Erinnerung an Kriegsverbrec her unerwünscht

Erinnerung an Kriegsverbrec her unerwünscht

Ötigheim (sl) - Dass auf dem Ötigheimer Friedhof Kriegsverbrecher bestattet sind, deren Gräber die Gemeinde bis auf den heutigen Tag pflegt, dürfte wenig bekannt sein. Der Gemeinderat möchte, dass das auch so bleibt, und stimmte am Dienstagabend gegen die Aufstellung einer Hinweistafel mit historischer Einordnung. Nur Gemeinderat Christian Dittmar (FWG) und Bürgermeister Frank Kiefer hoben die Hand für den Vorschlag.



Wie Kiefer zugab, war auch im Rathaus längst in Vergessenheit geraten, dass es sich bei den an prominenter Stelle Bestatteten um sechs Kriegsverbrecher handelt, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Besatzungsmacht hingerichtet wurden. Erst als die Redaktion des Badischen Tagblatts im November 2018 um eine Stellungnahme zum Umgang mit den Gräbern in Ötigheim bat und darüber berichtete, beschäftigte man sich intensiver mit dem Thema.

Im Zusammenhang mit den Rastatter Prozessen von 1946 bis 1950 wurden 60 Todesurteile vollstreckt. Die Leichname verteilte man auf die Friedhöfe der Umlandgemeinden. Auf dem Ötigheimer Friedhof gibt es ein Sammelgrab mit sechs Kriegsverbrechern, deren Namen auf einem Granitstein stehen. Es liegt an prominenter Stelle: Schräg gegenüber ist Josef Saier beerdigt, Gründer der Volksschauspiele. Da weitere Gemeinden betroffen sind, hat die Stadt Rastatt in einem dem BT vorliegenden Schreiben einen einheitlichen Umgang vorgeschlagen. Diesen Vorschlag hat die Stadt zusammen mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erarbeitet. Er beinhaltet Hinweistafeln, die allgemein über Kriegsgräber und konkret die bestatteten Kriegsverbrecher informieren. Die Stadt Rastatt will solche Hinweistafeln auf den Friedhöfen in Wintersdorf, Ottersdorf und Plittersdorf aufstellen. Und auch Bürgermeister Kiefer plädierte in der Gemeinderatssitzung dafür, sich dem Vorschlag anzuschließen. Das Gremium sah das allerdings ganz anders.

Ralph Ganz (CDU) äußerte, man solle sich besser mit der Zukunft als mit der Vergangenheit beschäftigen. Über 70 Jahre später solle man das Fass nicht aufmachen. Wörtlich sagte er: "Das ist nicht nur Schnee von gestern, sondern von vorvorgestern. Das interessiert hier niemanden." Christian Schorpp (CDU) pflichtete bei: "Falls es sich tatsächlich um Kriegsverbrecher handelt, haben sie ihre Schuld verbüßt und man sollte sie ruhen lassen." Markus Rapp (CDU) gab sich "hin- und hergerissen". Was passiert ist, sei schlimm. Das wolle er nicht schmälern, "aber es muss irgendwann auch mal gut sein". Enrico Kleinkopf äußerte Bedenken, dass eine Tafel die Gräber zu einer Wallfahrtsstätte machen könnte. Man solle nicht öffentlich machen, dass dort Kriegsverbrecher liegen.

Bürgermeister Frank Kiefer warf ein, dann müsse man die Gräber eigentlich ganz entfernen. So hat es übrigens die Gemeinde Hügelsheim gehandhabt. Doch das war vom Gremium ebenfalls nicht gewünscht. Es soll nun alles so bleiben, wie es ist.

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