freute sich, dass damit "der Lückenschluss im nördlichen Landkreis gelingt", wo es bisher keine solche Einrichtung gibt.

Er sprach deshalb von einem "bedeutenden Tag". Zwei Millionen Euro lässt sich die Lebenshilfe den Neubau in der Händelstraße 2 kosten - direkt neben der Tagespflegeeinrichtung, die derzeit von der Firma SPPS gebaut wird (wir berichteten). Nicht vorhersehbare Belastungen des Erdreichs verursachten bereits Mehrkosten von 50 000 Euro, informierte Schmidt-Schmiedebach in seiner Ansprache. Insofern sei man sehr froh gewesen, dass die Aktion Mensch den zugesagten Zuschuss von 110 000 Euro auf 200 000 Euro erhöht.



Im Juli 2020 soll das neue Haus, an dem vorwiegend regionale Firmen arbeiten werden, bezugsfertig sein, informierte Architekt Alwin Merkel. Geplant sind im unterkellerten Wohnhaus rund 580 Quadratmeter Wohnfläche: acht Wohnungen für Einzelpersonen (je 47,1 Quadratmeter), von denen bei Bedarf auch zwei für ein Ehepaar zusammengelegt werden können, und zwei Wohnungen für Dreier-Wohngemeinschaften. Alle Wohnungen erhalten eine Küche und bodenebene Duschen. Zudem gibt es im Haus einen Gemeinschaftsraum und eine Terrasse mit Gartenbereich. Die Lebenshilfe-Stiftung wird das Haus an die Murgtalwerkstätten und -wohngemeinschaften vermieten.



Die Betriebskosten trägt der Landkreis Rastatt. Das dritte Gebäude, das die Stiftung derzeit baut, werde vorerst das letzte sein, erklärte Schmidt-Schmiedebach, denn damit komme man finanziell "ziemlich an die Grenze". Er lobte die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung, von der man im Gegensatz zu den Nachbargemeinden ein Grundstück zu einem bezahlbaren Preis angeboten bekommen habe.



Bürgermeister Frank Kiefer war sich sicher, den richtigen Platz für das Projekt gefunden zu haben: Nah an Stadtbahn, Einkaufsmöglichkeiten oder Ärzten. Dank eines offenen Austauschs im Vorfeld seien viele Vorbehalte ausgeräumt worden, so dass es im Gemeinderat schließlich ein einstimmiges Votum gab. Kiefer versprach, Ötigheim werde die neuen Mitbürger der Lebenshilfe gut integrieren. Er betonte, auch die Nachbar-Bürgermeister seien froh über das künftige Angebot, in dem vorzugsweise Bewohner aus den Hardtgemeinden untergebracht werden sollen.

Schmidt-Schmiedebach sprach am Rande des Spatenstichs auch die Möglichkeit an, auf dem Grundstück noch eine kleine Lebenshilfe-Werkstatt zu bauen, um weitere Arbeitsplätze anbieten zu können. Das sei allerdings noch ganz ferne Zukunftsmusik.

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