Nach Konzert-Absage: "Kollegah tobt"

Nach Konzert-Absage: 'Kollegah tobt'

Von Sebastian Linkenheil

Rastatt - Das durch Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch abgesagte Kollegah-Konzert in Rastatt erhitzt die Gemüter. "Kollegah und sein Management toben", sagte Veranstalter Volker Winkelmann dem BT gestern. Ob es eine Verlegung und damit einen neuen Termin geben wird, ist seiner Einschätzung nach völlig offen. SPD-Landtagsabgeordneter Jonas Weber meldete sich gestern mit der Ansicht zu Wort, dass der Künstler am besten gar nicht in Rastatt auftreten sollte.


Das für den 9. November geplante Konzert in der Badner Halle hatte Oberbürgermeister Pütsch am Mittwoch abgesagt (wir berichteten). Vorausgegangen war eine Anfrage des Badischen Tagblatts, wie der Jahrestag der sogenannten Reichspogromnacht mit dem Auftritt eines Künstlers zusammenpasst, dessen Texte als antisemitisch kritisiert werden.

Von einem Kunden, der sein Geld zurückwollte, habe er von der Konzert-Absage erfahren, als er gestern früh den Ticketservice in der Badner Halle aufschloss, ärgert sich Winkelmann. Bis gestern Nachmittag habe er keine offizielle Mitteilung durch die Stadtverwaltung erhalten. Und auch im Vorfeld sei die Konzertabsage nicht mit ihm abgesprochen worden: "Das empfinde ich als unfair." Die Entscheidung wertet er als "Schnellschuss des Oberbürgermeisters". Am 9. November wäre die "Hütte sicher ausverkauft gewesen", so seine Einschätzung.

Was aus den bereits verkauften Tickets wird, konnte Winkelmann gestern noch nicht sagen. Kollegah (übrigens studierter Jurist) und sein Management würden noch davon ausgehen, dass das Konzert stattfindet. Eine offizielle Absage liege ja bisher nicht vor. Über seine vertraglichen Konditionen im Fall einer Absage oder Verschiebung möchte Winkelmann nicht mit der Presse sprechen: "Ich würde vertragsbrüchig werden, wenn ich Ihnen das erzähle." Er rechnet aber mit Einbußen von mehreren Zehntausend Euro. Für diese Kosten will er Kompensation von der Stadt verlangen.

Winkelmann kritisiert ferner, dass am 9. November die Musiknacht in der Innenstadt sehr wohl stattfinden kann. Die Texte der auftretenden Bands will er nun auf antisemitische Inhalte untersuchen.

Dem SPD-Landtagsabgeordneten und Stadtrat Jonas Weber wäre es nur recht, wenn das Ersatzkonzert mit Kollegah nicht zustande käme. "Ich begrüße die Absage des Konzerts am 9. November ausdrücklich", schrieb er gestern in einer Pressemitteilung. Es sei "kein Datum für den Auftritt eines Künstlers, der durch seine antisemitischen Äußerungen regelmäßig in der Kritik steht". Aus seiner Sicht ist aber auch an einem anderen Tag im Kalender kein Platz für ein Konzert mit antisemitischen und homophoben Botschaften in einer städtischen Halle. Weber: "Ich wünsche mir von der Stadt künftig die nötige Sensibilität im Vorfeld, damit sich ein solcher Fall nicht wiederholt."

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